Fussball • vor 1 Stunde

Die Drittligisten bewegen sich zwischen Höhenflug und Tabellenkeller

In der 3. Liga ist schon Winterpause. Beim FC Diepoldsau-Schmitter ist man mit der Hinrunde mehrheitlich zufrieden, während der FC Staad an letzter Stelle steht. Das Team der Stunde in dieser Liga kommt derweil aus Montlingen und belegt den zweiten Rang.

Von Remo Zollinger
aktualisiert vor 1 Stunde

Am 5. September, in der vierten Runde, trafen auf der Rheinauen Diepoldsau-Schmitter und Staad aufeinander. Das Spiel war spannend und der Aufsteiger vom Bodensee verlangte den Rheininslern alles ab. Zum Schluss stand ein gerechtes 2:2 auf der Tafel – und beide Teams hatten danach fünf Punkte.

Was dabei auffiel: Die Seebuben mussten auf zahlreiche verletzte Spieler verzichten, was im Verlauf des Herbsts nicht besser wurde, im Gegenteil. So wurden die Staader in der Tabelle durchgereicht, während Diepoldsau in den weiteren Spielen elf Zähler holte und die Hinrunde auf Rang sechs abschloss.

Den Diepoldsauern fehlt noch etwas die Erfahrung

«Müsste ich eine Schulnote geben, wäre es eine 4,5. Es war zwischen genügend und gut», sagt Diepoldsaus Trainer Adi Spirig. Er war zuvor bei den B-Junioren tätig, trat seine Stelle beim «Oas» im Sommer an und beförderte einige seiner Junioren ins Team. Und Felipe Perez, Jano Schmid, Fabio Keller & Co. entwickelten sich im Herbst sehr gut, wie der Trainer sagt. «Ich hatte keine Bedenken, dass sie mithalten können», so Spirig. Dennoch sei hin und wieder zu spüren gewesen, dass der Mannschaft noch etwas die Erfahrung fehlt.

So hätte sie zu oft den Angriff gesucht, statt das Spiel zu beruhigen. «Wir haben es nicht geschafft, auch mal den Ball hintenrum laufen zu lassen und das Tempo rauszunehmen. Es ging zu oft vertikal nach vorne», sagt Spirig, der das auch auf die mangelnde Erfahrung auf diesem Niveau zurückführt. «Uns fehlt, in einem Spiel über 90 Minuten die Kontrolle zu behalten.» Nicht gefallen hat ihm weiter, dass es nie gelungen ist, zwei Siege aneinanderzureihen.

Dennoch fällt das Fazit grundsätzlich positiv aus. «Wir waren in einem, vielleicht zwei Spielen unterlegen, sonst immer mindestens ebenbürtig, wenn nicht besser. Allerdings hätten es ein paar Pünktchen mehr sein können», sagt Spirig. Er attestiert dem Team als Kollektiv eine gute Entwicklung. Zu diesem gehören mit Latif Canoski und Rohollah Afkari auch zwei Spieler, die im Sommer gekommen sind.

Canoski ist im Mittelfeld die gewünschte Verstärkung, habe sich aber bisweilen mit dem Niveauunterschied zwischen der 2. Liga interregional und der 3. Liga schwergetan. Afkari sei im Sommer verletzt gewesen, ob er im Herbst überhaupt zu Einsätzen komme, sei nicht sicher gewesen. Dann drehte der Stürmer auf und wurde mit sechs Toren in den letzten Partien der beste Torjäger des FCD. «Er arbeitet auch sehr gut mit den Jungen, gerade mit Jano Schmid, der eine ähnliche Position spielt. Das gefällt mir», sagt der Trainer.

Im Frühling will Diepoldsau so lange wie möglich auf Tuchfühlung mit der Tabellenspitze bleiben. Zudem gelte der Fokus weiterhin der Entwicklung der vielen jungen Spieler.

«Mein Glaube an die Mannschaft ist absolut da»

Der FC Staad war im Sommer auf überzeugende Art und Weise in die 3. Liga zurückgekehrt. In den ersten Partien machten die Seebuben dann auch einen äusserst soliden Eindruck – ehe es bergab ging. Nach dem Remis in Diepoldsau gab es sechs teils hohe Niederlagen in Serie, woraus der Fall ans Tabellenende folgte. Erst im letzten Spiel – gegen den Leader aus Herisau – gab es bei einem 3:3 wieder einen Punkt.

