Am 11. 11. um 11. 11 Uhr beginnt die Fasnacht – und es ist Martinitag | Der Rheintaler

Christlich 11.11.2023

Am 11. 11. um 11. 11 Uhr beginnt die Fasnacht – und es ist Martinitag

Der 11. November ist ein besonderes Datum. Denn am 11. 11. um 11. 11 Uhr beginnt die Fasnachtszeit. Manche behaupten, dass das an der Schnapszahl läge. Andere erkennen den religiösen Bezug.

Von Matthias Damaschke,
Pfarrer
aktualisiert am 13.11.2023

Vom Martinstag am Samstag an sind es noch genau 50 Tage, bis das Jahr 2023 zu Ende ist. Und bis Heiligabend sind es ab morgen noch 42 Tage. Zur Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu Christi begann damit früher eine sechswöchige Fastenzeit analog der Fastenzeit vor Ostern.

Daran erinnert beispielsweise der Stollen, den es traditionell vor Weihnachten zu kaufen gibt. Dieser war ursprünglich ein Fastengebäck.

Um den Martinstag herum steht mir der Sinn alles andere als nach Fasten.

Vielmehr denke ich an die mit diesem Tag einhergehenden regional unterschiedlichen Bräuche und Traditionen – zum Beispiel an die Martinimärkte, die Laternenumzüge oder die verschiedenen kulinarischen Genüsse, die bis heute erhalten geblieben sind, wie die Martinsgans. Auch der erste neue Wein kann getrunken werden.

Früher war der 11. November ein Tag, an dem vor Beginn der Fastenzeit noch einmal so richtig geschlemmt werden konnte – parallel zur Fasnacht. Daneben ging mit diesem Tag das bäuerliche Wirtschaftsjahr, das Weidejahr zu Ende.

Es war der Termin für den Viehabtrieb. Der Zehnte war fällig, der häufig in Naturalien entrichtet wurde. Dienstverhältnisse, Pacht-, Zins- und Besoldungsfristen endeten bzw. begannen an diesem Tag. Landpachtverträge beziehen sich bis heute noch häufig auf Martini als ­Anfangs- und Endtermin, was der natürlichen Vegetations- und Bewirtschaftungszeit entspricht.

Die Natur kommt jetzt zur Ruhe, bevor mit dem nächsten Frühling alles von neuem beginnt.

Und wir – kommen wir auch zur Ruhe?

Im Industriezeitalter muss alles zu jeder Zeit in ausreichender Menge – am besten im Übermass – zur Verfügung stehen. Ich erinnere mich an eine Frau, die sagte, dass sie damit nicht mehr zurechtkomme. Selbst Essen und Trinken wollten ihr nicht mehr recht schmecken. Sie habe sich daher entschieden, nur noch saure Gurken zum Brot zu sich zu nehmen, in der Hoffnung, irgendwann dann wieder so richtig Appetit auf alles zu bekommen.

Vielleicht ist es gerade in unserer Zeit sinnvoll, aus alten Bräuchen zu lernen und ab morgen an den Wochentagen bis Weihnachten auf bestimmte ­Sachen zu verzichten.

Die äusserliche Handlung hilft, uns bewusster auf das Fest der Geburt Jesu Christi vorzubereiten.

Vom Eingesparten können wir anderen abgeben und wie der heilige Martin teilen.

Und der Festtagsschmaus schmeckt bestimmt noch mal so gut.