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Rheintaler, 5. Juli 2012, 07:14 Uhr

Biorender: Problem wird gelöst

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Der Engpass bei der Biorender AG sind die grossen Kessel, in denen dem Fleischbrei das Eiweiss entzogen wird. Jacques Hunziker und Hanspeter Haltner haben nun eine Lösung für das Problem gefunden. (Bild: Mario Testa)

MÜNCHWILEN. Seit der Inbetriebnahme der Biogasanlage in Münchwilen vor eineinhalb Jahren läuft die Anlage nur unter Halblast. Nun haben die Verantwortlichen eine Lösung für das Problem gefunden und wollen diese schnellstmöglich umsetzen.

MARIO TESTA

Die Biorender AG ist die weltweit erste Anlage, die aus Fleischabfällen in einer Monovergärungsanlage Biogas herstellt. «Bei jeder neuen Technologie gibt es am Anfang Schwierigkeiten. Die Theorie lässt sich fast nie eins zu eins in die Praxis umsetzen», sagt Co-Geschäftsleiter Hanspeter Haltner. Im Fall der Biorender AG liegt das Problem bei der Abscheidung der Eiweissanteile im Fleischbrei, der in die Anlage gespeist wird. «Unser Biogas entsteht durch die Vergärung der Fleischabfälle. Für diese Wandlung sind Bakterien zuständig, und die brauchen eine gewisse Umgebung, um sich wohl zu fühlen. Wenn sie zu viel Eiweiss verarbeiten müssen, setzen sie so viel Ammoniak frei, dass sie daran ersticken», erklärt Haltner.

Deshalb ist der entscheidende Schritt in der langen Reihe der Prozesse der Anlage die Abscheidung der Eiweisse, die im Wasser gelöst sind. Der Schlamm darf nur ein Minimum an Eiweiss enthalten. «Wir wussten von Anfang an, dass diese Eiweissreduktion das entscheidende Puzzleteil sein wird, um die Anlage zu betreiben. Man kann es vergleichen mit der Funktion der Niere beim Menschen», sagt Co-Geschäftsleiter Jacques Hunziker. «Am Modell hat es gut funktioniert, aber beim Umsetzen auf die grosse Anlage hat es dann nicht mehr optimal geklappt. Das sogenannte Up-Scaling birgt immer Tücken.»

Ein halbes Jahr lang getüftelt

Sie hätten lange gehofft, dass die Anlage mit der Zeit und durch Anpassungen der Filter im Eiweissabscheider doch noch besser zum Laufen kommen werde. «Bei Pionierprojekten ist Hoffnung immer ein wichtiger Treiber, und man bezahlt Lehrgeld. Aber nach einem halben Jahr Hoffen und Tüfteln haben wir entschieden, eine ganz neue Lösung zu suchen», sagt Hanspeter Haltner. «Seither prüfen wir neue Systeme und wir haben Dutzende Kombinationen in einer Versuchsanlage getestet. Jetzt haben wir eine Lösung gefunden.»

Wie diese Lösung genau aussieht, wollen die beiden Geschäftsleiter nicht verraten. «Wir sind die einzigen weltweit, die auf dieses System setzen. Wir wollen das Geheimnis unserer Technologie nicht gleich fett an jede Pinwand schreiben», so Haltner. Bis im Herbst will er die ersten Umbauarbeiten am Eiweissabscheider in Angriff nehmen und hofft, dass die Anlage dann 2013 schon fast unter Volllast laufen wird.

«Wir sind aber trotz allem jetzt schon zufrieden mit der Anlage. Nur schon, dass überhaupt mit einem Flüssigfermenter Biogas aus Fleischabfällen gewonnen werden kann, ist neu – und das funktioniert sehr gut, nur der Engpass bei der Eiweissabscheidung bremst uns ein. Die Gasqualität hingegen ist besser als erwartet.»

Neue Bewilligung erhalten

Nebst dem möglicherweise entscheidenden Schritt auf der technischen Seite der Anlage hat die Biorender AG auch auf politischer Ebene einen grossen Schritt vorwärts gemacht. «Seit dem 1. Juli dürfen wir auch tierische Nebenprodukte der Kategorie 1 verwerten. Das sind möglicherweise verseuchte Fleischabfälle», erklärt Jacques Hunziker. «Seit der BSE-Krise vor 20 Jahren mussten diese Abfälle alle zu Tiermehl verarbeitet und verbrannt werden. Ökologisch ist es natürlich sinnvoller, wenn wir auch aus diesem Fleisch Biogas herstellen. Die Reststoffe durchqueren zuerst unsere Anlage und werden erst dann nach den Vorgaben der Veterinär-Gesetzgebung verbrannt.»

Der Kanton Thurgau hat der Biorender AG kürzlich die Bewilligung zur Verwertung der tierischen Nebenprodukte Kategorie 1 erteilt. Für die Biorender bedeutete dies, dass sie seither komplett auf die Produktion von Futtermitteln verzichtet. Zuvor wurde ein Teil des vergärten Schlamms an Schweine verfüttert. «Nun läuft die Anlage zu 100 Prozent für die Biogasproduktion, Futter entsteht keines mehr», sagt Hunziker. «Wir erhoffen uns von der Bewilligung natürlich auch eine bessere Position am Markt, da wir nebst der Tiermehlfabrik Bazenheid die einzigen sind, die nun solche Risikofleischabfälle in der Ostschweiz verwerten dürfen.»



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