Während auf dem Hauptplatz der Aegeten die zweite Halbzeit der Erstligapartie Widnau gegen Dietikon läuft, bereitet sich die zweite Mannschaft hinten auf dem Kunstrasen für den ersten Match der Rückrunde vor. Da läuft eigentlich alles wie gewohnt. Die beiden Torhüter machen ihre Übungen, und die sechs Auswechselspieler schieben sich den Ball in lockerer Stimmung zu. Aber beim Einlaufen der Feldspieler ist nicht alles wie gewohnt. Captain Fabio Schmid leitet es, es sind nur acht Spieler dabei. Zwei fehlen.
Warten im Eins, spielen im Zwei
Diese beiden Spieler sind im Moment noch auf dem Hauptplatz. Finn Metzler und Rikard Oroshi laufen sich dort gründlich und lange ein – und kommen erst in der Nachspielzeit für ein paar Momente aufs Feld. Nach dem Abpfiff wechseln sie das Spielfeld und sind nun für die zweite Mannschaft bereit. Sie setzen sich ein. Finn Metzler läuft, kämpft und versucht immer wieder, in der Offensive Akzente zu setzen, doch der Gegner ist auch in der Defensivabteilung gut besetzt. Für Fabio, den Captain, ist der Einsatz der Eins-Spieler so in Ordnung. «Sie setzen sich in der Regel sehr gut ein. Finn heute ist ein gutes Beispiel.»
Wenig Ballkontakt
In diesem Match spielt Fabio Schmid rechter Aussenverteidiger, bewacht also eine Sturmspitze. Das gelingt nicht schlecht, weil er dies mit fairen Mitteln, besonders mit seiner Schnelligkeit, versucht. Im ganzen Spiel begeht er nur drei Fouls, aber das zweite ist recht robust, wofür er mit der gelben Karte bestraft wird. «Verwarnungen gibt es immer wieder», sagt er, «aber mit einer roten Karte wurde ich noch nie bestraft.»
Beim Spielaufbau bewegt sich Fabio Schmid konsequent nahe der rechten Seitenlinie. Der Aufbau aber läuft ganz selten über ihn. Darum ist er oft ganz allein, hat wenige Ballkontakte, bietet sich aber immer wieder an. Gelegentlich wagt er sich, vorsichtig, in den Angriff. In der 20. Minute wird er mit einem Zuspiel gut in den freien Raum eingesetzt, seine Flanke in den Strafraum findet keinen Mitspieler.
In der zweiten Halbzeit geraten seine beiden Freistösse von der Seite in den Strafraum zu weit, und als er in der 78. Minute mit einem Energieanfall mit dem Ball am Fuss bis vor den Strafraum durchkommt, wird er durch ein Foul gestoppt.
Zu wenig mutig
Nach dem Spiel hängt in der Widnauer Garderobe noch das Plakat von der Spielvorbereitung mit den drei Stichworten «clever, Geduld, mutig». Nach dem Match sagt der Captain dazu: «Clever? Das konnten wir nicht erfüllen. Das erste Tor, eingeleitet durch einen Fehlpass im Mittelfeld, war sicher nicht clever. Geduld? Ja, wir haben immer wieder versucht, unser Spiel zu spielen, doch der Gegner liess das einfach nicht zu. Mutig? Leider muss ich sagen, dass wir in der Offensive noch mutiger hätten spielen sollen.»
Dieses erste Tor fällt schon nach acht Minuten. Die Angriffsauslösung wird unterbrochen, weil die Gäste den Ball schon früh erobern und freie Bahn haben. Luka Dursun trifft. Der platzierte Schuss von Philip Baumgartner in der 55. Minute ergibt das zweite Tor. Der Leader festigt seine Position, Widnau II steht in der Rangliste als Mittelfeldteam aber immer noch sehr gut da.
Abhaken
Widnaus Trainerassistent Andy Lamorte fasst das Spiel so zusammen: «Das frühe Gegentor haben wir selbst verschuldet. Nachher hat sich die Mannschaft gefangen und teilweise recht gut gespielt. Niederlage gegen den Leader? Abhaken!» Das sagt auch der Captain. «Ja, abhaken. Ich spiele lieber im Zentrum, heute bin ich auf der Seite nie richtig im Spiel angekommen.»
Trainingsspiele im Eins
Fabio Schmid, Jahrgang 1999, hat seiner Lebtag nur für den FC Widnau gespielt, da ist er daheim. Nach der Juniorenzeit hat er in Trainingsspielen gelegentlich auch im Eins gespielt. «Ich bin im Zwoa am richtigen Ort», sagt er überzeugt.
Er arbeitet bei Noventa in Widnau als Polymechaniker, ist in Heiden geboren und in Widnau aufgewachsen. Heute wohnt er in Götzis. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Er lebt dort zusammen mit Partnerin Chiara und ihren gemeinsamen Kindern Leano und Ariana. In diesem Sommer heiraten sie.
Der Captain der Widnauer Reserven ist «im Zwoa dihoa»