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Rheintaler, 16. August 2012, 06:39 Uhr

«Romanshorn ist attraktiv»

Romanshorn TG , 13.08.2012 / Gemeindeammann von RomanshornDavid H. Bon . Bild: Donato Caspari Zoom

«Eine erstrebenswerte Grösse von Romanshorn wären 13 000 Einwohner», sagt David H. Bon. (Bild: Donato Caspari)

Romanshorn zählt seit kurzem über 10 000 Einwohner und ist damit eine Stadt. Gemeindeammann David H. Bon fände es schön, wenn die Bevölkerung mit der neuen Situation vorderhand spielerisch umgehen würde. Was noch fehle, sei ein erlebbares Zentrum.


Herr Bon, wie wollen Sie angesprochen werden: Herr Gemeindeammann oder Herr Stadtammann?

David H. Bon: Persönlich lege ich nicht gross Wert darauf, dass man mich Stadtammann nennt. Ich finde es aber trotzdem immer positiv, wenn es passiert. Es ist Ausdruck davon, dass sich das Gegenüber bewusst ist, dass Romanshorn jetzt eine Stadt ist und ich ihr Repräsentant bin.

Offiziell ist Ihre Bezeichnung noch immer Gemeindeammann, obwohl Romanshorn mittlerweile die Grösse einer Stadt erreicht hat. Will der Gemeinderat, dass Romanshorn eine Gemeinde bleibt nach dem Vorbild von Weinfelden, das nicht Stadt sein will?

Bon: Die offiziellen Bezeichnungen können wir nicht einfach so ändern von heute auf morgen. Die Gemeindeordnung legt fest, dass die Exekutive Gemeinderat heisst und ich der Gemeindeammann bin. Wir haben aber vor, die Gemeindeordnung den neuen Verhältnissen anzupassen.

Ist das bereits entschieden?

Bon: Ja, wir werden die Frage angehen, und zwar unabhängig vom Ausgang der Abstimmung über die Fusion mit Salmsach im nächsten Jahr. Letztlich muss aber die Bevölkerung entscheiden, ob Romanshorn auch dem Namen nach eine Stadt werden soll. Der Gemeinderat hat schon vor Jahren in einem Leitbild die Richtung vorgegeben. Jetzt ist der Moment gekommen, die Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Ich sehe das ganze als Prozess. Im Moment fände ich es schön, wenn man mit dem Begriff Stadt spielerisch umgehen würde und übte.

Alle Städte im Thurgau mit Ausnahme von Amriswil haben ein Parlament. Braucht Romanshorn jetzt auch eines?

Bon: Eine Arbeitsgruppe diskutiert im Moment darüber im Zusammenhang mit einer möglichen Fusion von Romanshorn und Salmsach. Es geht grundsätzlich um die Frage, wie die Bevölkerung künftig in die Entscheidfindung eingebunden werden kann. Wenn wir ein Parlament hätten, wären wir sicher eine Stadt. Aber wir könnten uns auch ohne Parlament als Stadt verstehen.

Was macht eine Stadt aus?

Bon: Es ist vor allem die Zentrumsfunktion, die in Romanshorn gegeben ist. Wir haben einen grossen Verkehrsknotenpunkt, öffentliche und private Schulen inklusive Kanti, ein reiches kulturelles Angebot mit teils Künstlern von höchstem internationalem Niveau sowie mit dem Seebad und dem Eissportzentrum Oberthurgau sehr grosse Sport-Infrastrukturanlagen. Zudem sind wir ein Arbeitsort mit einer positiven Pendlerbilanz. Alle diese Attribute entsprechen einer Stadt und machen uns als Wohnort attraktiv.

Aber es fehlt ein Zentrum.

Bon: Romanshorn hat einen Kern, er ist aber nicht als solcher erlebbar. Die Romanshorner wissen jedoch ziemlich genau, wo er liegt. Und das ist schon einmal eine gute Voraussetzung. Schlimmer wäre es, wenn die Bevölkerung nicht einmal eine Vorstellung davon hätte, wo das Zentrum sein könnte. Wir müssen jetzt versuchen, diesen Kern langsam zu entwickeln, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Die Gemeinde hat bereits das Gespräch mit Grundeigentümern von wichtigen Arealen an Zentrumslage gesucht.

Bon: Das ist richtig. Der bestehende Gestaltungsplan für das Kerngebiet hat insgesamt nicht das Momentum ausgelöst, dass man sich erhoffte. Deshalb sind wir in bestimmten Fällen an Liegenschaftenbesitzer gelangt und haben ihnen gesagt: Wenn ihr beispielsweise mehr verdichten oder höher bauen wollt oder etwas Ungewöhnliches machen möchtet, bieten wir Hand. Voraussetzung ist jedoch, dass ihr über ein grösseres Geviert und qualitativ hochwertig plant. Denn es bringt nichts, wenn jeder für sich auf seiner Parzelle hüselt. So könnte vielleicht Schritt für Schritt ein Zentrum spürbar gemacht werden.

Wie ist der Vorschlag angekommen?

