Die Walzehuser Bühni präsentierte am vergangenen Samstag Kabarettistin Betty Dieterle mit ihrem Programm «Apocalypso Blues». Da die Mehrzweckanlage zurzeit umgebaut wird, fand die Aufführung in den Räumen der Just AG statt.
Es war doch anders
Wer den hinter- und tiefgründigen Monologen sowie den Eigenkompositionen von Betty Dieterle und Ursula Oelke bis zum letzten Wort folgte, weiss nun detailliert, wie es zur Dauerunterdrückung der Frau seit Anbeginn der Zeit gekommen ist.
War nicht schon die Geschichte mit Eva und der Schlange anders, als sie heute erzählt wird? Nun, Adam war der Übeltäter, Eva hatte die ganze Sache auszubaden. Oder wie kam es, dass der bedeutende Philosoph der Aufklärung, Jean-Jacques Rousseau, in seinen Schriften die Frau zur Untertanin, ja beinahe zur Sklavin des Mannes machte? Der Aufklärer, der Befreier, ein Unterdrücker.
Spiel- und singgewaltig
«Bis heute verwandeln Macht und Gier die Menschen in Zombies», urteilte Dieterle. Dabei gelte die Hauptrolle den Männern und die Frauen blieben auf der Strecke. Betty Dieterle spielte in all ihren Registern: Schauspielerin, Sängerin, Pantomimin und vieles mehr. Das beeindruckende Stück, bei dem jeder sein Fett abbekam, lebte aber nicht nur von Betty Dieterle, sondern auch von der Pianistin und Sopranistin Ursula Oelke. Sie beide überzeugten in Walzenhausen mit ihrer Bühnenpräsenz und vor allem durch ihre teilweise bitterbösen Ansichten über die Beziehung von Frau und Mann. Was haben Blocher, Köppel und Trump sowie Musk gemeinsam?
Die Frage beantworten kann ein Besuch im Diogenes-Theater Altstätten (www.diogenes-theater.ch) am Samstag, 7. November um 20 Uhr. Wer die spitze Feder, den teuflisch guten Gesang und schauspielerisches Können liebt, für den ist der «Apocalypso Blues» ein Muss. In Walzenhausen wurde den beiden Künstlerinnen mit lang anhaltendem Applaus gedankt. Und dies noch zum Schluss: Wenn die Schweizer Bevölkerung gemäss der Präambel der Bundesverfassung leben würde, dann wäre dieses engagierte Programm gar nicht nötig, weil es dann keine Unterdrückung mehr gäbe.
Betty Dieterle rechnet in Walzenhausen mit Macht und Unterdrückung ab