YB gegen St.Gallen war Jahre, ja Jahrzehnte lang eine Affiche, bei der ein Ausgang fast ausgeschlossen war: ein Auswärtssieg. Über 20 Jahre musste der FCSG darauf warten, im mittlerweile gar nicht mehr so neuen Berner Wankdorf einen Sieg zu feiern. Erst im Oktober 2025 war es so weit. Tom Gaal hatte die Espen in Führung gebracht. In der 85. Minute schien Chris Bedia mit dem 1:1 die Ostschweizer Träume vom Auswärtssieg aber wieder zerstört zu haben. Nur zwei Minuten später traf Lukas Görtler zum 2:1, und Grün-Weiss ging tatsächlich als Sieger vom Feld.
Am 26. März 2025 doppelte der FCSG in Bern nach, auch dabei fiel das entscheidende Tor sehr spät. Erzielt hat es Chima Okoroji mit einem Freistoss in der 92. Minute. Zwei Monate später folgte der dritte Streich – diesmal nicht gegen die Young Boys, sondern gegen Stade Lausanne-Ouchy. Die Espen gewannen im Wankdorf den Cupfinal und versetzten eine ganze Region in grenzenlose Euphorie. Dass dies der dritte Sieg in Folge in diesem Stadion war, ist aber nicht mehr als eine Randnotiz.
Die Young Boys sind in guter Form
Dass St.Gallen ausgerechnet in der letzten Saison zweimal bei den Young Boys gewann, ist kein Zufall. Dem FCSG gelang eine ausgezeichnete Saison, während bei YB gar nichts zusammenpasste. Die Berner verpassten sogar das internationale Geschäft. Davon hat sich YB bestens erholt. Zwar kommen auch die Berner zurzeit nicht an Lugano heran, es ist aber kein Super-League-Team näher dran. YB hat diese Saison noch kein Spiel verloren, belegt Rang zwei und hat sechs Punkte mehr als der FCSG, der zuletzt zweimal gewonnen und sich wieder auf Rang vier vorgearbeitet hat.
«Wir haben uns wieder an die oberen Plätze herangerobbt», sagte FCSG-Trainer Enrico Maassen an der Pressekonferenz vor dem YB-Spiel. Jetzt gelte es, sich in diese Gruppe hereinzubeissen. Dass es in Bern nicht einfach wird, weiss der Deutsche. Besonders beeindruckend ist, dass YB in zehn Spielen 33 Tore erzielt hat – ein Drittel davon durch Samuel Essende. Dieser war im letzten Winter in die Bundesstadt gewechselt, hatte aber mit einer Ladehemmung zu kämpfen. Seit dem Sommer ist diese definitiv Geschichte.
Der FCSG hat seine Abwehr stabilisiert
Es überrascht daher nicht, dass Maassen der Abwehr für dieses Spiel fast noch mehr Stellenwert beimisst als üblicherweise. «Am Ende wird die Mannschaft gewinnen, die vor dem Tor gut ist und die besser verteidigt. Das ist gegen YB der Schlüssel. Du wirst nicht alles wegverteidigen können, aber wir müssen hinten sehr, sehr eng zusammen sein, uns gut unterstützen und in den Duellen hart sein. Wir brauchen defensiv ein nahezu perfektes Spiel», sagte der Trainer. Er verwies aber auch auf die Stärken seiner Offensive. «Wenn wir im Umschalten präzise sind und geradlinig auf das Tor zugehen, sind wir unangenehm. Auch das kann ein Schlüssel sein.»
Der FC St.Gallen hatte in dieser Saison eine längere Phase, in der die Abwehr löchrig war. Dies hat sich wieder gebessert – was auch an der Rückkehr von Tom Gaal liegt, der jene Phase verletzt verpasst hatte. Der Cupfinal-Torschütze hat viel zur Stabilisierung der Hintermannschaft beigetragen. «Wir wissen, welchen Wert Tom letztes Jahr für uns hatte und auch jetzt wieder hat», sagt Enrico Maassen über den 25-jährigen Mönchengladbacher. Dieser verbindet Bern mit schönen Erlebnissen: «Wenn man in ein Stadion fährt, in dem man vor einem guten halben Jahr einen grossen Titel gewonnen hat, kann man diese positiven Erinnerungen im Kopf wieder hervorholen und noch einen Tacken selbstsicherer und selbstbewusster ins Spiel steigen.»
Gaal und Maassen ist anzumerken: Sie brennen auf das Spiel vom Samstagabend, obwohl sie sich bewusst sind, wie schwierig die Aufgabe wird. Die Ostschweizer möchten ihre spannende Bern-Serie um ein Spiel ausbauen und werden YB alles abverlangen.
Der FCSG vor der Rückkehr an den Ort des grossen Triumphs