Für Annatina Lippuner vom RCOG führte der Weg im Oktober an die U23-WM im amerikanischen Las Vegas. Die frühere Junioren-Vize-Europameisterin und Junioren-Vize-Weltmeisterin trat in der Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm im Trikot des Schweizer Nationalteams an. Ihre Weltmeisterschaft endete aber früher als erhofft: Schon im Achtelfinal musste sie sich der Mongolin Byambasuren Khulan mit 2:6 geschlagen geben.
Die Vorfreude auf die WM war riesig. Endlich wieder auf der grossen internationalen Matte zu stehen und sich mit den besten Athletinnen ihrer Altersklasse zu messen, war für Lippuner ein wichtiger Moment. Das Los spielte für sie keine entscheidende Rolle: Wer an einer WM antrete, sei stark, sie eingeschlossen, sagte Lippuner. Mental fühlte sie sich gut auf den Kampf vorbereitet. Dennoch genügte ein kleiner Fehler, um das Duell zu ihren Ungunsten zu entscheiden.
Schwierige Vorbereitung, aber ein sehr starker Wille
Die Voraussetzungen waren indes alles andere als ideal. Während des letzten grossen Trainingslagers zur Vorbereitung schoss es Lippuner in Japan in den Rücken. In den drei Wochen vor der Weltmeisterschaft konnte sie deshalb nicht auf der Matte trainieren. Die Schmerzen waren teils extrem. Dass sie überhaupt in Las Vegas antreten konnte, verdankte sie auch der Unterstützung einer Physiotherapeutin des deutschen Nationalteams, die ihr half, wieder stehen und ringen zu können.
Warum sie trotz der körperlichen Probleme startete, erklärt Lippuner so: «Ich habe wegen Verletzungen schon viel verpasst. Hier war einfach mein Wille grösser als der Schmerz.» Nach einer langen Rehabilitationsphase wollte sie die Chance unbedingt nutzen. Umso grösser war die Enttäuschung, als die WM nach nur einem Kampf bereits vorbei war.
«Ich werde neu angreifen. Noch stärker.»
Rückblickend sieht Lippuner nicht den Rücken, ihre mentale Verfassung oder ihre körperliche Leistungsfähigkeit als entscheidenden Faktor. Vielmehr fehlten ihr nach der langen Rehabilitationszeit wichtige Trainingskämpfe, Wettkämpfe und Matteneinheiten. In einem Duell auf diesem Niveau kann ein kleiner Fehler den Unterschied ausmachen – gerade, wenn die nötige Wettkampfroutine fehlt.
Trotz der Enttäuschung blickt Lippuner nach vorne. Sie weiss, dass ihre Entwicklung mit diesem Resultat nicht abgeschlossen ist. «Ich fahre zwar enttäuscht nach Hause, aber ich weiss, meine Reise geht weiter und ich werde neu angreifen. Noch stärker.» Zuerst steht jetzt aber die Gesundheit im Vordergrund. Bei ihrem Medical Partner ist eine Untersuchung des Rückens vorgesehen. Danach gilt es, die Verletzung auszukurieren und Schritt für Schritt die Grundlage für kommende Wettkämpfe zu schaffen.
Annatina Lippuner kämpft an der U23-WM trotz Rückenverletzung