Nach einer langen Vorbereitung ist der HC Rheintal Anfang September in die Saison 2026/27 gestartet. Besonders im Fokus stehen die beiden ersten Mannschaften. Den Männern bringt die neue Spielzeit nach dem Aufstieg eine erneute Herausforderung in der 1. Liga. Bei den Frauen soll unter einem neuen Trainerduo die positive Entwicklung der letzten Jahre fortgesetzt werden. In den ersten zwei Runden gab es Punkte für beide Teams. Nun warten im Cup weitere Höhepunkte – vor allem das Duell der Herren mit dem NLB-Verein HC Arbon.
Männer gewinnen bei ihrer Erstliga-Rückkehr
Im Herren-«Eins» setzt der Verein auf Kontinuität, das Aufstiegsteam wurde fast vollständig zusammengehalten. Neu dazugestossen ist Andras Falkner aus München, der sich bereits gut eingefügt hat. An der Seitenlinie bleibt alles beim Bewährten: Headcoach René Ullmer führt das Team weiterhin gemeinsam mit Assistent Tomislav Saric. Dass in der 1. Liga ein anderer Wind weht, war allen Beteiligten vor Saisonbeginn bewusst. Umso erfreulicher verlief die Premiere vor heimischem Publikum in Heerbrugg. Gegen die zweite Mannschaft von Fortitudo Gossau erwischten die Rheintaler zwar keinen guten Start und gerieten mit fünf Toren in Rückstand. Doch noch vor der Pause kämpfte sich das Heimteam zurück und verkürzte auf 17:19.
Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein echter Krimi. Die Rheintaler blieben hartnäckig, glichen mehrfach aus und gingen in der 47. Minute durch Falkner erstmals in Führung. In einer spannenden Schlussphase bewies der Aufsteiger Nervenstärke. Péter Vaskó und Imre Domokos, mit je sieben Treffern bei den erfolgreichsten Werfern, führten die Offensive an. 16 Sekunden vor Schluss führte Domokos mit dem 34:31 die endgültige Entscheidung herbei. So waren die ersten zwei Punkte in der 1. Liga bereits im ersten Spiel Tatsache.
Lehrreiche Niederlage gegen den TV Appenzell
Eine Woche später folgte die Erkenntnis, dass die neue Liga keine Nachlässigkeiten verzeiht. Gegen den TV Appenzell, der die letzte Saison als Tabellenführer abgeschlossen hatte, traten die Rheintaler wegen vieler verletzungs- und krankheitsbedingter Ausfälle mit einem dezimierten Kader an. Vor allem die erste Halbzeit verlief aus Sicht des Heimteams enttäuschend. Technische Fehler, überhastete Abschlüsse und eine zu passive Defensive ermöglichten den Appenzellern einfache Tore. Beim Stand von 5:21 ging es in die Kabine.
Bemerkenswert war die Reaktion nach der Pause. Das Team von René Ullmer zeigte ein völlig anderes Gesicht, agierte aggressiver in der Deckung, unterstützte sich gegenseitig besser und fand offensiv zunehmend Lösungen. Die Halbzeit ging lediglich mit 15:16 verloren. An der 20:37-Niederlage änderte dies nichts, die Reaktion dürfte dem Trainerteam aber wichtige Erkenntnisse geliefert haben. Gerade für einen Aufsteiger geht es darum, möglichst rasch die nötige Konstanz für die 1. Liga zu entwickeln. Nach zwei Spielen stehen ein Sieg und eine Niederlage zu Buche – ein erwartbarer Start in das Abenteuer 1. Liga.
Viel Zeit, die Niederlage zu analysieren, bleibt nicht. Am Mittwoch wartet ein Highlight: Im Cup empfängt der HC Rheintal mit dem HC Arbon einen Vertreter aus der Nationalliga B. Gegen den höherklassigen Gegner kann das Team ohne Druck antreten und versuchen, vor heimischem Publikum eine Überraschung zu schaffen. Gleichzeitig bietet die Partie Spielern und Fans die Gelegenheit, sich mit einem Team aus der zweithöchsten Spielklasse zu messen.
Neustart mit neuen Trainern bei den Frauen
Mehr Veränderungen als bei den Männern gab es im Frauen-Fanionteam. Nach dem Rücktritt des Trainerduos Tanja und Gabor Eder übernahmen Martin Betz als Headcoach und Jessica Wolfrum als Assistentin die Verantwortung. Der Start darf als positiv bewertet werden. Schon vor dem Meisterschaftsauftakt gelang im Regio-Cup mit dem Einzug in die nächste Runde ein Erfolg. In der Liga wartete zum Auftakt mit der SG Weinfelden-Kreuzlingen aber eine schwierige Aufgabe. Die Rheintalerinnen fanden nur schwer in die Begegnung. In den ersten zwölf Minuten gelang lediglich ein Tor, gleichzeitig fehlte defensiv die letzte Konsequenz. Die Gegnerinnen nutzten dies aus und setzten sich deutlich ab.
