Fussball vor 8 Stunden

Die Chronik des total verrückten Aufstiegskampfes in der 4. Liga

Kein Viertliga-Aufsteiger hat in der abgelaufenen Saison weniger Punkte geholt als der FC Staad. Dies liegt aber nicht an der Qualität des Teams, sondern am absolut verrückten Aufstiegskampf in der 4. Liga, Gruppe 3.

Von rez
aktualisiert vor 8 Stunden

Die Fakten zuerst: Dem FC Staad ist am letzten Samstag mit einem 5:3-Sieg bei Rebstein II die direkte Rückkehr in die 3. Liga geglückt. Er gewann die 4. Liga, Gruppe 3, mit 38 Punkten, das sind zwei mehr als Au-Berneck II sowie vier mehr als Eschen/Mauren II und Rheineck. Buchs II, das ebenfalls lange an der Tabellenspitze mitmischte, kommt in der Endabrechnung nur auf 28 Punkte. In die 5. Liga absteigen muss das «Zwei» des FC Rebstein, das es trotz einer guten Rückrunde nicht mehr an Altstätten III oder Haag vorbei geschafft hat.

Derbyniederlage führt zum Trainerwechsel

Wer in dieser Saison Knackpunkte sucht, wird rasch fündig. Einen davon gab’s in der vierten Runde. Rheineck und Staad – beide ambitioniert in die neue Saison gestartet – begegneten sich auf der Stapfenwis, und die Heimelf setzte sich mit 5:1 durch. Dies hatte nicht nur zur Folge, dass Rheineck nach vier Spielen sechs Punkte vor Staad lag, sondern auch, dass die Seebuben ihren Trainer austauschten. «Wir wollten nicht zuwarten bis zur Winterpause, wenn wir vielleicht schon im Abstiegskampf stecken», liess sich Staad-Präsident Cornel Rüst zitieren. Doch Staad kam weiterhin nicht in Fahrt, holte in den ersten sieben Spielen nur acht Punkte.

Ganz anders sah es in Rheineck aus. Das Team von Pasquale Marciello und Luciano Cipriano verlor im Herbst kein einziges Spiel, kassierte nur sechs Gegentore. Zur Winterpause lag es mit 21 Punkten vorne – einen vor Buchs II, fünf vor Au-Berneck II sowie sieben vor Staad. Au-Berneck war indes eines der auffälligsten Teams. Der Elf von Trainer Lukas Dierauer gelang es oft, begeisternde Siege einzufahren, etwa beim 9:0 gegen Rebstein II. Die Offensivmaschinerie lief, Au-Berneck II sollte bis zum Saisonende das produktivste Team mit der besten Tordifferenz bleiben. Dennoch wurden die Mittelrheintaler noch etwas zurückgebunden, während Staad unter der Leitung von Martin Caderas vor der Winterpause noch zwei Siege holte. Der Optimismus hielt sich dennoch in Grenzen: «Wir wollen noch weiter nach vorne als Platz fünf. Um um den Aufstieg mitzuspielen, reicht es wahrscheinlich nicht mehr», sagte Cornel Rüst.

Erneut wird das Derby zum Knackpunkt

In der Vorschau auf die Rückrunde stand in der Zeitung: «Sieben Zähler hinter Rheineck lauert Nachbar Staad. Wollen die Seebuben noch etwas mit der Rückkehr in die 3. Liga zu tun haben, müssen sie eine Siegesserie starten.» Und genau dies machte Staad, indem es insgesamt acht Siege aneinanderreihte. Einen von diesen gab es in der zwölften Runde gegen den FC Rheineck. Vor über 150 Fans brachte Besart Rushiti Rheineck sogar noch in Führung, doch Staad drehte die Partie in den letzten zehn Minuten durch die Tore von Andri Knellwolf und Zaid Lesfer noch, gewann 2:1 und rückte bis auf einen Punkt an Rheineck heran.

Der FC Staad (in Weiss) holte in der Rückrunde 24 Punkte, Rheineck indes nur deren 13.
Der FC Staad (in Weiss) holte in der Rückrunde 24 Punkte, Rheineck indes nur deren 13.
Bild: rez

Der FCR hatte eine Woche zuvor bei Buchs II 0:6 verloren und viele Karten gesammelt. Das bis dahin sehr disziplinierte Team wurde zurückgeworfen, was ihm auf dem Bützel auch anzumerken war. Rheineck brachte nicht mehr die Konstanz auf den Platz, die es im Herbst ausgezeichnet hatte, was auch an sehr vielen Ausfällen von Leistungsträgern lag. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Staad den FCR überholt, was in der 14. Runde dann auch geschah. Doch auch die anderen Teams gaben nicht auf, allen voran Au-Berneck II, das sich mit grosser Ruhe und jugendlicher Unbekümmertheit stets im Spitzenfeld der Liga hielt und zwischendurch sogar einmal die Spitzenposition bekleidete.

