«Ich glaube, wir müssten weit zurückblicken», antwortete der frühere OK-Präsident Aybars Atilla auf die Frage, wann zum letzten Mal am Grenzlandturnier schlechtes Wetter geherrscht hat. «Während meiner Amtszeit war es bestimmt nicht», sagte Atilla und lachte.
Auch die 67. Ausgabe, die am Wochenende über den Aegeten-Rasen ging, war geprägt von Hitze. Am Sonntagnachmittag zeigte das Thermometer im Schatten 34 Grad an – Bedingungen, die den Akteurinnen und Akteuren einiges abverlangten. «Ich würde auch gern bei regnerischem Wetter spielen», sagte ein Österreicher, «die Trockenheit ist für die Natur schon extrem.»
Vom einfachen Wiesen- zum Weltklasseturnier
Immer anfangs August gibt sich die Faustball-Prominenz auf der Aegeten die Ehre. Was 1957 als bescheidenes Turnier auf einer Wiese im Rheinvorland begann, hat sich zu einem der grössten, renommiertesten Faustballturniere der Welt gemausert und ist offiziell ein IFA1000-Turnier. Wer in Widnau antritt, sammelt Weltranglistenpunkte und kämpft um die Klub-WM-Qualifikation.
Schon bei der ersten Austragung waren Teams aus drei Nationen dabei: Biberach und Lindau aus Deutschland, Gendarmerie Bregenz, Höchst und Schwarzach aus Österreich sowie Rebstein, der KTV Widnau und der ETV Widnau aus der Schweiz. Wie im Festführer nachzulesen ist, gehörte auch das Entfernen von Kuhfladen auf der Wiese zu den Vorbereitungsarbeiten. Nach dem Turnier gingen einige Sportler ins «Sickerli», um sich zu waschen. 1982 wurde auf die Aegeten gezügelt.
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Spannend war der Final der Kategorie Frauen A zwischen Union Freistadt aus Oberösterreich und dem VfL Kellinghusen. Die Teams waren sich bereits im Gruppenspiel gegenübergestanden, dort teilten sie mit 14:14 die Punkte. Auch der Final war eine enge Kiste. Den ersten Satz entschieden die Spielerinnen aus dem nördlichsten deutschen Bundesland für sich. Beim Stand von 10:8 wehrten die Schleswig-Holsteinerinnen Freistadts Satzball ab, glichen auf 10:10 aus und holten den Satz schliesslich noch. Der zweite Satz endete mit 13:11 für Freistadt. Die Strapazen waren den Spielerinnen anzusehen. «Müde? Nein, ich bin erledigt!», sagte eine Kellinghuserin während einer kurzen Verschnaufpause. Bei den Österreicherinnen war Cecília Jaques Dreh- und Angelpunkt. Sie wurde 2024 mit der brasilianischen Nationalmannschaft in Argentinien mit einem 4:0-Finalsieg gegen Deutschland Weltmeisterin.
«Mir gefällt das Turnier in Widnau sehr gut. Ich war die letzten beiden Jahre mit Sogipa Porto Alegre dabei, mit Freistadt bin ich zum ersten Mal hier», sagte Jaques, die 2025 einen weiteren grossen Titel in ihr Palmarès aufnehmen durfte: Sie gewann in Chengdu (China) mit Brasilien die World Games. «Es ist eine tolle Erfahrung, mit einem jungen Team an so einem grossen Turnier dabei sein zu können», sagte die 26-jährige Weltklasse-Angreiferin, die als nächstes Ziel an der WM 2028 die Titelverteidigung im Fokus hat. Im letzten Satz war sie es, die mit einem spektakulären Angriff den 11:7-Endstand realisierte. Damit wiederholte Jaques den Turniersieg vom letzten Jahr, als sie mit Sogipa gegen Kellinghusen 2:0 gewann. «Freistadt war echt stark, die haben die Bälle super gesetzt», sagte eine Kellinghuserin nach dem Match, bevor sie mit ihren Kolleginnen die 900 Kilometer zurück nach Hause unter die Kleinbus-Räder nahm.
Rheintaler Frauen und Männer mit guten Leistungen
Im Final des Männer-Eliteturniers gewann Pfungstadt gegen Oberentfelden 2:0. Den ersten Satz entschieden die Hessen mit 11:9 für sich. Deutlicher war der zweite Abschnitt, den Pfungstadt 11:5 gewann. Spätestens nach dem 7:1 konnte für den Turniersieger nichts mehr schief gehen. Beachtlich schlugen sich die Rheintaler Teams. Die Widnauer kamen in der Elite im Wasi-Cup auf den dritten Platz, noch vor einem der beiden Schweizer U-21-Teams, die auf der Aegeten zu Gast waren. Einen Platz vor Widnau setzte sich im Wasi-Cup das Team Rheintal.
