Damit dürfte der Verein zu den ersten Männerchören der Region gehören, die komplett digital unterwegs sind. Ganz nach dem Motto: «Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.» Seit Jahren informierten sich die Verantwortlichen des Gesangsvereins regelmässig über elektronische Hilfsmittel zur Handhabung von Gesangspartituren. Die Anforderungen waren klar definiert: ein gut lesbares A4-Format, einfache Bedienung, eine Notensoftware mit Möglichkeit für individuelle Notizen und vor allem eine Lösung, die ins bescheidene Vereinsbudget passt.
Letzteres erwies sich lange Zeit als Knackpunkt, weshalb das Projekt Digitalisierung immer wieder aufgeschoben werden musste. Der entscheidende Impuls kam schliesslich eher zufällig. An einer Schulbürgerversammlung sass der Vereinsverantwortliche Charles Martignoni neben Ivo Riedi, Präsident der Oberstufenschulgemeinde Mittelrheintal (OMR).
Beim Traktandum Informatik kamen die beiden ins Gespräch, was denn mit den ausgedienten Schüler-Tablets geschehe. Riedi erklärte, dass diese jeweils am Ende des Schuljahres von den Schülerinnen und Schülern zu einem moderaten, eher symbolischen Preis übernommen werden könnten, allerdings mit geringem Interesse, denn für Jugendliche gelten fünfjährige Geräte bereits als beinahe antik.
Für den Männerchor Au Berneck hingegen waren diese Tablets ideal: Das Notenmaterial liegt in Form einfacher PDFs vor, die Anforderungen an die Geräte sind überschaubar. Der Informatikverantwortliche der OMR, Oliver Morandi, zeigte sich offen für das Anliegen und stellte in Aussicht, dass nach Schuljahresende eine grössere Anzahl Windows-Surface-Tablets zur Verfügung gestellt werden könnte, genau in der benötigten Menge von über 30 Stück.
Aus einer Idee wird Realität
Die Geräte wurden vollständig bereinigt und mit Windows 11 ausgeliefert. Der chorinterne Informatiker July Thurnheer investierte zahlreiche Arbeitsstunden, um jedes Tablet individuell einzurichten und mit der benutzerfreundlichen Musiksoftware MobileSheets auszustatten. In nur zwei kurzen Einführungseinheiten vor Probenbeginn fanden sich sämtliche Sänger rasch und problemlos zurecht.
Auch Dirigent Mihai Alexa zeigt sich begeistert: Neue Partituren können nun innerhalb weniger Minuten an den gesamten Chor verteilt werden. Zudem lassen sich die Tablets im Probelokal an einen Beamer anschliessen, was zusätzliche Möglichkeiten für musikalischen Theorieunterricht eröffnet. In den vergangenen zwei Monaten ist der Chor bereits mehrfach öffentlich – und mit sichtlichem Stolz – mit seinen Tablets pannenfrei aufgetreten.
Am Ende war es eine echte Win-win-Situation: Die OMR konnte abgeschriebene Geräte einer sinnvollen Zweitverwendung innerhalb der Schulgemeinde zuführen, und der Männerchor Au Berneck freut sich über den Schritt in die digitale Zukunft, technisch zeitgemäss und finanziell tragbar.
Das Notenblatt aus Papier wird abgelöst: Männerchor geht digitale Wege