Doch bereits vor der Pause zeigte die Mannschaft Moral. Nach einem Time-out arbeitete sie in der Defensive entschlossener, auch offensiv entwickelte sie mehr Zug zum Tor. Zur Halbzeit betrug der Rückstand mit 9:15 noch sechs Treffer. Die zweite Hälfte verlief ausgeglichen, beide Teams erzielten zwölf Tore. Für eine Wende reichte es nicht, doch trotz der 21:27-Niederlage waren viele positive Ansätze erkennbar.
Erster Sieg dank starker zweiter Halbzeit
Dass der HCR daraus die richtigen Schlüsse gezogen hatte, zeigte er im zweiten Spiel bei Wyland II. Zuerst mussten die Rheintalerinnen erneut einem Rückstand hinterherlaufen. Mit einem 13:15-Rückstand ging es in die Pause. Was danach folgte, dürfte dem neuen Trainerduo sehr gefallen haben. Die Rheintalerinnen arbeiteten sich zurück und glichen in der 38. Minute zum 17:17 aus. Von da an übernahmen sie die Kontrolle. Die Defensive stand stabil, die Torhüterin zeigte wichtige Paraden und vorne wurden die Chancen genutzt.
Aus dem 17:17 wurde eine 20:17-Führung. Zwar verkürzte Wyland auf 20:19, doch in der Schlussphase waren die Rheintalerinnen nicht mehr aufzuhalten. Besonders eindrücklich: In der zweiten Halbzeit liessen sie nur acht Gegentore zu. Am Ende stand ein deutlicher 31:23-Auswärtssieg und damit der erste Erfolg der neuen Saison. Auch die Breite im Kader machte sich bemerkbar; gleich elf Rheintaler Spielerinnen trugen sich in die Torschützenliste ein. Mit acht Treffern war Chiara Zoller die erfolgreichste Werferin, gefolgt von Hannah Indermaur mit fünf sowie Anesa Aljukic und Patricia Nad mit je vier Toren.
Beide Fanionteams mit ersten Erfolgserlebnissen
Die ersten Wochen der Saison zeigen bei beiden Rheintaler Fanionteams ein ähnliches Bild. Sowohl die Männer als auch die Frauen mussten bereits Rückschläge hinnehmen, beide Teams feierten aber auch ihren ersten Sieg. Für die Herren steht in der 1. Liga die sportliche Entwicklung im Vordergrund. Der Auftaktsieg gegen Gossau II hat gezeigt, dass die Rheintaler auch eine Etage höher bestehen können. Die Niederlage gegen Appenzell machte dann deutlich, wie hoch dort die Anforderungen sind. Bei den Frauen steht nach dem Trainerwechsel ebenfalls ein Entwicklungsprozess im Zentrum. Drei Pflichtspiele mit dem Weiterkommen im Cup und dem ersten Meisterschaftssieg liefern eine erfreuliche Ausgangslage.
Männer, 1. Liga, Gruppe 1
Rheintal – Appenzell 20:37 (5:21)
Rheintal: Horg (20%), Sagmeister (12%); Lippuner (3), Falkner (3), Vasko (4), Szilagyi (3), Weber, Wick (4), Näscher (1), Nüesch (1), Lazic, Seitz (1).
Weitere Ergebnisse: Gossau II – Kreuzlingen 31:45, Wädenswil/H. – KJS SH 29:18, Uster/S. – Neuhausen 30:25, Andelfingen – Flawil 23:26.
Rangliste: 1. Kreuzlingen 2/4, 2. Appenzell 2/3, 3. Flawil 2/3, 4. Wädenswil/H. 2/2, 5. Uster/S. 2/2, 6. KJS SH 2/2, 7. Rheintal 2/2, 8. Seen/Pfadi 1/1, 9. Neuhausen 2/1, 10. Unterstrass 0/0, 11. Andelfingen 1/0, 12. Gossau II 2/0.
Frauen, 2. Liga, Gruppe 1
Wyland II – Rheintal 23:31 (15:13)
Rheintal: Enzler (29%); Sazimanoska (1), Rentzmann (1), Rüefli (2), Priebe (2), Indermaur (5), Aljukic (4), Näf (2), Nad (4), Eder (1), Canovic (1), Steiger, Zoller (8).
Weitere Ergebnisse: Lakers – Wittenbach/B. 22:19, Fides – Weinfelden K. 28:18, Amriswil – Uzwil/G. 33:19, GoRo – Appenzell II 27:28.
Rangliste: 1. Fides 2/4, 2. Wittenbach/B. 2/2, 3. Amriswil 2/2, 4. GoRo 2/2, 5. Lakers 1/2, 6. Rheintal 2/2, 7. Appenzell II 1/2, 8. Weinfelden K. 2/2, 9. Uzwil/G. 1 2/0, 10. Wyland II 2/0.
Der HC Rheintal startet mit viel Schwung in die neue Saison