Staads Hinrunde prägte vor allem eines: Verletzungspech. Es war absurd, auf wie viele Spieler Trainer Martin Caderas regelmässig verzichten musste, weil sie verletzt waren. «Klar gehören die Verletzungen dazu, aber ein solches Pech ist wirklich bitter», sagt der Trainer. Staad musste in der gesamten Hinrunde immer wieder auf Junioren zurückgreifen. «Sie haben sehr viel Qualität. Unser Plan war jedoch nicht, sie gleich in jedem Spiel einzusetzen, sondern sie langsam heranzuführen», so Caderas.

Er spricht von einem guten Saisonstart, sagt aber auch, es habe zwei Spiele gegeben, «da war unser Auftritt nicht einmal viertligawürdig. Da muss ich alle, natürlich auch mich selbst, in die Verantwortung nehmen.» Beim 0:5 gegen Rorschach-Goldach II sowie bei der 0:10-Klatsche in Teufen habe auch der Einsatz nicht gestimmt. Dann folgte das letzte Spiel der Hinrunde, und es endete mit einer Überraschung. «Wir haben beim 3:3 gegen Herisau gezeigt, dass wir es ja eigentlich können. Und dieses gute Gefühl nehmen wir jetzt mit in die lange Winterpause.»

In jener bleibt die Mannschaft zusammen – es ist nicht so, dass die Spieler davonlaufen, weil der FC Staad am Tabellenende steht. Dies spricht für einen intakten Teamgeist, den auch Caderas beschreibt: «Wir hatten natürlich Gespräche, uns in die Augen geschaut und Fehler angesprochen. Aber der Zusammenhalt ist nach wie vor sehr gut. Und mein Glaube an die Mannschaft ist absolut da.» Es sehe jeder, dass über den Winter die vielen Verletzten zurückkommen – dann soll es auch in der Rangliste wieder nach vorne gehen. «Unsere Lage ist überhaupt nicht hoffnungslos. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir das schaffen», sagt Martin Caderas.

Das Team der Hinrunde kommt aus Montlingen

Den besten Rheintaler Drittligisten stellt 2026/27 der FC Montlingen. Das «Zwoa» vom Kolbenstein hat nur einen Punkt weniger als Leader Herisau.

Die zweite Mannschaft des FC Montlingen (in Rot, hier gegen Widnau II) überzeugte auf der ganzen Linie.
Die zweite Mannschaft des FC Montlingen (in Rot, hier gegen Widnau II) überzeugte auf der ganzen Linie.
Bild: dsi

Im Herbst gelang es dem Team von Trainer Francesco Bologna, das fast nur aus Eigengewächsen besteht, in der Meisterschaft sieben von elf Spielen zu gewinnen. In der besten Phase holte Montlingen II in fünf Spielen 13 Punkte. Die zweite Mannschaft des FCM stellt die zweitbeste Abwehr der 3. Liga, Gruppe 2, und offensiv ist die Last auf mehrere Schultern verteilt. So glänzte etwa auch Verteidiger Marcel Seitz mit vier Toren. Abstriche gibt es nicht – am Ende war es einzig die Niederlage in der letzten Runde in Ems, die eine sensationelle Montlinger Wintermeisterschaft verhindern konnte.

Einen wichtigen Dreier in der letzten Runde feierte Widnau II. In Diepoldsau gab es ein 3:1, die Mannschaft von José Torregrosa überwintert so drei Punkte über dem Strich. Das «Zwei» hat beim FC Widnau eine wichtige Funktion. Es ist einerseits eine A-Junioren-Mannschaft, die um einige Routiniers ergänzt ist. Andererseits geht's auch darum, den rekonvaleszenten oder jungen «Eins»-Spielern (etwa Manoah Egbon, Livio Schmid oder David Can) Spielpraxis zu ermöglichen, die sie in der 1. Liga noch nicht bekommen. Daher gilt auch in dieser Saison: Widnau II muss die Liga halten – muss darum jedoch einmal mehr kämpfen.

3. Liga, Gruppe 2
Rangliste (alle 11 Spiele): 1. Herisau 23, 2. Montlingen II 22, 3. Ems 20, 4. Teufen 20, 5. Rorschach-G. II 17, 6. Diepoldsau-S. 16, 7. Steinach 14, 8. Widnau II 13, 9. Appenzell 12, 10. Rotmonten 11, 11. Gams 10, 12. Staad 6.