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Beat Tinner zu Besuch: Wald mit Zukunft braucht Politik mit Weitblick

Die neuen Waldziele des Kantons St. Gallen und der Rückblick auf 150 Jahre eidgenössische Waldgesetzgebung machen deutlich, wie wichtig eine langfristige Waldpolitik ist.

Von pd
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Wer heute durch den Wald geht, erlebt Natur, Ruhe und Landschaft. Dass der Wald im Kanton St. Gallen zugleich Schutzraum, Rohstoffquelle, Lebensraum, Erholungsgebiet sowie Ausbildungs- und Arbeitsort ist, gerät dabei leicht in den Hintergrund. Genau diese Vielseitigkeit rückte Regierungspräsident Beat Tinner zusammen mit Kantonsoberförsterin Caroline Heiri und Regionalförster Christof Ganter anlässlich einer Waldbegehung in Degersheim zum Tag des Waldes ins Zentrum. Im Fokus standen am Samstag, 21. März, die neuen Waldziele des Kantons und das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der schweizerischen Waldgesetzgebung. 

Beide Themen greifen ineinander: Die neuen Ziele knüpfen an eine lange Tradition an und setzen den strategischen Rahmen für die zukünftige Waldpolitik im Kanton. Beat Tinner schlug dabei die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart: «Der Wald, den wir heute sehen, ist kein Zufallsprodukt. Er ist das Ergebnis von Verantwortung über Generationen hinweg.» Das Jubiläum sei deshalb weit mehr als ein historischer Rückblick. 

Der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes führte weiter aus: «Das Forstpolizeigesetz zeigt, dass vorausschauende Politik konkrete Wirkung entfaltet, im Landschaftsbild ebenso wie für die Sicherheit, die Erholung und die Nutzung des Waldes.»

Lehren gezogen aus Waldübernutzung

Mit dem eidgenössischen Forstpolizeigesetz von 1876 zog die Schweiz die Lehren aus Waldübernutzung und Naturereignissen mit teils gravierenden Folgen. Festgeschrieben wurde vor 150 Jahren, dass die Waldfläche erhalten bleiben muss, Rodungen nur mit gleichwertigem Ersatz möglich sind und nicht mehr Holz genutzt werden darf, als nachwächst. 

Diese Grundsätze prägen die Waldpolitik bis heute. Durch den Klimawandel, extreme Wetterereignisse und wachsende Nutzungsansprüche steht der Wald weiter unter Druck. Umso wichtiger ist eine Politik, die Schutz, Nutzung, Biodiversität und Erholung nicht gegeneinander ausspielt, sondern zusammen denkt. Beat Tinner formulierte es so: «Wer den Wald nur aus der Perspektive des Heute betrachtet, greift zu kurz. Gute Waldpolitik denkt in Jahrzehnten und schafft die Voraussetzungen dafür, dass der Wald seine Leistungen auch morgen erfüllen kann.»

Multifunktionalität des Waldes muss bleiben

Mit den neuen Waldzielen bekennt sich die St. Galler Regierung klar zur Multifunktionalität des Waldes. Sie verfolgt die Vision, die vielfältigen Leistungen des Waldes für heutige und künftige Generationen mit einer nachhaltigen Waldpolitik zu sichern. 

Zu den strategischen Leitplanken gehören der Erhalt der Waldfläche, widerstands- und anpassungsfähige Wälder, langfristig funktionierende Schutzwälder, nachhaltige Holznutzung mit ­regionaler Wertschöpfung, die Förderung der Biodiversität, attraktive Erholungsräume, eine leistungsfähige Forstbranche, zielgerichtete Information der Bevölkerung, angepasste Wildbestände sowie genügend gut ausgebildete Fachkräfte.

Damit ersetzen die neuen Waldziele die bisherige Ausrichtung aus dem Jahr 2006 und bilden eine wichtige Grundlage für den künftigen Waldentwicklungsplan sowie für die Arbeit der rund 16 000 privaten und öffentlichen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, der Waldregionen und des Kantonsforstamts. 

Waldbauliche und jagdliche Eingriffe notwendig

Wie konkret die Strategie und die Waldziele umgesetzt werden, zeigte sich bei der Waldbegehung. Wie wichtig der Wald für den Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur ist, zeigt im Rheintal beispielsweise das Schutzwaldprojekt Rüthi-Lienz. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Kanton, Gemeinde, Forstbetrieb, Jagdgesellschaften, Rhode Lienz, der Ortsgemeinde Rüthi sowie der Gemeinde Rüthi und der Stadt Altstätten wächst dort ein stabiler Schutzwald mit zukunftsfähigen Baumarten nach. 

Damit die schützende Wirkung erhalten bleibt, braucht es konsequente waldbauliche und jagdliche Eingriffe. Nur so können künftige Generationen von der Schutzwirkung des Waldes profitieren. Regierungspräsident Beat Tinner weiss: «Ein starker Wald entsteht nicht von selbst. Er ist das Resultat klarer Ziele, fachlicher Arbeit, engagierter Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer und eines langen politischen Atems.»