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Rheintaler, 11. September 2012, 10:32 Uhr

«Wir sind eine Volksbewegung»

Toni Kappeler Zoom

Toni Kappeler auf einer Wiese im Naherholungsgebiet Ghörst, wo die BTS durchführen würde; im Hintergrund ist Uerenbohl zu erkennen. (Bild: Reto Martin)

Im Raum Sulgen erwies sich die Ausgestaltung der Bodensee-Thurtal-Strasse als Knacknuss. BTS-Gegner Toni Kappeler hält von der vorgeschlagenen Lösung nichts. Die Thurgauer Zeitung war mit dem grünen Kantonsrat unterwegs.

GEORG STELZNER

SULGEN. Sommer im AachThurLand. Vereinzelte weisse Wolken zieren den hellblauen Himmel, an dem der Rote Milan majestätisch seine Kreise zieht. Ein Bauer pflügt seinen Acker. Nur das Motorengeräusch des Traktors tritt in Konkurrenz zum Gezwitscher der Vögel. Toni Kappeler, Kantonsrat der Grünen Partei aus Münchwilen und Präsident jenes Komitees, das die Bodensee-Thurtal-Strasse und die Oberlandstrasse bekämpft, geniesst am Rande jenes Waldes, den die Einheimischen Ghörst nennen, die Ruhe.

Pfosten markieren Strasse

Kappeler fallen die weissen Strassenpfosten in den Äckern und Wiesen auf, die im Norden Sulgens den geplanten Verlauf der BTS markieren. Sie sind viel besser zu erkennen als die kurzen roten Holzpfähle, welche der Kanton in den Boden hat rammen lassen. «Ich habe das nicht initiiert», versichert Kappeler, der die Idee aber gut findet. So sei klar ersichtlich, was es bedeuten würde, die BTS zu bauen. Kappeler nutzt die Gelegenheit, um auf die seiner Meinung nach ungleichen Spiesse im Abstimmungskampf hinzuweisen. «Im Gegensatz zu den Befürwortern, die sich einer strukturierten Kampagne bedienen, sind wir eine Volksbewegung.»

Überraschende Frage

Dann taucht plötzlich ein Unbekannter aus dem nahen Wald auf. Es ist ein ehemaliger Bauer aus dem Nachbardorf Donzhausen. Ohne Umschweife beteiligt er sich an der Unterhaltung. Als erstes möchte er wissen, was eigentlich mit der Gasleitung geschehe, die hier im Boden verlegt ist. Kappeler ist überrascht. Davon hat er nichts gewusst; folglich muss er die Antwort schuldig bleiben.

Er sei lange Zeit auch gegen die BTS gewesen, lässt der frühere Landwirt, der den Betrieb längst seinem Sohn übergeben hat, Toni Kappeler wissen. Doch jetzt habe er Zweifel, sagt er. Wegen des 3,5 Meter breiten Fahrstreifens für landwirtschaftliche Fahrzeuge, den die Umweltverbände bei ihrer Lösung vorschlagen. Das reiche nie und nimmer, ist der vife Senior, der seine Identität keinesfalls preisgeben will, überzeugt.

Kappeler versucht, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Spezialfahrzeuge brauchten ohnehin eine Bewilligung und seien nur selten auf der Strasse anzutreffen. Und plötzlich schöpft er Hoffnung, seinen Gesprächspartner doch zu einem Nein am 23. September bewegen zu können. Dieser hat nämlich klipp und klar gesagt, dass die Bauern nicht über Bodenpreise verhandeln wollten, sondern ihr Land bewirtschaften.

Umfahrung umfahren?

Der unbekannte Diskussionsteilnehmer fährt mit seinem Velo nach Hause. Bald ist es Mittagszeit. Kappeler blickt jetzt nach Süden. Dorthin, wo entlang der Romanshornstrasse mehrere Gewerbebetriebe, aber kaum Wohnhäuser stehen. «Diese Firmen würden weiterhin den bestehenden Verkehrsweg, der den Charakter einer Umfahrungsstrasse hat, benutzen», erklärt er. Die BTS wäre hier gewissermassen eine «Umfahrung der Umfahrung» und somit ein Unding. Zum Wohle der Anwohner könnten Lärmschutzwände errichtet werden. Nächste Station ist Uerenbohl, ein Weiler, in dem die Opposition gegen die BTS besonders gross war. Die Einwohner haben den Planern eine Überdeckung der Schnellstrasse abgerungen.

Noch nicht entschieden

Kappeler bezweifelt, dass eine solche Lösung je realisiert wird. Er holt aus seiner Aktentasche die Kopie eines Schreibens von Bundesrätin Doris Leuthard an alt Nationalrat Peter Schmid heraus. Darin heisst es unter anderem: «Wie Sie sehen, steht für den Bund heute noch nicht fest, ob die H14 nach der Übernahme ausgebaut werden soll und falls ja, wie.» H14 ist die Bezeichnung des Bundes für die BTS. Kappeler kann seinen Unmut nicht verbergen. Die Regierung erwecke in der Botschaft den falschen Eindruck, dass die Überdeckungen und Tunnels beschlossene Sache seien. Dass die BTS-Befürworter jetzt so oft den Vorschlag der Umweltverbände kritisch hinterfragen, hält Kappeler für ein Ablenkungsmanöver.



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Leser-Kommentare:
3 Beiträge
deich (01. September 2012, 09:49)
Entlasten

An einer Entlastung von Dorf- und Stadtdurchfahrten, besonders vom Schwerlast- und Transitverkehr, sollten eigentlich alle Betroffenen Interesse haben. Kappeler spricht in eigener Regie: Er hat ja durchaus seine Meriten, was "Natur" betrifft, doch schaffte auch er es bis anhin nicht, im Kanton Reservate zu schaffen, die durch ihre zusammenhängende Grösse als "biosphärenartiges Gebilde" eine Landschaft der Zukunft prägen könnten. Seine "Volksbewegung" (!) kämpft indes im Klein-Klein. Nun hat gerade die moderne Strassenplanung (ohne Strassen geht nichts!) enorme Fortschritte in der sanften Art gemacht, wie auf die Natur Rücksicht genommen werden kann. Zudem hilft ein "Rückbau" von Strassen den Landverbrauch in Teilen zu minimiert. Der "intelligente Strassenbau" ist möglich, um weite Bedenken zu zerstreuen, was die Naturbeeinflussung betrifft. Selbstverständlich kann man durch "gefühlte Betroffenheit" auch eine andere Ansicht vertreten!

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ch-schmid (30. August 2012, 22:54)
Konzept vom letzten Jahrhundert

BTS/OLS entsprechen einem Strassenkonzept vom letzten Jahrhundert.Unterdessen wissen wir aber, dass neue Strassen mehr Verkehr generieren und die Zersiedelung fördern, da der Druck auf neues Bauland steigt . Wollen wir im Thurgau bald Verhältnisse wie im Zürcher Limmattal, dem Knonaueramt oder im Aargau? Ich nicht, darum stimme ich NEIN.

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Zeptor (30. August 2012, 10:49)
wäre doch langsam an der Zeit

auch den Thurgau verkehrstechnisch zu modernisieren. Nur mit Äpfeln wird der kanton einstweilen uninteressant für Investoren. Bis heute hat es der Thurgau nicht geschafft die vorhandenen Wirtschaftsräume interessant zu machen. Somit sind die Thurgauer Arbeitnehmer weiterhin nach SG oder ZH auszuweichen ... Sagt einer der dies praktiziert!

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