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Rheintaler, 19. Juli 2012, 07:19 Uhr

Damit der Specht lange bleibt

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Die Eiche ist weit über 100jährig. Darunter stehen Ruedi Lengweiler vom Kantonalen Forstamt, Hans-Rudolf Rutishauser, Bürgergemeinde Bottighofen, Revierförster Daniel Geiger, Walter Rutishauser, Präsident Bürgergemeinde Bottighofen, und Kreisforstingenieur Erich Tiefenbacher. (Bild: Urs Brüschweiler)

BOTTIGHOFEN. Das Sonder-Waldreservat Liebburg ist wegen seiner mächtigen Alteichen sehr wertvoll. Damit das Gebiet umfassend unter Schutz gestellt werden konnte, war die Bürgergemeinde Bottighofen bereit, ihren gesamten Waldbesitz zu integrieren.

URS BRÜSCHWEILER

Klopfen hört man ihn nicht. Der Mittelspecht macht das nicht. Die beiden Pärchen, die im Wald zwischen Bottighofen und Lengwil leben, bemerkt man nicht so leicht. Trotzdem haben die geschützten Vögel für ihn eine grosse Bedeutung. Das 44 Hektaren grosse Waldstück mit mächtigen Alteichen gilt seit dem 1. Januar als Sonderwaldreservat Liebburg. «Es ist eine der neuen Perlen in der Kette von Eichen-Schutzgebieten entlang dem Bodensee», sagt Kreisforstingenieur Erich Tiefenbacher. Der seltene Mittelspecht dient dabei als Gradmesser. «Wo der Mittelspecht vorkommt, geht es dem Eichenwald gut», erklärt Ruedi Lengweiler vom kantonalen Forstamt.

Bis zu 600 Jahre alte Bäume

Die hohe Qualität des Waldes macht aber nicht der Specht aus, sondern die Eichenbestände. «Diese sind ökologisch besonders wertvoll», sagt Lengweiler. Eine Eiche kann bis zu 600 Jahre alt werden. Die ältesten im Bottighofer Wald zählen immerhin schon über 200 Jahre. Deshalb war es auch das Ziel des kantonalen Forstamtes, den Bottighofer Wald in der Region des Stichbach-Tobels zu schützen und so zur langfristigen Erhaltung beizutragen. Bei der Reservats-Ausscheidung spielen aber auch die Besitzer des Waldes eine wichtige Rolle. Neben zwei Privaten und der Armee gehört der grösste Teil der Bürgergemeinde Bottighofen. «Um diese nicht allzu sehr einzuschränken, wollte der Kanton zuerst nur ein rund zehn Hektaren grosses Waldstück in Richtung der Liebburg aufnehmen», erzählt Bürgerpräsident Walter Rutishauser «Unser Filetstück», nennt er es.

Zuerst etwas skeptisch

Die Bürgergemeinde hätte sich das lange überlegt. Er selbst sei dem Vorhaben zuerst skeptisch gegenübergestanden, sagt der Bürgerpräsident. Schliesslich reifte aber der Entscheid, gar den ganzen Bestand von 28 Hektaren zur Verfügung zu stellen. Und zwar für die nächsten 50 Jahre. Hans-Rudolf Rutishauser ist Mitglied der Bottighofer Bürgerverwaltung. Er sagt, man habe dabei das Ziel einer guten und nachhaltigen Weiterentwicklung des Waldes im Auge. Die Bürgergemeinde Bottighofen ist die erste öffentliche Waldeigentümerin im Thurgau, welche ihren gesamten Wald in ein Reservat integriert.

«Der ganze Bottighofer Wald gilt eben als qualitativ besonders wertvoll», sagt Erich Tiefenbacher, «nur deshalb war das hier überhaupt möglich.» Das Waldgesetz lasse die Reservats-Ausscheidung nur zu, wenn der Bestand im kantonalen Inventar der schützenswerten Wald-Objekte aufgelistet ist. So gesehen sei sie eine Auszeichnung für den Waldeigentümer.

«Wir haben den Wald auch immer gut gepflegt», sagt Walter Rutishauser und lacht dabei. Die Bürgergemeinde und der Kanton sind beide glücklich mit der Situation. «Die Holzernte ist heute nicht mehr überall gewinnbringend. So ist für die Bürgergemeinde, die für das Schützen des Waldes entschädigt wird, ein Einkommen gesichert», so Tiefenbacher.

Der Kanton entscheidet

Fortan entscheidet der Kanton als letzte Instanz, welche Bäume stehen bleiben und welche gefällt werden. Im Bottighofer Wald geht es nun auch darum, einzelne weniger perfekte Flächen in Eichen-Jungbestände umzuwandeln. An einigen Stellen gibt es noch standortfremde Fichten-Kulturen. So will man den Mittelspecht langfristig im wertvollen Eichenwald halten.



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