Das Meisterstück, das doch (noch) keines war

In der 15. Runde setzte Staad dann zum Meisterstück an. Auf dem Bützel war das Auer «Zwei» zu Gast – und die Caderas-Elf gewann deutlich mit 4:1. Sie grüsste nun von der Tabellenspitze, und es waren nur noch drei Spiele auszutragen. Doch nach acht Siegen in Serie folgte ein Fehltritt. In Ruggell – einen Tag nachdem Rheineck in Haag gewann und an die Spitze zurückgekehrt war – spielte sich ein völlig verrücktes Spiel ab. Staad führte 4:3, kassierte in der Schlussphase aber noch zwei Tore und verlor 4:5. Damit sah es zwei Runden vor Schluss plötzlich wieder nicht mehr so rosig aus für die Seebuben. Es war eine dramatische Niederlage, die den Aufstieg hätte kosten können. Doch so weit kam es dann doch nicht.

Denn aus unerklärlichen Gründen ging dem FC Rheineck just zu dem Zeitpunkt der Schnauf aus. Die Unterrheintaler, die als Leader nur noch zwei Siege für den Aufstieg gebraucht hätten, verloren komplett überraschend gegen Schlusslicht Rebstein II mit 1:2. Und weil Staad und Au-Berneck II (4:1 bei Buchs II) gewannen, kam es in der Folge auf die letzte Runde an. Aus dem Rennen fiel dabei nach einer überraschenden 2:4-Niederlage in Grabs auch Rheinecks Gegner Eschen/Mauren II.

Staad muss sich den Aufstieg hart erkämpfen

Am Freitag, 5. Juni, gewann Au-Berneck II bei Ruggells Reserven mit 2:0 und übernahm damit die Tabellenspitze. Die Mittelrheintaler wussten aber, dass sie nur aufsteigen können, wenn am Samstag Staad und Rheineck ihre Spiele nicht gewinnen. Dies führte auch dazu, dass die Drähte heiss liefen, galt es doch, sich stets gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Und die Drähte liefen nicht nur, sie glühten förmlich. Rheineck verlor in Eschen 1:4, das war rasch gegessen. Doch Rebstein II wehrte sich gegen Staad mit aller Kraft gegen den Abstieg. Die Seebuben lagen nach drei Minuten vorne, nach sieben Minuten stand es aber 2:1 für Rebstein.

Dann folgte der Knackpunkt; der Moment, der für die beiden Teams die Saison entschied. Nach 16 Minuten gab es einen mit einem Platzverweis gegen Rebstein verbundenen Penalty für Staad. Eine Minute später hiess es 2:2, dann ging Staad in Führung. Es blieb in der Folge zwar bis zum Abpfiff hochspannend, die Gäste liessen sich den Aufstieg aber nicht mehr nehmen und gewannen 5:3. Dies, während Rebsteins Reserven in die 5. Liga abstiegen. Nach nur drei Punkten im Herbst reichten zehn Zähler im Frühling nicht zum Ligaerhalt.

Am Ende durften die Staader in Rebstein auf den Aufstieg in die 3. Liga anstossen.
Am Ende durften die Staader in Rebstein auf den Aufstieg in die 3. Liga anstossen.
Bild: Christian Wenger

Staad hingegen entschied ein Aufstiegsrennen für sich, das noch lange in Erinnerung bleiben dürfte, und freut sich auf die 3. Liga. Besonders schön: Viele Jahre nach Guido Caderas (damals in die 2. Liga) darf sich nun auch sein Sohn Martin Aufstiegstrainer nennen. Nun wartet eine Liga höher die nächste grosse Aufgabe auf ihn und seine erfolgreiche Mannschaft.

Schlussrangliste (alle 18 Spiele): 1. Staad 38, 2. Au-Berneck II 36, 3. Eschen/M. II 34, 4. Rheineck 34, 5. Buchs II 28, 6. Ruggell II 22, 7. Grabs 20, 8. Haag 19, 9. Altstätten III 14, 10. Rebstein II 13.