Nach zwölf Siegen in Serie mussten sie erst in Spiel 13 am 8. November zu Hause gegen Tuggen erstmals Punkte abgeben (3:3). Die bisher einzige Niederlage war ein 0:1 in Taverne am 15. November. Sowohl offensiv wie auch defensiv sind die Zürcher das Mass aller Dinge: In bisher 22 Spielen trafen sie 65-mal und kassierten nur 18 Tore. Beides sind absolute Bestwerte in dieser Erstliga-Gruppe. So führt YF Juventus die Tabelle mit elf Punkten Vorsprung auf Tuggen an.
Gegründet wurde der FC Young Fellows Zürich am 13. Mai 1903. Bereits 1907 wurde YF hinter Servette Schweizer Vizemeister; ein Kunststück, das 1923 und 1936 wiederholt wurde. Den grössten Erfolg in der Vereinsgeschichte erreichten die Zürcher im Cup: Nachdem sie 1927 im Final GC 1:3 unterlagen, gewann YF 1936 mit einem 2:0 gegen Servette den begehrten Pokal.
Am 11. Mai 1992 fusionierte der FC Young Fellows Zürich mit dem SCI Juventus Zurigo zum SC YF Juventus Zürich. 2004 stiegen die Schwarz-Weissen in die Challenge League auf, wo sie drei Saisons blieben. Letzte Saison fehlte nur wenig zum Aufstieg in die Promotion League: Nachdem das Hinspiel gegen die Lausanner U21 auf dem Juchhof 1:1 endete, führte YF Juventus im Stade de la Tuilière bis in die 88. Minute 1:0, ehe die Waadtländer ausglichen und in der Verlängerung den Aufstieg realisierten.
Einige Spieler mit internationaler Erfahrung
Im Kader der Gäste stehen einige bekannte Spieler. Aron Sele hat für Liechtenstein 75 Länderspiele absolviert und stand unter anderem bei Balzers, Eschen, Chur und Vaduz unter Vertrag. Stammgoalie Joël Kiassumbua war Teil jener legendären Schweizer U17-Nati, die 2009 sensationell den WM-Titel holte. Zum Einsatz kam er in Nigeria nicht, dafür bestritt er später für die Demokratische Republik Kongo 25 A-Länderspiele. Mergim Brahimi gewann 2012 mit GC den Schweizer Cup und spielte einmal für die albanische Nationalmannschaft.
Dass die bisher erzielten 65 Tore 19 verschiedene Spieler erzielten, zeigt die Breite des Kaders. Interner Topskorer ist der 36-jährige Brasilianer Mychell Chagas mit 14 Treffern, Albion Avdijaj traf zwölfmal. Chagas spielte bereits von 2011 bis 2016 bei YF und stand unter anderem auch bei PSS Sleman (Indonesien) und den chinesischen Vereinen Nantong Zhiyun und Yanbian Longding unter Vertrag. Avdijaj gewann dreimal einen Landespokal – zweimal mit dem FC Vaduz und einmal mit dem KF Vllaznia Shkodra aus Albanien. Für die Schweiz bestritt er 14 U-Länderspiele, für Albaniens U21 vier.
Trotz defensiv guter Leistung ein 0:5
Das Hinspiel zwischen YF Juventus und Widnau am 27. September war eine klare Sache: Die Zürcher gewannen 5:0. «Es tönt ein wenig verrückt, wenn ich sage, dass wir gar nicht schlecht gespielt haben», sagt Widnaus Co-Trainer und Sportchef Daniel Lüchinger. «Es war wie in einem Trainingsspiel. Obwohl wir den Bus vor dem Tor parkiert hatten, spielten sie uns im Sechzehner gnadenlos aus.» Einen so dominanten Gegner habe er in den unteren Ligen noch nie erlebt.
Die Tabelle sage alles über ihn aus, so Lüchinger weiter. Die Zürcher liessen am Nachtragsspiel am Mittwoch auf der Freienbacher Chrummen auch den Gastgebern keine Chance und siegten mit je zwei Toren von Chagas und Renato Spachiou sowie einem von Simon Tschopp 5:1. Im zweiten Nachtragsspiel schaffte Schlusslicht SV Schaffhausen eine Überraschung und besiegte Eschen/Mauren 2:0.
Am Gründonnerstag spielten die Widnauer ein wichtiges Spiel gegen den Abstieg. In Höngg holten die Rheintaler dank eines unhaltbaren Schusses von Stefano D’Amico beim 1:1 einen Punkt. «Es war das erwartet schwierige Spiel: Ein enger Platz, ein alter Kunstrasen und ein aggressiver Gegner», sagt Trainer Andreas Lüchinger. Sein Team habe lange gebraucht, um ins Spiel zu kommen. «Aber wir waren auch zu undiszipliniert. Mit dem Ausgleich fanden wir zurück. Schlussendlich war es wichtig, nicht zu verlieren», so Andreas Lüchinger.
Sein Bruder, Daniel Lüchinger, analysiert das Spiel bei Höngg so: «Wir waren die klar schlechtere Mannschaft. Der Gegner war von Anfang an spielbestimmend und wir waren im Tiefschlaf.» Der Ausgleich nach der Pause habe wieder Auftrieb gegeben. «Danach hatten wir noch eine Chance auf die Führung und Höngg in der Nachspielzeit einen Pfostenschuss. Man muss sagen: Wir hatten dieses Mal das Glück auf unserer Seite», so der Co-Trainer. Dieser Punkt könne im Kampf gegen den Abstieg noch wichtig sein. «Dennoch müssen wir in Zukunft wieder besser auftreten. Sonst wird es ganz schwierig, unser Ziel zu erreichen.»
«Wir möchten immer etwas holen…»
Gegen den souveränen Leader wird eine Leistungssteigerung gegenüber dem Höngg-Spiel nötig sein. Andreas Lüchinger: «YF Juventus ist die grösste Challenge in dieser Liga. Sie agieren mit einer offensiven Wucht und sind spielerisch stark. Es wird sehr intensiv für uns.» Vor allem defensiv müsse sein Team sehr diszipliniert sein und immer wieder Nadelstiche setzen. «Möglich zu punkten ist es aber. Wir spielen zu Hause, da möchten wir immer etwas holen. Egal, gegen welchen Gegner», sagt Andreas Lüchinger.
Neben den Langzeitverletzten Ceyhun Tüccar und Kevin Egbon fehlen auch der gelbgesperrte Timon Cabezas sowie der verletzte Timo Faleschini. Fraglich ist zudem wegen einer Oberschenkelzerrung Simeon Weber. Dafür gibt es eine erfreuliche Meldung bezüglich Hakija Canoski. Er ist im Aufbautraining und sollte in ungefähr zwei Wochen wieder auf dem Feld stehen.
«Die englische Woche der Zürcher könnte ein kleiner Vorteil für uns sein. Ich denke, dass auch dieses YF Juventus verwundbar sein könnte, wenn wir einen guten Tag erwischen», sagt Daniel Lüchinger. Er weiss natürlich, dass für ein solches Kunststück viele Dinge in die Karten spielen müssen. Aber der Fussball lebt ja auch von Sensationen. Wieso nicht am Sonntag bei Widnau gegen YF Juventus?
Der souveräne Leader gibt sich die Ehre auf der Aegeten