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Rheintaler, 26. Juli 2012, 01:34 Uhr

Nachfolger ist bereits eingefuchst

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Roger Häfner an seiner letzten Schulgemeindeversammlung als Sekundarschulpräsident am 20. Juni im Weinfelder Rathaus. (Bild: Esther Simon)

Der Weinfelder Sekundarschulpräsident Roger Häfner tritt Ende Juli von seinem Amt zurück. Seinem Nachfolger Beat Gähwiler übergibt er eine geordnete Schulgemeinde. Im Interview sagt Häfner, was er vermissen wird und was nicht.


Herr Häfner, Ihre Amtszeit wurde ganz am Schluss vom Tod eines Schülers überschattet. Wie sind Sie mit dieser Tragödie umgegangen?

Roger Häfner: Der Tod von Lorik ist für die ganze Schule unfassbar und sehr traurig. In meiner Funktion bei der Gemeinde als Bestattungsbeamter war ich im engen Kontakt mit der Familie und habe erlebt, wie fassungslos sie ist. Das hat mich sehr bewegt und der Kondolenzbesuch zusammen mit dem Klassenlehrer und dem Schulleiter hat mich stark berührt. Es ist mir darum gegangen, dass wir als Schule und Gemeinde im Sinne der Familie unterstützend sein konnten. Dann war es aber auch wichtig, den betroffenen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, von ihrem Mitschüler Abschied nehmen zu können. Nach den Schulferien wird dies nochmals eine Herausforderung für die Schule sein, weil Lorik in der Klasse fehlen wird. Es ist gut, dass der Schulleiter und die Lehrpersonen auf professionelle Unterstützung durch Mitarbeitende des Amtes für Volksschule des Kantons Thurgau zählen können.

Die Sekundarschule Weinfelden zählt 70 Mitarbeitende und etwa 500 Schülerinnen und Schüler. Hatten Sie bei dieser Grössenordnung immer den Überblick?

Häfner: Wir haben in unserer Sekundarschule einen guten Informationsaustausch. Als Präsident hatte ich die Möglichkeit, auf dem Laufenden zu sein über das, was in den drei Schulzentren passiert. Dafür habe ich mir immer Zeit genommen, und so kann ich sagen, dass ich stets einen guten Überblick hatte und wusste, womit die Schulteams beschäftigt sind. Für eine wirkungsvolle Führungsarbeit durch die Behörde war es wichtig, die Schule gut zu kennen.

Welches war der absolute Höhepunkt in Ihrer siebenjährigen Amtszeit?

Häfner: Bei den verschiedenen Bauprojekten habe ich die Einweihung des Pestalozzi-Brunnens als einen ganz schönen Moment in Erinnerung. Wir hatten wochenlang mit Spannung mitverfolgt, ob es möglich wird, aus dem Steinbruch die benötigten Steinblöcke herauszubekommen. Dass dies geglückt ist, war eine grosse Freude. Die Zukunftskonferenz zum 175-Jahr-Jubiläum hat unsere Schule während zweier Tage zusammengeführt und ein gemeinsames Nachdenken über Werte und Ziele ermöglicht. Das bleibt mir sicher in guter Erinnerung.

Hat Ihnen jemals einer Danke gesagt für Ihre Arbeit?

Häfner: Von meinen Kolleginnen und Kollegen der Schulbehörde habe ich immer wieder zu spüren bekommen, dass sie meine Arbeit schätzen. Zum Schulabschluss haben mir die Schulleiter und die Schulbehörde eine wunderschöne Überraschung organisiert. Dies, wie auch die anerkennenden Worte der Vizepräsidentin Ruth Beerli an der Schulgemeindeversammlung, habe ich als grosses Dankeschön empfunden.

Haben Sie die Geschäfte an Ihren Nachfolger im Amt, Beat Gähwiler, bereits übergeben?

Häfner: Ja, die Übergabe haben wir diese Woche abgeschlossen. Die formelle Übergabe wird üblicherweise durch die kantonale Schulaufsicht geleitet. Beat Gähwiler hat bereits seit seiner Wahl Einblick in die Planungsarbeiten für das neue Schuljahr bekommen.

Gibt es etwas, das Sie vermissen werden, wenn Sie nicht mehr Präsident der Sekundarschule sind?

Häfner: Den Kontakt mit den Leuten, mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe, werde ich vermissen. Gemeinsam interessante Projekte zu realisieren, hat mich bereichert und an schulinternen Entwicklungen mitzuarbeiten, war mir ein grosses Anliegen.

Und: Gibt es etwas, von dem Sie froh sind, dass Sie es nicht mehr tun müssen?

Häfner: Ja, das gibt es schon. Als Präsident hält man für vieles den Kopf hin. Ich habe mich davor nicht gedrückt, weil das zu dieser Aufgabe dazu gehört. Ich habe mich damit aber auch immer wieder schwer getan, zum Beispiel wenn ich mit ungerechtfertigten Anschuldigungen oder Forderungen konfrontiert worden bin.

Wie sieht die Sekundarschule Weinfelden in zehn Jahren aus?

Häfner: Es wird sich einiges ändern. Dabei meine ich nicht einmal die Frage, ob es bis in zehn Jahren eine Volksschulgemeinde geben wird. Ich meine vielmehr das Verständnis von Unterricht. Dabei hoffe ich, dass die Sekundarschule in den nächsten zehn Jahren einen kontinuierlichen Prozess durchläuft, in dem sie lehrerzentrierte Unterrichtsformen konsequenter mit einem schülerzentrierten Lernverständnis verbinden wird. Ich glaube auch, dass die beiden Weinfelder Schulzentren näher zusammenrücken müssen, um als Einheit wahrgenommen zu werden.

Geben Sie Ihrem Nachfolger Ratschläge mit auf den Weg?

Häfner: Ich habe mich nicht zurückgehalten, Beat Gähwiler aufzuzeigen, wie ich die Sekundarschule geführt habe. Es war mir wichtig, dass er nachvollziehen kann, weshalb die Führungsinstrumente bestehen und wozu sie dienen. In den vergangenen Jahren hat die Behörde eine verbindliche und transparente Führung aufgebaut. Der Präsident hat die Aufgabe, diese mit Inhalt zu füllen und zu repräsentieren. Ich habe ihm die Erwartung der Behörde übermittelt, in diesem Sinne die Schulgemeinde zu führen. Ich wünsche Beat Gähwiler dabei eine glückliche Hand und gutes Gelingen.

Interview: Esther Simon



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