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Rheintaler, 24. Juli 2012, 06:46 Uhr

Dieb bestiehlt schwerbehinderte Frau, während sie Mittagsschlaf hält

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In dieser Ecke auf der Veranda des Pflegeheims wurde die 76jährige Emmi Züllig bestohlen. (Bild: Michèle Vaterlaus)

ROMANSHORN. Ein dreister Dieb hat Emmi Züllig, eine schwerbehinderte Frau im Rollstuhl, während ihres Mittagsschlafes bestohlen. Sie ruft nun den Dieb auf, die Tasche doch einfach vor die Türe des Pflegeheims zu legen.

MICHèLE VATERLAUS

Sorgfältig steuert Emmi Züllig ihren Rollstuhl mit Mund und Nase auf die Veranda des Pflegeheims Romanshorn, etwa zwölf Meter vom Eingang entfernt hält sie an. «Hier ist es passiert», sagt die 76-Jährige, schwerbehinderte Frau. Hier wurde ihre Tasche gestohlen, die sie an der Rücklehne ihres Rollstuhls befestigt hatte.

Erwacht vom Rütteln

Wie üblich machte Emmi Züllig am 9. Juli ihr Mittagsschläfchen. Wegen dem schönen Wetter hielt sie ihr Nickerchen draussen auf der Veranda des Pflegeheims. «Ich schlief so richtig, dann rüttelte es auf einmal an meinem Rollstuhl», erzählt sie. «Zuerst dachte ich, das sei ein Erdbeben», fügt sie an. Doch eine Stunde später machte sie jemand darauf aufmerksam, dass ihre Tache, die sie in der Regel an der Rücklehne des Rollstuhls befestigt hat, weg ist. «Da ist mir auf einmal das Erdbeben wieder in den Sinn gekommen», sagt Emmi Züllig. «Und da wurde mir auf einmal klar: Ich wurde bestohlen. Es muss eine Sekundenarbeit gewesen sein», sagt sie. Rund um das Pflegeheim habe das Personal alles nach der Tasche abgesucht. In der Umgebung, im Gestrüpp und Gebüsch. Doch die Suche blieb erfolglos. In der Tasche hatte sie nicht nur ein bisschen Bargeld, sondern auch ihre Identitätskarte und Reisemarken von Coop, die jeweils einen Wert von zehn Franken haben.

Ein dreister Dieb

«Das war ein ziemlich dreister Dieb», sagt Felix Forrer, Leiter des Pflegeheims. Schliesslich sei es eine wehrlose Frau, die bestohlen wurde. Ihm ist bewusst, dass an schönen Tagen der Weg beim Pflegeheim stark belebt ist. «Es ist der schnellste Weg in die Badi. Da gehen Jung und Alt in Scharen entlang», sagt er. Es könnten viele gewesen sein. Weil der Weg so stark frequentiert ist, hoffen Emmi Züllig und Felix Forrer aber auch, dass vielleicht jemand etwas gesehen hat.

Noch viel mehr hofft die Bestohlene aber, dass der Dieb die Tasche von sich aus wieder zurückbringt. «Wer ist nicht nur mutig zum Stehlen, sondern auch so mutig, die Tasche wieder zurückzubringen?», fragt sie sich. Der Dieb solle ihre Tasche doch einfach vor der Türe des Pflegeheims ablegen. So müsse er sich nicht zu erkennen geben, meint sie. Denn auf eine Anzeige will Emmi Züllig eigentlich verzichten. Das wäre möglich, wenn sie ihre ID wieder bekomme.

Seit 16 Jahren lebt Emmi Züllig im Pflegeheim. «Vor 14 Jahren wurde ich schon einmal bestohlen. Aber das war nur Bargeld», erzählt sie. Es gehe ihr im Moment aber nicht um das Geld, sondern um die Papiere, die sie noch in der Tasche hatte.

Eine neue Tasche

«Mittlerweile habe ich immerhin eine neue Tasche», sagt Emmi Züllig. «Vom Flohmarkt habe ich diese, für nur drei Franken habe ich sie bekommen», sagt sie mit einem Strahlen im Gesicht.



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