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Rheintaler, 21. Juli 2012, 14:43 Uhr

Drogen im Asylheim: Die Nachbarn haben es geahnt

Neue Asylanten - Unterkunft Taegerwilen Zoom

In der Asylunterkunft ausgangs Dorf hat die Polizei am Donnerstag Kokain und Marihuana gefunden. (Bild: Donato Caspari)

TÄGERWILEN. Nach dem Drogenfund in der Tägerwiler Asylunterkunft sagen Anwohner, sie hätten damit gerechnet, dass dort gedealt werde. Andere Dorfbewohner zeigen sich überrascht. Die Asylbewerber seien nicht negativ aufgefallen.

MARTINA EGGENBERGER LENZ

Seit knapp einem halben Jahr leben in der Gemeinde Tägerwilen zehn Asylbewerber aus Westafrika. Sieben von ihnen wurden am Donnerstag nach der Drogenrazzia der Kantonspolizei Thurgau festgenommen, wie unsere Zeitung berichtete.

Für viele im Dorf war die Meldung ein kleiner Schock. Schliesslich gelten die Asylsuchenden vor Ort als freundlich und zuvorkommend. «Ich habe noch nie etwas Negatives gehört, die Leute lungern nicht herum», sagt die Verkäuferin im Café Walz. Und auch in der Dorf-Metzg ist man erstaunt: «Das wundert mich jetzt wirklich. Einige von den Asylbewerbern sind sehr nett», meint dort die Frau hinter der Theke.

Gemeinde gibt sich Mühe

Bei einer kleinen Umfrage vor dem Coop ergibt sich das gleiche Bild: Die Einwohner sagen, sie könnten nichts Schlechtes über die Asylsuchenden berichten. Davon, dass in der Unterkunft an der Hauptstrasse anscheinend Drogen gehandelt wurden, haben sie nichts mitbekommen. Die Gemeinde Tägerwilen hat grosse Anstrengungen unternommen, das Zusammenleben zwischen den Einheimischen und den Asylsuchenden positiv zu gestalten. Es wurde extra eine Betreuungsperson eingestellt, die fast täglich vor Ort ist. Neben Deutschunterricht werden auch Arbeitseinsätze angeboten. «Sie streiten sich sogar darum, wer mit in den Wald zum Arbeiten darf», sagt Gemeindeammann Markus Thalmann. Auch habe man die Asylsuchenden jüngst damit beschäftigt, Pflanzen zu roden.

Ein 15- und ein 18-Jähriger aus Gambia trainieren beim Fussballclub Tägerwilen. Trainer Alen Juric beschreibt sie als freundliche und treue Mitspieler. Keiner habe die zwei je verdächtigt, etwas mit Drogen zu tun zu haben. Ob die Junioren unter den Festgenommenen sind, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Fakt ist allerdings, dass einer der Verhafteten gemäss Polizei noch minderjährig ist. Insgesamt wurden am Donnerstag neun Personen festgenommen: sieben Männer aus Nigeria und zwei aus Gambia. Bis auf zwei leben alle in der Tägerwiler Asylunterkunft.

Handel beobachtet

«Ich habe das kommen sehen», sagt Markus Engler. Er ist gleich neben der Asylunterkunft zu Hause. Er habe schon beobachtet, wie in der Nacht Autos auf der anderen Strassenseite gehalten hätten und dann ein Asylbewerber kurz rübergerannt sei, um etwas abzuliefern. Generell sei nach Einbruch der Dunkelheit manchmal viel los gewesen in der Unterkunft. Er habe sich schon wegen des lauten Geschwätzes und des Singens beschwert, so Engler.

Auch Rosmarie Imhof, Angestellte der Autogarage vis-à-vis dem Asylheim, hat schon live einen Zwischenfall mitbekommen. Einmal habe einer ihrer Kunden kurz sein Auto auf dem Vorplatz parkiert und nicht abgeschlossen. Als er nach wenigen Minuten die Garage wieder verlassen habe, seien Handy und Portemonnaie weg gewesen. Und am Donnerstag habe ein dunkelhäutiger Mann auf dem Nachbargrundstück vor den Augen zweier Zeugen aus einem offenen Auto ein Mobiltelefon und ein Portemonnaie gestohlen. Danach sei er Richtung Asylunterkunft gerannt.

Es gilt die Unschuldsvermutung

Der Gemeindeammann warnt vor Vorverurteilungen. Er ist überzeugt, dass nicht wenige der Festgenommenen in Kürze wieder freikommen, weil man ihnen nichts nachweisen kann.

«Wir machen uns keine Vorwürfe», sagt Markus Thalmann. Die Gemeinde werde die bisherigen Bemühungen fortsetzen. Was ihn stört, ist, dass den Gemeinden Minderjährige ohne Eltern zugewiesen werden. Diese brauchten seiner Meinung nach eine viel weiter reichende Betreuung.

