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29. Rheintaler Sportpreis 01.02.2024

Die Sportlerin des Jahres sagt: «Ich möchte auf der Bühne strahlen»

Die 32-jährige Marbacherin Tanja Schmid gewinnt als erste Gewichtheberin die Auszeichnung zur Rheintaler Sportlerin des Jahres. «Die Wahl ist eine Mega-Ehre für mich», sagt die Primarschullehrerin, die in St. Margrethen unterrichtet.

Von Yves Solenthaler
aktualisiert am 01.02.2024

«Ich habe sie mir gewünscht, dachte aber nicht, dass es gegen die schon lange in der Weltspitze präsente Ronja Blöchlinger reicht.» In einem Interview sagte sie einmal: «Mir ist es egal, was die Leute über mich denken.» Offenbar ist die Meinung der Rheintaler Menschen übers Gewichtheben positiver als sie gedacht hatte.

«Im Armdrücken wäre ich chancenlos»

Tanja Schmid ist kein Schwergewicht, sie tritt in der Gewichtsklasse bis 64 Kilo an: «Ich durchbreche Klischees.» Gegenüber Moderatorin Annina Dietsche sagte Tanja Schmid: «Viele Leute fordern mich zum Armdrücken auf.» Aber davon verstehe sie nichts:

Vielleicht würde ich gegen meine Schülerinnen und Schüler gewinnen – aber sonst wohl gegen niemanden.

Die Technik im Gewichtheben sei viel komplexer, als viele denken. «Die Technik ist fast wichtiger als die Kraft, dabei kann ich mich noch stark verbessern», sagt sie und fügt lachend an: «Mein Trainer würde wohl sagen, ich sei erst am Anfang.»

Zum Gewichtheben kam Tanja Schmid übers Crossfit, wo das Hantelstemmen eine Disziplin ist – von Anfang an war es ihre Paradisziplin, aber erst seit gut zwei Jahren konzentriert sie sich darauf. Sie stemmt Hanteln in der NLA für Athletik Sport Rorschach, im letzten Herbst stellte sie drei Schweizer Rekorde auf und löste damit das Ticket für die EM, die in drei Wochen in Bulgarien stattfindet.

«Dort möchte ich mit einem Strahlen auf die Bühne gehen», sagt die in Schaffhausen aufgewachsene Marbacherin. 86 Kilo im Reissen und 108kg im Stossen (total 194kg) sind ihre Rekordwerte. 90 und 112 Kilo sind die Gewichte, die sie bald stemmen möchte. «Aber das ist nicht das Wichtigste», sagt Schmid, «für mich ist entscheidend, dass ich Spass am Sport habe.»

Olympische Spiele sind ein Traum

Ins Rheintal kam Schmid vor zehn Jahren; sie fand in der Region, aus der ihr (schon dama­liger) Freund Mirco Haltiner kommt, eine Stelle. Sport trieb sie hier sofort zuerst in der Grossfeldgymnastik des STV Marbach und eben im Crossfit. Das Gewichtheben besteht aus zwei Disziplinen, die zusammengezählt werden: Stossen und Reissen. Beim Stossen wird die Langhantel zuerst hinter den Kopf gelegt, während die Athletin in die Knie geht: «Diese Disziplin liegt mir eher», sagt Schmid. Denn im Reissen, wo die Hantel in einem Zug nach oben gebracht werden muss, «mag es keinen Fehler leiden».

Nach der EM im Februar hat sich Tanja Schmid vorgenommen, die Limite für die WM vom November zu knacken. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris kommen zu früh für sie, aber: «Olympia 2028 ist ein Traum», sagt Tanja Schmid. Aber sie versteift sich nicht darauf – Schmids Ansatz ist es, bei der Schwerarbeit, die das Stemmen von fast des doppelten Körpergewichts zweifellos ist, locker zu bleiben.

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