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Ski alpin 26.01.2026

Auch der erfahrene Meister über die Zeit kann noch nervös werden

Am Skilift Horn in Schwende finden jedes Jahr FIS-Skirennen statt. Dass diese regulär über die Bühne gehen, ist auch einem Rheintaler zu verdanken: Clemens Eugster ist der Chef über die Zeitmessung.

Von Remo Zollinger
aktualisiert am 26.01.2026

Samstagmittag, die Schweiz schaut das weltberühmte Hahnenkammrennen von Kitzbühel. Marco Odermatt fordert Leader Giovanni Franzoni, liegt im Ziel aber sieben Hundertstel zurück. «Es wird nicht reichen», sage ich meinem Vater, der vor dem Fernseher mitfiebert. Ich weiss schon, dass der Schweizer Zweiter wird, während er noch zu sehen ist: Der FIS-Ticker ist schneller als das TV-Bild. Die Zeiten werden direkt von der Piste ins Internet übertragen.

Das gilt nicht nur für Kitzbühel, sondern auch für die FIS-Rennen am Skilift Horn. Dafür zuständig ist der Widnauer Clemens Eugster mit seinem Team. Er empfängt in einer Gondel, die neben der Ziellinie steht und mit allerhand Geräten vollgestellt ist. Immer wieder kommen Helferinnen und Helfer, um etwas abzuholen und instruiert zu werden. «Ja, es braucht dies alles, um ein Skirennen durchzuführen. Für den Aufbau brauchen wir etwa drei Stunden», sagt Clemens Eugster.

Ein Tausendsassa mit grosser Leidenschaft

Clemens Eugster, ursprünglich aus Oberegg und Ehrenmitglied des dortigen Skiclubs, macht das seit 40 Jahren, es sind eingespielte Abläufe. Fünf Personen sind in die Zeitmessung involviert – neben Eugster auch der Liechtensteiner Reto Vogt, der ebenfalls in der Gondel sitzt. Weiter sind zwei Personen, je eine am Start und im Ziel, für die manuelle Zeitmessung zuständig und jemand bedient das Starttor, wo die Fahrerinnen die erste Lichtschranke auslösen.

Aus dieser Gondel dirigiert Clemens Eugster die Zeitmessung.
Aus dieser Gondel dirigiert Clemens Eugster die Zeitmessung.
Bild: Remo Zollinger

«Es ist das Interesse an der Informatik und an dieser Nische, das mich antreibt», sagt der 61-Jährige, der in der IT von SFS arbeitet. Er nimmt die Zeit nicht nur am Hornrennen, sondern auch an Rennen in Malbun, auch dort mit Reto Vogt. Auch das Bobbycar-Rennen in Thal, das Seifenkistenrennen in Berneck und das Velorennen «Uf de Töni» können auf seine Expertise zählen.

Wer als Zeitmesser tätig sein will, muss Kurse machen. Eugster erklärt:

Danach ist man bei Punkterennen zwei Jahre lang als Kandidat unterwegs, bis man richtig einsteigt. Man muss auf vieles achten – auch die Rangliste ist erst offiziell, wenn die Protestfrist abgelaufen ist. Aber es ist ein sehr schöner Job, weshalb ich ihn schon so lange mache.

Obwohl er sehr viel Routine mitbringt, ist auch er vor einem Rennen noch nervös. «Erst wenn alles mal richtig ins Rollen gekommen ist, ist es gut.»

Der Skilift Horn hat schon viele Stars gesehen

Am Freitagabend ist das der Fall, in kurzen Intervallen werden die Fahrerinnen auf die Piste geschickt, alles läuft. Am Horn fahren nicht die grossen Stars, dafür haben FIS-Rennen einen zu geringen Stellenwert. Es ist der aufstrebende Nachwuchs, der hier um Zeiten und Positionen kämpft. Doch es haben schon viele Fahrerinnen und Fahrer am Rennen in Schwende teilgenommen, denen später auf grösster Ebene der Durchbruch gelang.

Das bezeugt ein Blick auf die Rangliste von 2014. Auf Rang 49, über acht Sekunden hinter dem Sieger, ist Marco Odermatt zu finden. Tanguy Nef belegte im gleichen Rennen den 37. Platz, Niels Hintermann den 27. und selbst Slalomspezialist Loïc Meillard musste sich mit Rang 26 begnügen. Das zeigt: Es lohnt sich, die Startliste vom Hornrennen aufzubewahren und einige Jahre später wieder einen Blick darauf zu werfen.

Pro Wintersaison an 40 bis 50 Rennen

Das Rennen vom Freitag gewinnt die Walliserin Juliette Fournier. Auf den Plätzen zwei und drei liegen Anna und Sophia Flatscher, die Töchter der 15-fachen Weltcupsiegerin Sonja Nef und des bekannten Trainers Hans Flatscher. Den 18. Rang unter 81 gestarteten Fahrerinnen belegt Melina Zäch, sie hat sich in Lauf zwei um acht Plätze verbessert. «Ich habe im ersten Lauf zu viele Fehler gemacht, vor allem oben. Es wäre schon etwas mehr gegangen. Im zweiten Lauf ist mir dann der Steilhang sehr gut gelungen», sagt die Gamserin.

Melina Zäch aus Gams auf dem Weg zum 18. Rang.
Melina Zäch aus Gams auf dem Weg zum 18. Rang.
Bild: Remo Zollinger

Ein Heimrennen war es für sie nicht: Melina Zäch besucht das Sportgymnasium in Davos und trainiert dort – wenn sie überhaupt dazu kommt.

Ich bestreite 40 bis 50 Rennen pro Saison», erklärt die fröhliche 17-Jährige. Das Rennen am Horn hat ihr gut gefallen: «An anderen Orten hat es nicht so viele Zuschauer. Auch der Live-Kommentar war sehr cool.

Marc Berthod und das Buffet vom Horn

Diesen lieferte das Trio vom «Podcast vom Pistenrand» mit Tina Weirather, Marc Berthod und Michael Schweizer. Sie feuerten alle Fahrerinnen an und belebten das Zielgelände mit ihrer guten Laune. Berthod, zweifacher Weltcupsieger und SRF-Experte, hat ein besonderes Verhältnis zum Hornrennen: Als er selbst teilnahm, bediente er sich nach der Zieldurchfahrt grosszügig am Buffet für die geladenen Gäste. Um diese Schuld zu begleichen, brachte er im letzten Jahr Nussgipfel nach Schwende – und 2026 kommentierte er das Rennen.

Direkt neben ihm bleibt Clemens Eugster in der Gondel ruhig und sachlich. «Ich weiss meistens während des Rennens nicht einmal, wer gerade führt. Es gibt zu viele Dinge, an die ich denken und auf die ich mich konzentrieren muss», sagt er. Wann ist er zufrieden?

Wenn die Zeitmessung reibungslos funktioniert hat und die Rangliste steht, kann ich auf einen gelungenen Tag zurückblicken.
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