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Rheintaler, 4. August 2012, 01:37 Uhr

Lieder lassen Wasser fliessen

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Dank Spenden wurde dieser Wassertank in Uganda gebaut. (Bild: pd)

AMRISWIL. Dass Gesang nicht nur sprichwörtlich Freude bringt, zeigt das Adventskonzert der zehn Amriswiler Chören vom letzten Dezember. Mit der Kollekte konnte jetzt zur Freude einiger Bauernfamilien in Uganda der Bau eines Wassertanks finanziert werden.

HUGO BERGER

Singen macht froh, heisst es im Volksmund. Dies trifft auf das Singen im Advent, welches im vergangenen Dezember vom evangelischen Kirchenchor Amriswil organisiert wurde, im doppelten Sinne zu. Die zehn Amriswiler Chöre haben mit ihrem Konzert nicht nur dem Publikum eine Freude bereitet, sondern im nachhinein auch einigen Bauernfamilien in Uganda: Mit der Kollekte von rund 1800 Franken ermöglichten sie ihnen den Bau eines Wassertanks. Bisher mussten diese das Wasser auf einem steilen Weg aus gut 20 Minuten Entfernung heranschleppen.

Kostbares Trinkwasser

Wie kam es zu diesem Projekt? Die Tochter des Chorleiters Willi Hausammann lebt seit einigen Jahren mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Uganda. Das Land in Ostafrika war daher einige Male das Reiseziel der Eltern und Grosseltern. Im Kontakt mit den Einheimischen erfuhr Hausammann von deren Nöten mit dem Trinkwasser. «Wasser ist für viele Ugander ein kostbares Gut, das vielerorts über lange Strecken herbeigetragen werden muss», schildert er seine Eindrücke. Sein Vorschlag, einer Bauernfamilie und deren Nachbarn einen Brunnen zu spenden, stiess beim Organisationskomitee des Konzertes auf offene Ohren.

Die Freude der Familie über ihren Brunnen konnten Willi Hausammann und der ehemalige Kirchenpräsident Jean Egli vor einigen Wochen vor Ort erleben. «Ich erzählte Jean von dem Projekt – er war begeistert, und wir beschlossen spontan, nach Uganda zu reisen», erinnert sich Hausammann. Seine Eindrücke schildert Jean Egli so: «Die Armut, die wir dort antrafen, war für mich ein Kulturschock. Aber die Leute sind sauber gekleidet, freundlich, herzlich und gastfreundlich.» Die Familie, auf deren Grundstück nun der Brunnen steht, freute sich über den Besuch und lud die beiden Amriswiler zum Essen ein. «Davor hatte mich meine Tochter allerdings gewarnt», erzählt Hausammann mit einem Schmunzeln. Der Grund: Mit dem Fleisch geht man in Uganda sehr haushälterisch um, das heisst: von der Kuh gelangen nicht nur die feinen Stücke auf den Teller, sondern auch alle Innereien. «Das war aber nicht so schlimm, weil es in Uganda Sitte ist, einen Rest im Teller zurück zu lassen. Damit signalisiert der Gast, dass er satt ist», weiss Willi Hausammann. In Erinnerung geblieben ist den beiden Besuchern vor allem die Herzlichkeit und grosse Dankbarkeit der Gastgeber.

Kapelle ohne Bänke

Aufgefallen ist den Amriswilern auch, dass die Ugander ihrem Glauben grossen Platz einräumen. So hat die Familie auf ihrem Grundstück mit bescheidenen Mitteln eine eigene Kapelle gebaut. Sie bietet rund 40 Gläubigen Platz. Allerdings fehlen die Sitzbänke, weil sie das Geld dafür noch nicht aufbringen konnte. Auf eine musikalische Umrahmung ihres Gottesdienstes wollen auch die Ugander nicht verzichten. Für die richtige Stimmung sorgt jedoch nicht eine teure Orgel, sondern eine einfache Trommel.



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