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Rheintaler, 28. Juli 2012, 01:36 Uhr

Der Dorfpfarrer zieht in die Stadt

Pfarrer Ruedi Bertschi in der Stube im evangelischen Pfarrhaus in Schönholzerswilen TG Zoom

Ruedi Bertschi im Pfarrhaus in Schönholzerswilen. (Bild: Rudolf Steiner)

SCHÖNHOLZERSWILEN. Ruedi Bertschi verlässt nach dreizehn Jahren die evangelische Kirchgemeinde Schönholzerswilen Richtung Bodensee. Ab Anfang August wird er als Pfarrer im Team der evangelischen Kirchgemeinde Romanshorn mitarbeiten.

RUDOLF STEINER

Bei der siebenköpfigen Familie Bertschi geht es ans Einpacken. In den dreizehn Jahren ist in dem riesigen Pfarrhaus einiges dazugekommen. Ende August wird gezügelt. In Romanshorn wird die Pfarrfamilie in einem neuen Einfamilienhaus wohnen, da die Kirchgemeinde alle vier Pfarrhäuser verkauft oder anderweitig vermietet hat. Obwohl das Haus auf den Umzugstermin nicht ganz fertig ist, freut sich die ganze Familie auf den neuen Wohnort.

Hochzeit mit 500 Gästen

Der erste Gottesdienst und die Amtseinsetzung in der neuen Kirchgemeinde finden am 12. August statt. Ruedi Bertschi ist zuversichtlich, dass in Romanshorn eine lebensfördernde und aufbauende Kirchenarbeit möglich ist, wenn alle am gleichen Strick ziehen. «Allerdings müssen alle in der gleichen Richtung ziehen», fügt er an.

Vor der Pfarrstelle in Schönholzerswilen war Ruedi Bertschi als junger Missionar in der Missionsarbeit in Maroua in Nordkamerun tätig. Dort lernte er auch seine Frau Claudia, eine ausgebildete Tropenkrankenschwester, kennen, die dort ebenfalls für die Mission arbeitete. Im Oktober 1991 wurde in Kamerun nach afrikanischem Ritual mit 500 Gästen Hochzeit gefeiert.

Zehn Jahre in der Mission

Nach zehn Jahren Missionsarbeit kehrte die mittlerweile auf fünf Köpfe angewachsene Familie 1999 nach Europa zurück. Weil es damals in Afrika noch kein Internet gab, war die Stellensuche in der Schweiz ziemlich schwierig. «Immerhin hatten wir die letzten eineinhalb Jahre in Kamerun ein Telefon im Haus und so informierte mich ein Freund über offene Pfarrstellen in der Schweiz», sagt der 51jährige Ruedi Bertschi.

Vor dreizehn Jahren zogen sie dann ins prächtige, fast 300 Jahre alte Pfarrhaus in Schönholzerswilen ein, und Anfang August trat Ruedi Bertschi seine Stelle als Dorfpfarrer an. 2008 wurde er zudem als Dekan des Kapitels Weinfelden eingesetzt und führte die neuen Pfarrer und Pfarrerinnen in ihr Amt ein. Aber auch Ehefrau Claudia Bertschi fühlte sich in Schönholzerswilen wohl und war aktiv am Leben in der Kirchgemeinde beteiligt.

Vikariat in Reinach

Mit drei Geschwistern auf einem Bauernhof im Aargauer Hinterland aufgewachsen, hat Ruedi Bertschi das Bauernhandwerk von klein auf aus nächster Nähe kennengelernt. Dem jungen Ruedi Bertschi war aber rasch klar, dass er anstelle von Agronomie Theologie studieren wollte. Nach dem Studium an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule STH in Riehen arbeitete Bertschi zuerst ein halbes Jahr bei der Bahnpost. 1988 begann er in Reinach AG, dem Villiger-Stumpen-Dorf mit fünfzehn verschiedenen Glaubensgemeinschaften, sein einjähriges Vikariat. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte er aber schon den Entschluss gefasst, in die Mission zu gehen.

Etwas Neues anfangen

«Ich wollte in einem Gebiet mit wenigen Seelsorgern, aber grossem Wachstum der Kirche tätig sein», war seine Motivation für die Missionsarbeit. Nach absolvierten Vorbereitungskursen reiste er im September 1989 in den Nordkamerun. Nach der Rückkehr aus Nordkamerun vor dreizehn Jahren blieben Ruedi Bertschi bis zur Pensionierung im Jahre 2026 noch 26 Jahre. «Jetzt habe ich die Hälfte dieses Abschnitts erreicht und will noch einmal etwas Neues anfangen», sagt er zum Entschluss, die Stelle als Dorfpfarrer in Schönholzerswilen mit der eines Stadtpfarrers in Romanshorn zu tauschen.



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