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Rheintaler, 19. Juli 2012, 07:11 Uhr

Nach 209 Jahren zieht das Gericht aus

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Das Rathaus war Wohnturm und einst Teil der Stadtbefestigung.

ARBON. Als Teil der Arboner Stadtbefestigung ist das Rathaus 700 Jahre alt. Seit 1803 tagt darin das Bezirksgericht Arbon. Der Domizilwechsel an die Schlossgasse bedeutet eine Zäsur in der Geschichte eines der meistfotografierten Häuser der Stadt.

HANS GEISSER

Baugeschichte, Bewohner und Nutzung des Rathauses sind mit ein Spiegel der Lokalgeschichte. Bereits in der Stadtrechturkunde von 1255 erwähnt Bischof Eberhard von Waldburg vorhandene Tore und Graben. Der Bau der Stadtmauer ist folgerichtig in die gleiche Zeit zu datieren. Untersuchungen unversehrter Bauhölzer nach dem Rathausbrand im März 1994 weisen auf die Erstellung des Eckturms mit einem Obergaden um 1310 hin.

Wohnturm und Stadtbefestigung

Mit Sichtverbindung zum Obertor beim Schloss und dem Wachtturm im «Römerhof» ist das Gebäude sowohl Wohnturm als auch Teil der Stadtbefestigung. 1407 bestätigt Bischof Albrecht von Konstanz den Arbonern, «ihnen die Güter, welche sie von ihm und der Hofkirche als Lehen nützen und besitzen, alle aufzusenden zu ihren Handen». Erwähnt sind die Stachermühle und der Bühlhof – beide vor 1798 von der Stadt an Private verkauft – und das Rathaus. Grund für das Geschenk ist die Treue der Stadt zum Bischof während der Appenzellerkriege und die erlittenen Kriegsschäden.

Einst katholisches Schulhaus

Eine Lehensurkunde beschreibt 1566 das Haus und die angebaute Pfisterei (Bäckerei). 1736 folgt ein weiterer Anbau als katholisches Schulhaus (heute gelbe Fassade). Die reformierten Schüler drücken im heutigen «Römerhof» die Schulbank. 1792 folgt der Neubau des Obergadens mit dem Ratsaal. Der Saal wird schon im 16. Jahrhundert als Rats- und Gerichtslokal genannt. Als Lehensnehmer (Mieter) und Bewohner tauchen im Lauf der Zeit bekannte Namen auf: Die St. Galler Kaufleute Entgasser, die Blarer von Wartensee, die Arboner Strauss, Stoffel und Mayr.

Bei baulichen Eingriffen im Wohnbereich schenkt die Bürgergemeinde 1882 – damals Eigentümerin – den prachtvollen Kachelofen mit seinen markigen Sprüchen dem Historischen Verein des Kantons Thurgau. Er ist im Gerichtssaal des Historischen Museums Schloss Frauenfeld zu bestaunen. Das während der Renovierung 1929 entdeckte Wappen der Entgasser restauriert der Kunstmaler August Schmid, Diessenhofen. Das Wappen nach dem ältesten Stadtsiegel von 1384 an der Südfassade ist ebenfalls sein Werk. 1937 erfolgt der Bau der Treppe – anstelle der früheren steilen Wegrampe – und des Brunnens, einige Jahre später ergänzt mit dem spielenden Kinderpaar, einer Bronzeplastik des Bildhauers Ernst Heller, Eglisau.

Gericht tagt seit 1803

Seit der Kantonsgründung im Jahre 1803 tagt das Bezirksgericht im Rathaus, bis 1926 dient es zudem für Ziviltrauungen, und nach 1928 gesellt sich die Ortspolizei Arbon mit Büro und Arrestlokal hinzu. Seit deren Auflösung 1942 bis zum Brand im Jahre 1994 befindet sich der Kantonspolizeiposten im Rathaus.

Die in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege erfolgte Restaurierung trug den Bedürfnissen des Bezirksgerichts Rechnung. Platzmangel ist der Grund für den Auszug des Bezirksgerichts in diesen Tagen.



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