So oder so ist die Asylunterkunft an der Hauptstrasse 138 nicht mehr von langer Dauer. Da auf dem Areal gebaut werden soll, muss die Gemeinde nächstes Jahr eine neue Lösung finden.



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Leser-Kommentare:
5 Beiträge
Farfaraway (23. Juli 2012, 15:29)
So ist Afrika

Drogendealer müssen nicht unfreundlich sein! Im Gegenteil. Die Schweiz kann davon ausgehen, dass überall wo Westafrikanische Asylanten sind auch eine ganz andere Kultur und ein anderes Unrechtsbewusstsein einzug hält. Die jungen Westafrikaner haben nur ein Ziel profitieren, cool sein, Geld. Dafür machen sie alles. Aber eben unfreundlich sind sie nicht - nur clever!

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adolfk31 (22. Juli 2012, 03:55)
Womit ?

Finanzieren sich die sehr langfristig geduldeten Wirtschafts- Flüchtlinge eigentlich Ihre Drogen ? - Ein Vergehen das in Ihrer Herkunftsländern aus religiösen Gründen gar mit der Todesstrafe geahnt wird ? - Als Vergleich : Bussen infolge Geschwidigkeits Überschreiten im öffentlichen Verkehr sind daher neuerdings an die Hersteller der Fahrzeugreifen zu zustellen, da diese nachweisbar zu schnell über unsere Strassen abrollen.....

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deich (21. Juli 2012, 13:56)
Verzwickt

Wenn - wie BEOBACHTET meldet, die Dinge so gelaufen sind, wie von ihm/ihr dargestellt, fehlt es an der Kommunikation, die in einem so schwierigen Komplex Priorität haben sollte. Nun dürften allerdings die Gremien, welche sich damit zu befassen haben, zum Beispiel die Polizei und andere "Beobachtungsdienste", zumindest kaum "überbesetzt" sein, nicht zuletzt als Folge des Sparens aller Orts, sowie der gleichzeitigen, derzeit noch immer grassierenden Konkurrenz zwischen Kantonen und Gemeinden, die Steuern "auf- Teufel-komm-raus" immer weiter zu senken, um auf sich aufmerksam zu machen im nationalen und internationalen Unterbietungswettbewerb zwecks Anheuern von potenten Steuerbürgern. Es mag nur ein Aspekt unter vielen sein, doch "Kommunikation" ist nur dann sinnvoll, wenn am anderen Apparat auch genügend kompetente Person sitzen, etwas unternehmen, die Kette schliessen. Das scheint genau in diesem "Fall" nicht geklappt zu haben.

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beobachtet (22. Juli 2012, 09:28)
Kommunikation für die einen gut - für andere unbequem??

Dass es sich so verhält, können wir jederzeit belegen - Kommunikation unter kompetenten Personen wäre das wichtigste in vielen Fällen, da geben wir Ihnen vollkommen recht! Nur, man muss auch wollen...
Tel. 117 nimmt ja für jeden Anruf ein Protokoll auf, sollte dort also nachweisbar sein, zumal wir noch den Tag und Uhrzeit wissen. Ausser, da wäre der erste Kommunikationsfehler aufgetreten, indem der Anruf irrtümlich nicht protokolliert worden wäre, was aber ja ein MUSS ist, soviel wir wissen - oder wurde irrtümlich nicht weitergeleitet an den zuständigen Polizisten? Das sind die Fragen, die wir auch schon stellten, jedoch fanden wir noch niemanden, der uns darauf eine Antwort geben wollte oder konnte bis heute!?)
Und unsere Aufforderung zum Handeln an Gemeinde plus Antwort diese Woche ist per Mail festgehalten.

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beobachtet (21. Juli 2012, 10:05)
Wusste wusste was? - das fragen wir Nachbarn uns!

Im Januar wurde den Einwohnern versichert, Gemeinde und Polizei sind stehts in Kontakt und Kommunikation. Anfangs April wurde Polizei über Tel. 117 informiert, dass hier seit langem Abend für Abend wohl reger Drogenaustausch sei. Dies solle an den zuständigen Polizeibeamten in Ermatingen weitergeleitet werden, was auch versichert wurde.
Wennn dies geschehen ist, was wir annehmen, da wir ja an die korrekte Polizeiarbeit noch glauben, dann müsste wohl dieser Polizist die Gemeinde dann auch orientiert haben - so unsere Logik zu diesem Fall! Nach nochmaliger Aufforderung diese Woche an die Gemeinde, endlich was zu unternehmen, wurden wir auf Gespräche nach Sommerferien vertröstet. Dank Staatsanwaltschaft, welche durch Polizei jedoch auch vom Schreiben informiert wurde, kam sofort Razzia!
DANKE HR. STAATSANWALT!!
Wir Nachbarn haben kurz mal Ruhe jetzt!!! - Wie lange? Blauäugigkeit ist uns abhanden gekommen hier!

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