Bei den Männern A schaffte es Diepoldsau-Schmitter bis in den Final, wo Wolkersdorf/Neusiedl aus dem Burgenland den Rheintaler Sieg verhinderte. Stark war auch Rebstein: Die Grünen gewannen alle Gruppenspiele und den Halbfinal gegen Illertissen/Tannheim und unterlagen erst im Final Stammheim aus Nordrhein-Westfalen mit 12:18.
Eine Medaille gab es auch für die Montlinger Senioren: Sie wurden Zweite, hinter Affeltrangen, während Berneck Platz vier erreichte. In der U18 spielte Widnau um den Turniersieg mit. Der Halbfinal gegen Stammheim war spannend und bot spektakuläre Ballwechsel. «Das ist wie ein vorgezogener Final», sagte eine Zuschauerin, die den Deutschen die Daumen drückte. Der Trainer der Hessen sagte: «Widnau war ein Top-Gegner.» Das Spiel endete 13:15, im Spiel um den dritten Platz gegen Elgg-Ettenhausen entschied ein Punkt zu Ungunsten der Widnauer.
Mit viel Einsatz kämpften auch die Juniorinnen und Junioren um die Bälle: In der U14 gab es Silber für Diepoldsau-Schmitter und Bronze für Widnau, bei der U12 wurden die Rheininsler Zweite. Die U10 gewann Elgg vor Ettenhausen, Dritte wurde Diepoldsau-Schmitter I.
Wowball – oder ein «Turnier im Turnier»
Viel Beachtung beim Publikum fand das zum zweiten Mal durchgeführte Wowball-Turnier, das die Fontouras (Vater Juliano und Sohn Lio) und Augsburg für sich entschieden. Bei den Teamnamen liessen sich die Teams einiges einfallen: Beispiele sind «Fäbi giz en Appezeller?», «St. Veit trifft Diepoldsau» oder schlicht und einfach «Hopfen und Malz».
Der Präsident von Faustball Widnau, Marco Nüesch, sagte: «Das Wowball-Turnier war mit 40 Teams wieder eine tolle Bereicherung. Als ich hinten auf den Plätzen stand, spürte ich eine richtige Ferienstimmung.» Organisatorisch bleibe das Wowball-Turnier anspruchsvoll. Nüesch: «Es ist quasi ein Turnier im Turnier, das zusätzliche Ressourcen bindet und sich zeitlich mit anderen Programmpunkten wie dem Nachtessen überschneidet. Hier müssen wir für das nächste Jahr nochmals über die Bücher.» Mit der 67. Ausgabe des Turniers ist er sehr zufrieden: «Wir hatten ein weiteres tolles und unfallfreies Grenzlandturnier.»
Und bei all den sportlichen Leistungen: Was das Grenzlandturnier auch ausmacht, ist der gesellschaftliche Aspekt. Dies wurde deutlich, als sich eine deutsche und eine österreichische Faustballerin beim Abschied umarmten: «Bis nächstes Jahr?» – «Klar! In Widnau ist man dabei.»
67. Grenzlandturnier Widnau
Männer Elite – Finalrunde: 1. Pfungstadt, 2. Oberentfelden, 3. Stammheim.
Männer Elite – Wasi Cup: 1. Grieskirchen, 2. Team Rheintal, 3. Widnau I.
Männer A: 1. Wolkersdorf/Neusiedl, 2. Diepoldsau-Schmitter, 3. Rendel – 8. Widnau II, 9. Walzenhausen.
Männer B: 1. Stammheim I, 2. Rebstein, 3. Illertissen/Tannheim – 13. Montlingen. Senioren: 1. Affeltrangen, 2. Montlingen, 3. Offenburg – 4. Berneck.
Frauen A: 1. Union Freistadt, 2. Kellinghusen I, 3. Jona.
Frauen B: 1. SG Nord, 2. Kellinghusen II, 3. St. Veit im Pongau – 7. Diepoldsau/Schmitter, 10. Widnau.
U16/U18: 1. Augsburg, 2. Stammheim, 3. Elgg-Ettenhausen – 4. Widnau.
U14: 1. Auswahl Niederösterreich, 2. Diepoldsau-Schmitter, 3. Widnau.
U12: 1. RiWi, 2. Diepoldsau-Schmitter, 3. Ettenhausen – 5. Widnau I, 11. Widnau II.
U10: 1. Elgg, 2. Ettenhausen, 3. Diepoldsau-Schmitter I – 6. Diepoldsau-Schmitter II, 14. Widnau, 16. Diepoldsau-Schmitter III.
Wowball (2 x 2 Faustball) – Kategorie A: 1. Fontouras, 2. Team Lenz, 3. Grieskirchen, 4. Rendel. Kategorie B: 1. Augsburg, 2. Auswahl Niederösterreich, 3. Pfungstadt. Komplette Ranglisten: faustball-widnau.ch/grenzlandturnier/spielbetrieb-2026/
Die grossen Sieger des Turniers heissen Freistadt und Pfungstadt