Tagblatt Online, 23. Februar 2012 03:06:00
Der Luchs sucht die Liebe
Wohin guckt der Thurgauer Luchs zur Zeit? Seit drei Wochen fehlt von der Raubkatze jede Spur. (Bild: Keystone/Eddy Risch)
In den vergangenen Monaten hat sich im Gebiet des Seerückens ein junger Luchs herumgetrieben. Sein Aufenthalt im Thurgau war offenbar nur von kurzer Dauer – im Januar folgte ein letztes Lebenszeichen. Mittlerweile scheint er auf seiner Suche nach einem Weibchen weitergezogen zu sein.
VALENTIN SCHNEEBERGER
Im Dezember sorgte ein tierisches Foto für ordentlich Wirbel im Kanton. In Salenstein war ein zweijähriger Luchs in eine Fotofalle der Jagdverwaltung getappt und setzte damit den monatelangen Gerüchten um seine Existenz ein Ende. Nun scheint die Grosskatze den Thurgau wieder verlassen zu haben. Seit ein paar Wochen fehlt vom Tier jede Spur.
Auf langer Reise unterwegs
Es wird gerätselt, ob der Luchs nur den Kanton gewechselt hat oder gleich nach Deutschland weitergezogen ist – denn grosse Distanzen hat diese Raubkatze schon in der Vergangenheit nicht gescheut; vor gut einem Jahr ist das Tier im Jura auf eine lange Reise aufgebrochen und hat bis zu seinem Auftritt im Gebiet des Seerückens etwa 150 Kilometer zurückgelegt. «Der Luchs könnte mittlerweile überall sein», sagt Roman Kistler, Amtsleiter der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung. Dass die Raubkatze im Norden den Rhein überquert hat, sei zwar möglich, doch eher unwahrscheinlich. «Vielleicht wenn er eine Brücke gefunden hat – denn ein Luchs geht nicht gerne freiwillig ins Wasser», sagt Kistler. Er nimmt an, dass das Tier wohl weiter Richtung Süden ins Tössstockgebiet gewandert ist.
Mittlerweile geschlechtsreif
Dort leben seit 2001 ein paar wenige Artgenossen, die sich im Zuge des Ansiedelungsprojekts «Luno» niedergelassen haben. «Zwischen Januar und April ist Fortpflanzungszeit, und der Luchs ist mittlerweile bestimmt geschlechtsreif und auf der Suche nach einer Partnerin», sagt Kistler.
Für die Luchspopulation in der Ostschweiz käme ein Zuwachs äusserst gelegen. Nach wie vor ist diese nämlich äusserst fragil. Experten schätzen die Anzahl der Tiere auf etwa sechs bis sieben Exemplare, wobei ihnen vor allem die hohe Sterberate bei Jungtieren Sorgen bereitet. Viele überleben einen strengen Winter nicht. Für den jungen Luchs aus dem Thurgau stellt die kalte und schneereiche Jahreszeit hingegen kein Problem dar. Im Gegenteil. «Durch die hohe Schneelage kann sich seine Beute weniger schnell bewegen. Das Jagen sollte ihm deshalb einfach fallen», sagt Roman Kistler.
Augenzeuge in Berlingen
Ein letztes Lebenszeichen hinterliess die Grosskatze am 10. Januar, als sie in den frühen Morgenstunden auf Peter Keller traf. Der Zahntechniker aus Berlingen war kurz vor fünf Uhr auf dem Weg zur Arbeit, als er zwischen der ARA Untersee und Mannebach ein Tier auf einer Wiese bemerkte. «Zuerst dachte ich an ein Reh, als plötzlich ein Luchs im Scheinwerferlicht meines Autos auftauchte», sagt Keller. Das Tier verschwand kurz darauf wieder in einem Waldstück.
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