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Rheintaler, 14. Juli 2012, 01:34 Uhr

«Pistolero habe ich immer dabei»

ATHLETISME PORTRAITS PAR GAETAN BALLY (KEYSTONE) Zoom

Die Märstetterin Heidi Diethelm steht für Olympia in den Startlöchern. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Die Thurgauer Pistolenschützin Heidi Diethelm hat es geschafft. Sie darf mit der Schweizer Olympiadelegation nach London reisen und krönt damit ihre bisher beste Saison. Die Aufregung halte sich aber noch in Grenzen.

JARIMA HAAS

SCHIESSEN. Die Thurgauerin Heidi Diethelm strahlt über das ganze Gesicht: «Einerseits freue ich mich sehr auf die Zeit in London, andererseits ist es aber auch ein ungewohntes Gefühl, weil ich nicht weiss, was mich erwartet.» Diethelm erklärt, dass sich die Emotionen zurzeit noch in Grenzen hielten, jeder Tag, der jedoch vergehe, bringe den riesigen Anlass in England ein Stückchen näher.

Die Schützendelegation ist ab dem 17. Juli für ein Vortraining während drei Tagen in der englischen Hauptstadt. «Neben dem Training nutze ich die Tage, um mir die Umgebung anzusehen. Für mich ist das wie ein erstes Beschnuppern», sagt die Märstetterin, welche die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele aus sportlichen Gründen nicht besuchen wird. Sie möchte sich auf ihre Aufgabe konzentrieren und nicht ablenken lassen. An der Schlussfeier sei sie aber mit von der Partie, ganz nach dem Motto zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen: «Erst wenn alles vorbei ist, kann ich die Augenblicke völlig losgelöst geniessen.»

Emotionen im Rahmen halten

Diethelm hat bis Ende Mai Wettkämpfe im Rahmen des Weltcups bestritten. Rückblickend sagt die 43-Jährige, dass es bis jetzt ihre beste Saison gewesen sei. Für den letzten Feinschliff vor Olympia reiste sie für eine Woche nach Norddeutschland ins Trainingslager. «Das Training hat vor allem für die Verbesserung von technischen Kleinigkeiten viel gebracht. Jetzt konzentriere ich mich in erster Linie auf die mentale Vorbereitung», meint Diethelm. Die grösste Herausforderung sei, die Balance zwischen Emotionen und dem eigentlichen Grund, weshalb sie an diesen Grossanlass fahren dürfe, zu halten.

Momentan hielte sich die Aufregung aber noch in Grenzen: «Ich versuche mich so gut wie möglich auf den Sport zu konzentrieren.» Die Europameisterin in der 25-m-Disziplin möchte bei den Olympischen Spielen den Final erreichen: «Dies ist sicher machbar, sofern alles rundherum stimmt. Und im Final kann alles geschehen. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben.»

EM-Titel hat vieles verändert

Und wie gross ist der Druck, den sie spürt? «Der Europameister-Titel hat vieles verändert. Der Medienrummel ist grösser geworden. In manchen Situationen ist es schwierig, locker zur Pistole zu greifen und sich zu konzentrieren. Doch ich habe viel an mir und meiner Technik gearbeitet und bin zuversichtlich. Im Endeffekt kommt es so, wie es kommen muss», sagt die Gold-Schützin, deren Mann und Sohn sie nach London begleiten werden.

Kurz bevor sie die Pistole in die Hand nimmt, sei sie relativ cool. Dann werde sie aber ein wenig nervös und versuche sich so gut wie möglich von der Umwelt abzuschotten: «Das ist das Schwierigste. In so einem Moment frage ich mich immer: Wo bin ich? Was mache ich? Was ist meine Aufgabe? Das stärkt meine Konzentration zusätzlich.» Und lachend fügt sie hinzu: «Tief durchatmen hilft auch.» Gibt es denn einen Glücksbringer? «Ja, den Pistolero. Die kleine Figur habe ich bei jedem Wettkampf bei mir und kann jederzeit mit der Hand in meiner linken Hosentasche nach ihr greifen.»

«Ich bin ein Winterkind»

Die Ausgabe der Kleider und diverser anderer Utensilien für Olympia war für die begeisterte Wintersportlerin ein besonderer Moment: «Es war ein spezielles Erlebnis, und der kommende grosse Tag wurde ein Stück realer. Ich genoss die Zeit, achtete aber darauf nicht abzuheben, um das eigentliche Ziel nicht zu vergessen.» Was die Schützendelegation am Wettkampf tragen wird, ist noch nicht klar. Für die Schweizer Rekordhalterin mit der Sportpistole über 25 Meter (587 Punkte) ist dies aber auch nicht so wichtig: «Hauptsache, die Kleidung ist bequem und ich fühle mich wohl.»

Und was ist nach Olympia? «Wegen diverser Termine habe ich nicht wirklich Ferien. Wir haben jedoch vor einiger Zeit ein Ferienhaus gekauft, welches ich zusammen mit meinem Mann renovieren werde.» Die Sportlerin liebt die Bergluft und den Schnee und sagt von sich, dass sie ein richtiges Winterkind sei.



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