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Rheintaler, 8. August 2012, 07:37 Uhr

Finanzverwalter wird nach Anzeige gegen Mattle vom Dienst suspendiert

Tour de Suisse Zoom

Die Radprofis der Tour de Suisse fuhren Mitte Juni durch Bischofszell. (Bild: Donato Caspari)

Bischofszell kommt nicht zur Ruhe. Gegen Stadtammann Josef Mattle wurde Anzeige erstattet. Ihm wird vorgeworfen, Geld der Stadt veruntreut zu haben.

INGE STAUB

BISCHOFSZELL. Wer dieser Tage versucht, Julius Schulthess im Bischofszeller Rathaus anzutreffen, tut dies vergebens. «Ich bin suspendiert», erklärt der langjährige Finanzverwalter auf Anfrage. Recherchen unserer Zeitung hatten ergeben, dass Schulthess Anzeige gegen Bischofszells Stadtammann Josef Mattle erstattet hat.

«Ja, es ist eine Strafanzeige gegen Josef Mattle wegen Verdachts der Veruntreuung eingereicht worden», bestätigt Oberstaatsanwalt Stefan Haffter, Leiter der Staatsanwaltschaft Bischofszell. Ob die erhobenen Vorwürfe zutreffend seien, sei Gegenstand der Ermittlungen, zu denen er sich nicht äussern könne. «Bis zum Abschluss der Untersuchung gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung», betont der Oberstaatsanwalt.

Julius Schulthess sagt, dass er festgestellt habe, dass Josef Mattle Geld, das der Stadt gehöre, im Namen des lokalen «OK Tour de Suisse» an eine Firma überwiesen habe. Es soll sich um 54'000 Franken handeln. Mattle, der dem lokalen «OK Tour de Suisse» als Präsident vorstand, habe die Überweisung vom Postcheck-Konto der Stadt getätigt. Als Finanzchef habe Josef Mattle Finanzkompetenz, räumt Julius Schulthess ein. Doch hätte die besagte Tour-de-Suisse-Überweisung nicht vom städtischen Konto erfolgen dürfen. «Als Finanzverwalter bin ich für die Finanzen der Stadt Bischofszell verantwortlich», erklärt Julius Schulthess, weshalb er sich entschlossen hat, Anzeige zu erstatten. Er könne doch nicht zuschauen, wenn er das Gefühl habe, dass Unrecht geschehe.

Josef Mattle Zoom

Stadtammann Josef Mattle.
(Bild: Nana do Carmo)

Stadtrat tagt am Mittwoch

Schulthess sei vom Dienst suspendiert, bis der Stadtrat eine Entscheidung gefällt habe, erklärt Stadtammann Josef Mattle. Der Stadtrat kommt heute Mittwoch zusammen. Ob das Gremium bereits definitiv in der Angelegenheit entscheiden wird, ist noch offen. Auch Frau Vize-Stadtammann Helen Jordi wollte vor der Sitzung des Stadtrates keine Stellung beziehen.

Zu dem gegen ihn erhobenen Vorwurf der Veruntreuung äussert sich Josef Mattle nicht. Der Stadtrat habe beschlossen, dass er zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft gebe, sondern erst, wenn alle Fakten klar seien. Daran halte auch er sich, betont Mattle. Er verweist auf «das laufende Verfahren» und die «Sicherstellung des Datenschutzes in einer innerstädtischen Angelegenheit». Mattle beteuert: «Ich habe nichts Unrechtes getan. Ich habe nichts verbrochen.»

Die Tour de Suisse machte am 14. Juni in Bischofszell halt. Drei Tage lang war die Rosenstadt Hochburg der Radfahrer. Wie unsere Zeitung am 14. Juli berichtete, wollen seitdem Gerüchte über ein finanzielles Fiasko für die Gastgeber nicht verstummen. Genährt wurden die Gerüchte zuletzt durch ein Schreiben des OK, in welchem Geschäftsinhaber gebeten werden, «einen kleinen Beitrag zwischen 50 und 300 Franken zu spenden» – sofern sie durch die Tour de Suisse einen Mehrwert erzielt hätten.

OK hat gut gearbeitet

Der Stadtammann und Präsident des lokalen «OK Tour de Suisse» bedauert, dass durch die Anzeige der «tolle Anlass» Tour de Suisse in ein negatives Licht gezerrt werde. «Das OK hat ganz hervorragende Arbeit geleistet.» Laut Mattle hat das OK auch die Finanzen im Griff.

Die Kosten könnten mit Geldern von Sponsoren gedeckt werden. Josef Mattle räumt ein, dass es Probleme gegeben habe. Manche Sponsoren hätten nicht die Beiträge geleistet, auf die das OK gesetzt hatte. Doch hätten neue Sponsoren das Manko ausgeglichen. Auch habe der Stadtrat eine Defizitgarantie in Höhe von 50 000 Franken genehmigt. Doch so viel werde das OK sicher nicht beanspruchen.



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
antonanton (08. August 2012, 11:57)
Nach dem Motto "es gibt nichts Gutes ausser man tut es...

...warum müssen solche unfertigen Informationen bereits veröffentlicht werden...wann kommt dieses "Geisterstädtchen" bald zur Ruhe! Wann erwacht der "Prophet" am Bischofsberg in Bischofszell und ruft das Völklein auf - sich auf die alten guten Werte - sich besinnend zu einem Für- und Miteinander statt das unaufhörliche gegen einander! Das kann es doch nicht sein! Lasst eure guten Mächte wieder mal zum Zuge kommen...!mdu

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unbekannt (08. August 2012, 08:34)
der stadtrat.......

......hat beschlossen erst offiziell stellung zu nehmen, wenn alle fakten klar sind? hiesse zu gut deutsch : informationen an die öffentlichkeit erst dann, so alle allenfalls verräterischen spuren von veruntreuung verwischt und nichtsssagend sind - oder irrt der leser?

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