Zusammenschluss  vor 1 Stunde

Drei Elektras bündeln Kräfte für die Zukunft der Energieversorgung

Die Elektra-Korporationen Oberegg, Reute und Schachen-Reute haben einer Fusion zugestimmt. Mit der Elektra ORS entsteht ab 2027 ein regionaler Energieversorger mit rund 1500 Abonnenten.

Von Tommaso Manzin
aktualisiert vor 1 Stunde

Nach mehrjähriger Planung haben die Innerrhoder Korporation Elektra Oberegg und die beiden Ausserrhoder «Schwestern», die Elektra-Korporation Reute und Elektra-Korporation Schachen-Reute, vergangenen Freitag die Fusion beschlossen. Die neue Gesellschaft heisst Korporation Elektra Oberegg – Reute – Schachen (Elektra ORS). Vorausgegangen sind mehrere Jahre an Vorbereitung und Informationsveranstaltungen. 

2024 erteilten die Mitgliederversammlungen den Vorständen den Auftrag, die Fusion konkret anzugehen. Zu den Haupttreibern hinter der schrittweisen Annäherung zählten der langjährige Oberegger Grossrat Matthias Rhiner, der im Januar seinen Rücktritt aus dem Kantonsparlament bekannt gegeben hat, und Elektra-Oberegg-Präsident Felix Eisenhut.

Zwei Elektras werden aufgelöst

Felix Eisenhut begrüsste am Freitagabend die Mitglieder aller drei Korporationen, die kurz danach in separate Zimmer im Vereinssaal Oberegg ausrückten, um in einer eigenen Versammlung endgültig über den Zusammenschluss abzustimmen. Zu genehmigen hatten die Mitglieder Fusionsvertrag, die Statuten sowie das Geschäftsreglement der Elektra ORS. Bei den beiden Ausserrhoder Korporationen ging es zusätzlich auch um deren Auflösung.

Synergien und Grösse als Ziel

Ziel des Zusammenschlusses sei es, die drei kleinen Elektras zu einer grösseren Einheit zu fusionieren, um im Markt bestehen zu können, sagten die Verantwortlichen. Das Zusammenwachsen im Bereich der Netze und Versorgungsgebiete soll gefestigt und formalisiert werden, um Erschliessungen und Erweiterungen zu vereinfachen. Synergien verspricht man sich auch in der Administration.

Mehr Grösse sei auch eine bessere Basis, um den schnell wachsenden gesetzlichen und technischen Veränderungen im Bereich der Energieversorgung gerecht zu werden. Das Gewicht wäre auch für den Fall eines späteren umfassenderen Zusammenschlusses grösser. Mit der Fusion wächst die Abonnentenzahl – wenn man als Basis die Elektra Oberegg nimmt – von rund 1000 auf 1500. 

«Proportionale Fusion auf Augenhöhe»

Keine der drei Korporationen habe besondere und höhere Investitionsbedürfnisse, hiess es an der Versammlung, der technische Stand sei ebenfalls vergleichbar. Man habe daher eine Fusion auf Augenhöhe vorantreiben können, auch wenn natürlich die unterschiedlichen Grössenverhältnisse berücksichtigt werden. Die finanziellen Eckpunkte der Fusion reflektierten vor diesem Hintergrund ziemlich proportional die Grössenverhältnisse.

Kritik an Finanzkompetenzen

An der Versammlung erhielten die Mitglieder noch einmal die Gelegenheit, offene Fragen zu klären. Kritisiert wurden dabei die Finanzkompetenzen des Vorstands der neuen Gesellschaft. Diese seien zu weitreichend, der Vorstand habe dadurch zu viel Handlungsspielraum. Dagegen hielt Felix Eisenhut, dass bei unvorhergesehenen Schäden an Trafostationen und Netzen schnell reagiert werden müsse. 

Die Beträge seien aufgrund der Schätzung solcher Schäden festgelegt worden.  Ohne diese Möglichkeiten würde man im unterjährigen Geschäft schnell an Grenzen stossen. Bei grösseren Projekten sei es klar, dass man die Genehmigung der Versammlung brauche. Die Limiten könnten zudem an künftigen Versammlungen traktandiert und geändert werden. Eisenhut versprach, dass diese Anliegen für die nächste Hauptversammlung aufbereitet werden. 

Kantone müssen noch Ja sagen

Die anwesenden Oberegger genehmigten den Zusammenschluss, den Zusammenschlussvertrag sowie Statuten und Geschäftsreglement mit zwei Gegenstimmen. Die Mitglieder der Elektra-Korporation Reute und der Elektra-Korporation Schachen-Reute billigten alle Vorlagen ohne Gegenstimme. Fusionsbeschluss, Fusionsvertrag und Statuten wurden unter dem Vorbehalt der Kantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden angenommen. 

Ausstehend ist zudem noch die Interkantonale Vereinbarung über die Versorgung mit elektrischer Energie (IVVE) zwischen Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden. Diese sei nun in Bearbeitung. Matthias Rhiner hofft, sie sei bis 2027 in Kraft. 

Der heutige Tag gehe in die Geschichtsbücher ein, fuhr Felix Eisenhut fort. Was 1911 in Reute mit der Elektro Reute seinen Lauf genommen hatte, um eine Schiffsfabrik mit Elektrizität zu versorgen, finde nun einen Abschluss. 1912 war die Lichtkorporation Oberegg gefolgt (die heutige Elektra Oberegg), die den Strom für Bauwirtschaft, Steinbruch und Hotels in die Innerrhoder Exklave brachte. Seit rund 15 Jahren arbeiten die drei Korporationen zusammen. 

Zu erledigen sind nun noch Detailarbeiten wie die Übertragung bestehender Eigentumsrechte, das Zusammenführen der Buchhaltungen, die Ausarbeitung der neuen technischen Reglemente und die Übergangsregelungen. Alle drei Korporationen bleiben bis zum Abschluss des laufenden Finanzjahres aktiv. Ab 1. Januar 2027 wird die Elektra ORS dann operativ sein, die Zusammenarbeit werde schon vorher natürlich intensiviert, sagte Eisenhut.

Je ein Mitglied von Schachen und Reute

Der Vorstand wächst im Vergleich zur Elektra Oberegg von fünf auf sieben Mitglieder.  Im neuen Vorstand wird ab Sommer je ein Mitglied von Schachen und von Reute Einsitz nehmen, die anderen Vorstandsmitglieder der Ausserrhoder Korporationen werden altershalber ausscheiden, erklärte Felix Eisenhut erklärt, der Präsident der neu gegründeten Korporation Elektra ORS wird. 

Er habe nach einer entsprechenden Anfrage zugesagt – «vorläufig», wie er am Rande der Versammlung anfügte. 2027 würden eine neue Kommission und ein neuer Vorstand gewählt. Ein neues Kind sei geboren, hat sich auch Matthias Rhiner gefreut, Eisenhut soll nun dafür sorgen, dass es laufen lernt.