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Rheintaler, 27. Juli 2012, 01:35 Uhr

Turmfalken belagern Scheune

Zoom

Misstrauisch blicken drei der vier jungen Turmfalken vor dem Ausfliegen in die Kamera. (Bild: Jakob Heer)

Ursprünglich war die Behausung für Schleiereulen gedacht. Seit über 20 Jahren nistet in einer Holzkiste in der Tabakscheune in Märstetten aber ein Turmfalkenpaar. Nun hat es vier Jungvögel grossgezogen.

WERNER LENZIN

MÄRSTETTEN. Eine steile Holztreppe führt an der Ostwand der vor rund 40 Jahren erstellten Tabakscheune des Märstetter Hohen Hauses hinauf auf den Holzlattenrost in schwindelnder Höhe. «Komm nur hinauf, du brauchst keine Angst zu haben, denn der Holzrost hält», ruft Jakob Heer, der Senior der Familie, dem Journalisten zu. Vorsichtig klettert der Mauser die Holzstufen hinauf, begibt sich zur Holzkiste unter dem First, steigt auf die improvisierten zwei Stufen und öffnet die Klappe. Er weiss, dass man die Jungen nicht stören sollte und macht schnell einige Bilder. Vorsichtig steigt er wieder die Treppe hinunter und berichtet von den Turmfalken, die seit über 20 Jahren in dieser Holzbehausung brüten. «Ursprünglich wurde diese Behausung für Schleiereulen angebracht, doch diese haben nur ein Jahr in der Holzkiste genistet», erinnert sich der betagte Landwirt, der am kommenden Sonntag seinen 89. Geburtstag feiert.

Häufigster Greifvogel

«Fünf Eier hat das Weibchen dieses Jahr ins Nest gelegt und vier waren befruchtet», weiss Jakob Heer. Er hat die Anflugluke auf der Ostseite täglich mit grossem Interesse beobachtet und festgestellt, dass das Männchen während des Brütens verschwindet. Nach dem Schlüpfen der vier Jungtiere kehrte es zurück um das Weibchen beim Füttern zu unterstützen. Heer hat sich darüber informiert, dass der Turmfalke, mit dem lateinischen Namen «Falco tinnunculus», nach dem Mäusebussard der häufigste Greifvogel in Mitteleuropa ist. Dem betagten Landwirt und vielen Einwohnern ist der Falke vertraut, da er sich die Tabakscheune und ihre Umgebung als Lebensraum erobert hat und oft beim Rüttelflug zu beobachten ist. Der Turmfalke war der Vogel des Jahres 2008 in der Schweiz.

Name weist auf Brutplatz hin

Das Leben der vier Turmfalken motiviert zu weiteren Nachforschungen über das Tier, und es stellt sich heraus, dass die wissenschaftliche Artbezeichnung «tinnunculus» auf den Ruf des Turmfalken hinweist, der an ein deutlich hörbares «ti, ti, ti, ti» erinnert und in Ton und Rufgeschwindigkeit je nach Situation variiert. Übersetzt bedeutet das Wort «tinnunculus» etwa «klingend» oder «schellend». Die heute in unserer Gegend übliche Bezeichnung Turmfalke weist darauf hin, dass Turmfalken auch menschliche Bauwerke als Brutplatz nutzen und dabei bevorzugt – wie in der Märstetter Tabakscheune – in den obersten Regionen nisten. Nun sind die vier Jungen selbständig geworden und ausgeflogen. Bestimmt wird im kommenden Frühjahr wieder ein Turmfalkenpaar in der Märstetter Tabakscheune ihre Jungen aufziehen.



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