Im Abwasserwerk Rosenbergsau wurden 2025 knapp 6,7 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt. Damit lag die hydraulische Belastung rund zehn Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Grund dafür war vor allem das vergleichsweise trockene Jahr mit deutlich weniger Niederschlägen. Trotz der tieferen Abwassermenge blieb die Anlage stark gefordert.
Die biologische Belastung nahm gegenüber dem Vorjahr sogar zu, weil weniger Wasser über die Regenbecken entlastet wurde. An der Delegiertenversammlung des Abwasserwerks Rosenbergsau durfte Verwaltungsratspräsident Christian Sepin am Donnerstag, 19. März, im ri.nova Impulszentrum in Rebstein, einen finanziell erfreulichen Rückblick präsentieren. Der Gesamtaufwand im Jahr 2025 belief sich auf 6,125 Millionen Franken. Der Ertragsüberschuss von 382'000 Franken fiel damit deutlich höher aus, als der budgetierte Verlust von 178'000 Franken. Das Eigenkapital stieg um 224'000 Franken auf 6,99 Millionen Franken.
Christian Sepin freut sich über den positiven Abschluss: «Es ist erfreulich, dass wir trotz anspruchsvollem Betrieb unter Budget geblieben sind. Das Ergebnis zeigt, dass in der Anlage sorgfältig gearbeitet wird und Geschäftsführer Maurizio Schirinzi zusammen mit seinem Team verantwortungsvoll mit den Mitteln umgeht.»
Wichtiger Meilenstein erreicht
Ein zentrales Thema der Versammlung war die neue Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen. Diese wurde von Ende August bis Anfang Dezember etappenweise in Betrieb genommen. Die ersten Auswertungen stimmen positiv. Bei den zwölf massgebenden Indikatorstoffen wurde Ende Dezember eine Eliminationsleistung von 88 Prozent erreicht. Die geforderte Mindestleistung von 80 Prozent wurde damit klar erfüllt.
Auch finanziell liegt das Projekt im Rahmen. Die Gesamtkosten für den Neubau der EMV-Stufe beliefen sich auf 18,93 Millionen Franken. Damit blieb das Projekt sogar leicht unter dem teuerungsbereinigten Kostenvoranschlag von 19,22 Millionen Franken. Der Bund beteiligt sich über den EMV-Fonds mit 12,8 Millionen Franken an der Investition.
Für das Abwasserwerk ergibt sich zudem ein weiterer Vorteil: Ab 2026 entfällt die jährliche Abgabe an diesen Fonds von rund 400'000 Franken. Christian Sepin sagte dazu: «Mit der EMV-Stufe erreicht das Abwasserwerk Rosenbergsau einen weiteren Meilenstein. Die Bevölkerung profitiert direkt davon, weil wir unsere Gewässer noch besser schützen können.»
Ausbau der biologischen Reinigungsstufe
Mit dem Abschluss der EMV-Stufe ist die Entwicklung der Anlage nicht beendet. Im Gegenteil. Die Delegierten erhielten mit der Machbarkeitsstudie zur Kapazitätssteigerung, Sanierung und zum Werterhalt einen Ausblick auf das nächste Grossprojekt. Die Studie zeigt, dass die heutige biologische Reinigungsstufe ihre Nennlast erreicht hat und praktisch keine Reserven mehr vorhanden sind.
Für den Ausbauhorizont 2055 wird mit einer Belastung von 118'000 Einwohnerwerten gerechnet. Das entspricht einem Wachstum von rund 22 Prozent. Als bestgeeignete Lösung empfiehlt die Studie das sogenannte MABR-Verfahren. Projektleiter Thomas Morgenthaler von AFRY Schweiz AG erklärte:
Die ARA funktioniert heute gut, sie ist aber sehr hoch ausgelastet und hat praktisch keine Reserven mehr.
Für die Kapazitätssteigerung sowie die Sanierung und den Werterhalt rechnet die Studie mit Investitionen von 18,9 Millionen Franken. Falls die angekündigte Verschärfung der Gewässerschutzverordnung eine weitergehende Stickstoffelimination verlangt, kommen weitere 2,2 Millionen Franken hinzu. Zusammen mit der Pilotierung und der Projektvorbereitung ergibt sich für die bevorzugte, kompakte Umsetzung ein Finanzbedarf von rund 21,5 Millionen Franken.
Der Zeitplan für die Planung, Auftragsvergabe und Umsetzung ist bereits skizziert. Dieses Jahr wird mit der Pilotierung gestartet, um die Anwendbarkeit der MABR-Technologie für die ARA Rosenbergsau zu testen. Bei einer Eignung sollen in den Jahren 2027 und 2028 die Planung, Genehmigungen und Kredite vorbereitet werden. Ab 2029 ist die Umsetzung in vier Etappen vorgesehen.
Abgeschlossen werden soll das Projekt 2032. «Mit der kompakten Umsetzung können wir die nötige Kapazität rechtzeitig schaffen und die Sanierung in überschaubaren Etappen umsetzen», sagte Thomas Morgenthaler. Damit wird deutlich: Nach dem Abschluss der EMV-Stufe steht beim Abwasserwerk Rosenbergsau bereits die nächste richtungsweisende Investition bevor.
Abwasserwerk Rosenbergsau investiert weiter in sauberes Wasser