Bon: Die einen begrüssten ihn, die anderen reagierten skeptisch. Kein Interesse zeigten insbesondere diejenigen Liegenschaftenbesitzer, die auf ihrer Parzelle möglichst schnell etwas bauen wollen, um eine Rendite zu haben. Wer mehr Zeit hat und eher langfristig plant, zeigte sich offener.

Wie hat die Raiffeisenbank reagiert, die auf dem Bahnhöfli-Areal eine Überbauung plant?

Bon: Sie will auf ihren eigenen Parzellen bauen, was möglich ist, und nicht noch die Nachbarn einbeziehen.

Haben Sie trotzdem die Hoffnung, dass auf diesem Weg die Zentrumsbildung in Gang gesetzt werden könnte?

Bon: Ja, das hoffen wir. Ich glaube, mit der Zeit wird sich das schon ergeben. Es braucht jetzt Beispielprojekte, die bei möglichen Bauherren Vertrauen schaffen. Die Bevölkerung ist aufgefordert, zusammen mit dem Gemeinderat und den Liegenschaftenbesitzern in den nächsten Jahren eine Art Doktrin zu entwickeln.

Gibt es bereits erste Projekte?

Bon: Nein, im Moment leider nicht. Die Rendite stimmt einfach nicht. Ich bekomme aber von sehr weit entfernten Investoren, die in sehr grossen Kontexten auf riesigen Arealen arbeiten, ein extrem positives Feedback auf den neuen Ansatz, den wir verfolgen wollen. Aber sie möchten jetzt zuerst einmal abwarten, ob er sich in eine Alltagspolitik umsetzen lässt.

Romanshorn wächst ungebremst. Wo ist die Grenze?

Bon: Mein Vorvorgänger Max Brunner sagte immer, in Romanshorn hätte es unter den gegebenen Bedingungen theoretisch Platz für 15 000 Einwohner. Das dünkt mich eher viel. Eine gute, erstrebenswerte Grösse wären so etwa 13 000 Einwohner. Dafür haben wir bereits heute die nötige Infrastruktur. Die Vorinvestitionen sind gemacht. Ein Wachstum wäre deshalb gut.

Nicht alle teilen diese Ansicht. Gegen die Grossüberbauung an der Reckholdernstrasse regt sich Widerstand.

Bon: Das Grundstück dort ist vor Jahren von den Romanshornern eingezont worden. Die Bevölkerung sagte damals ausdrücklich Ja zu solchen Gebäudehöhen und -volumen, wie sie jetzt geplant sind. Aus Sicht des Landschaftsschutzes ist es richtig, dass solche grossen Überbauungen in der Stadt realisiert werden. Die Frage ist aber, auf welcher Parzelle man wie und was baut.

Von einem neuen Selbstbewusstsein zeugt, dass Romanshorn zusammen mit Amriswil und interessierten Gemeinden in der Region ein Agglomerationsprogramm erarbeiten will. Bis vor kurzem war das kein Thema.

Bon: Es wird in der Region gewünscht, dass Romanshorn sich zu seiner Bedeutung bekennt. Unser Ziel ist, mit Bescheidenheit selbstbewusst aufzutreten. Das entspricht Romanshorn.

Sind die Arbeiten am Agglomerationsprogramm bereits angelaufen?

Bon: Wir sind dran. Im Herbst wollen wir uns nochmals zusammen mit Amriswil das ganze im Detail erklären lassen. Wir wollen definitiv einhaken. Unabhängig von der Diskussion über das Agglomerationsprogramm sind wir uns auch am Überlegen, wie wir uns positionieren sollen. Dabei geht es auch um die Frage, zu welcher Grossregion wir gehören sollen. Romanshorn und Amriswil fallen ein bisschen zwischen Stuhl und Bank.

Interview: Markus Schoch



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
unangan (16. August 2012, 18:28)
und ich der Gemeindeammann bin

na dann Herr Bon... ich verstehe Sie, Herr Bon. Den Titel "Stadtpräsi" ist sehr verlockend... Ein Schelm der annimmt,dass damit auch ein "Statdpäsi-Entlohnung auf ihr Bankkonto überwiesen wird".... smile...
Was das Zentrum von Romanshorn anbelangt:,
Haben nicht Sie, Herr Bon das Forum an der Bahnhofstrasse aufgegeben, damit noch ein neues Ladengeschäft im Zentrum zu vermieten ist...???...
Richtig...!!!... Wenn Romanshorn ein Zentrum von Aktivitäten sein soll, warum wurde ein so "unsinniger" Wohnblock an Stelle des Hotels Bodan zur Abstimmung gebracht..!!!...
Stimmt...!!!.. Romanshorn fällt zwischen Bank und Stuhl. Doch das wird sich nicht ändern mit solcher unkreativen Gemeindeoberen.

Was Amiriswil anbelangt:, Wenn ich irgend was erleben will; und was vernünftiges über den alltäglichen Gebrauch einkaufen will, so steige ich in den "Turbo" und fahre wahlweise nach Arbon oder Amriswil.
Und dies nicht mangels Loyalität zu Romanshorn!.

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