02.06.2018

Digital auf Zack sein

Die Rheintal Medien AG wird ihren Namen in galledia group ändern. So wird die schwergewichtig nationale Ausrichtung der Gesamtgruppe zum Ausdruck gebracht. Dem Digitalen gilt besondere Beachtung.

Von Gert Bruderer
aktualisiert am 03.11.2022
Gert BrudererAls CEO Daniel Ettlinger an der ordentlichen Generalversammlung vom Donnerstag davon sprach, die «Geschichte des grössten, unabhängigen Medienhauses in der Ostschweiz» erfolgreich weiterzuschreiben, wiederholte er ausdrücklich: «des grössten, unabhängigen Medien- hauses in der Ostschweiz». Denn entgegen verbreiteter Meinung ist die Rheintal Medien AG – oder eben: die galledia group – nicht Teil eines grossen Konzerns, sondern selbst ein eigenständiger Konzern.Gesamtstruktur soll übersichtlich seinIn der Region des Hauptsitzes Berneck sind vor allem die beiden Tageszeitungen «Der Rheintaler» und «Rheintalische Volkszeitung», die Online-Plattform rheintaler.ch und der Copydruck in Altstätten bekannt. Doch mehr als drei Viertel des Umsatzes erzielen das Rheintaler Unternehmen und seine Tochtergesellschaften (darunter die galledia mit Akzidenzdruckerei und Fachzeitschriftenverlag) mit Tätigkeiten ausserhalb der Stammregion.Über die Jahre ist eine unübersichtliche Gesamtstruktur entstanden, die nun unter dem neuen Namen galledia group in eine konsequente Holdingstruktur umgewandelt wird.Neue Expertin fürs DigitaleWas die Mediengruppe in jüngerer Zeit speziell beschäftigt, ist der Strukturwandel, der mit der Digitalisierung einhergeht. Das kommt auch in einer Anpassung der Statuten zum Ausdruck, indem der Gesellschaftszweck erweitert wurde. Die «Aktivitäten im Druck-, Verlags- und Onlinebereich» erfahren die Ergänzung «und im Bereich anderer Medien sowie in verwandten Branchen; Kommunikation in jeder Form».Strategisch schlägt sich die Bedeutung der Digitalisierung in der Wahl einer Expertin in den Verwaltungsrat nieder, wo der ausscheidende Finanzfachmann Bruno Baumgartner durch Sunnie J. Groenefeld ersetzt wird (siehe Seite27).«Kraftstrotzender Titan» war digital kein VorbildWie wichtig es ist, den Sprung ins digitale Zeitalter zu schaffen, hat das Beispiel von Publicitas drastisch vor Augen geführt. Noch vor wenigen Jahren sei der Konkurs gegangene Werbevermittler ein «kraftstrotzender Titan im Print-Anzeigenmarkt» gewesen, sagte Verwaltungsratspräsident Urs Schneider. Für das eigene Unternehmen habe sich die Strategie, verstärkt auf Onlineplattformen im Werbemarkt zu setzen, ausbezahlt. Das regionale rheintaler.ch entwickelt sich vielversprechend, was auch nötig ist, zumal die beiden Tageszeitungen weiterhin unter rückläufigen Abozahlen leiden.Als Lichtblick wird gewertet, dass die Einführung der Kostenpflicht auf rheintaler.ch eine stattliche Zahl von Gratis-Online-Lesern bewogen hat, für das Angebot zu bezahlen oder zumindest ein Probeabo zu beziehen.Die Werbeeinnahmen gingen letztes Jahr zurück. Dennoch war das Unternehmen im Vergleich mit anderen regionalen Medien «immer noch Klassenbester», wie Daniel Ettlinger sagte. In den ersten Monaten dieses Jahres sei nun «gleich nochmals ein Satz nach vorne» gelungen; auch «dank des unermüdlichen Einsatzes unserer lokalen Verkäufer» sei das Vorjahresergebnis übertroffen worden.«Kein einfallsloses Judihuiblatt»Damit der Erfolg dem Unternehmen treu bleibt, besteht unter anderem der Anspruch, der Leserschaft eine qualitativ hochstehende Lokalzeitung zu bieten, wie Daniel Ettlinger sagte – und «nicht ein facetten- und einfallsloses Judihuiblatt».27Die Aktionäre des Rheintaler Medienunternehmens erhalten eine Dividende von 22 Franken pro Aktie. Deren Steuerwert beträgt per Ende des letzten Jahres 406 Franken. Die Rendite, die sich somit ergibt, beträgt 5,41 Prozent. (gb)