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Ein Gegner mit viel Cup-Erfahrung kommt auf die Aegeten

Am Sonntag begrüsst der FC Widnau im Rahmen der Cup-Qualifikation der 1. Liga Classic ein Team aus Nidwalden: den SC Buochs. Der Club ist nur drei Jahre jünger als der FCW.

Von Hansueli Steiger
aktualisiert vor 1 Stunde

Gegründet wurde der SC Buochs am 1. Juli 1934. Er ist mit 670 Mitgliedern der grösste Verein des ganzen Kantons. Weil in der Anfangszeit im Verein auch Leichtathletik betrieben wurde, heisst der Club nicht FC, sondern SC (Sportclub).

Die Antwort auf die Frage nach dem bekanntesten Buochser ist schnell gefunden. Marco Odermatt, einer der weltbesten Skifahrer, ist in der idyllischen Gemeinde am Südufer des Vierwaldstättersees mit knapp 6000 Einwohnenden aufgewachsen. Ein im Fussball bekannter Buochser war Peter Risi. Seine Karriere startete der Stürmer, der 2010 verstarb, beim SCB. Risi spielte 15-mal für die Schweizer Nati. Er feierte mit dem FC Zürich 1976, 1979 und 1981 den Schweizer Meistertitel sowie 1976 den Cupsieg. Auch Ex-Nationaltrainer Paul Wolfisberg war als Spieler und Übungsleiter eng mit dem Nidwaldner Verein verbunden.

Letzte grosse Sensation gegen YB

Im Cup machten die Innerschweizer immer wieder Furore: In der Saison 2014/15 schafften sie es als Interregio-Vertreter sensationell in den Viertelfinal. Nach einem 1:0 gegen Frauenfeld wurden Buochs die Berner Young Boys zugelost. 2250 Fans auf dem Sportplatz Seefeld trauten am 20. September 2014 ihren Augen nicht: SCB-Captain Christophe Lambert bezwang YB-Goalie Marco Wölfli nach fünf Minuten zum 1:0. Die Berner, damals von Uli Forte trainiert, blieben vieles schuldig und kamen gegen den Unterklassigen kaum zu Chancen. Buochs schaffte die Sensation.

Als einen guten Monat später auch Erstligist Schötz 2:0 bezwungen wurde, stand Buochs sensationell unter den besten Acht. Zugelost wurde der FC St.Gallen, der sich dann aber keine Blösse gab. Daniel Sikorski (2), Marco Aratore, Roberto Rodriguez und Yannis Tafer beendeten am 11. März 2015 mit einem 5:0 vor 4400 Fans die Träume der Amateure, die heute stolz auf diese Spiele zurückblicken.

Auch den FC St.Gallen rausgeworfen

Auch St.Gallen hat keine guten Erinnerungen an den Sportplatz Seefeld: 1999 besiegten die Nidwaldner den FCSG im Sechzehntelfinal 1:0, bevor im Achtelfinal (0:1 gegen Servette durch ein Tor des Ex-St.Gallers Edwin Vurens) Endstation war. Immer wieder bissen sich Oberklassige an Buochs die Zähne aus. So auch GC 2018 beim harzigen 2:0-Sieg. Wil mühte sich 2002, St.Gallen 1997 ins Penaltyschiessen, und Basel gelang 1998 erst in der 86. Minute der Ausgleich, bevor die Amateure in der 30-minütigen Zusatzschlaufe dem Gegner, damals mit Nati-Stürmer Adrian Knup, noch fünf Tore zugestehen mussten.

In jüngerer Vergangenheit musste auch Luzern 2021 beim 2:1-Sieg nach Verlängerung eine Sonderschicht schieben. Luzern war auch der letzte Gegner im Cup: Vor gut zwei Monaten war der Super-Ligist in der ersten Cup-Hauptrunde zu Gast auf dem Seefeld. Vor 4200 Fans gab es ein standesgemässes 3:0 für den Oberklassigen.

Widnauer Cup-Highlight gegen den FC St. Gallen

Die Widnauer Cup-Historie ist nicht so lang wie jene der Nidwaldner, aber auch die Lüchinger-Elf begrüsste in den letzten 18 Jahren mit dem FC Zürich (0:6), GC (0:5), Bellinzona (1:4) und St. Gallen (1:2) grosse Namen auf der Aegeten. «Wir nehmen den Cup sehr ernst. Und man muss nur zwei Runden überstehen, um in die Hauptrunde einzuziehen», sagt Co-Trainer und Sportchef Daniel Lüchinger. Der Cup sei für einen Verein wichtig. Lüchinger: «Ein grosses Los ist für jeden Hobbykicker schön.» Und nicht zuletzt für den Verein auch lukrativ.

Was dies bedeutet, erlebte der FC Widnau im Sommer 2023. Er schaffte es erneut in die Hauptrunde und zog mit dem FC St.Gallen das Traumlos. Aus dem Sportplatz Aegeten wurde eine kleine Arena, mit einer grossen temporären Sitztribüne für 1164 Fans fanden 6350 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz. Nicht nur Widnau, sondern die ganze Region fieberte auf dieses Jahrhundertspiel hin. Die Schweiz schwitzte in jenen Tagen: Beim Kickoff zeigte das Thermometer 33 Grad an.

Bei den Gästen standen mit Betim Fazliji und Patrick Sutter zwei Rheintaler im Team. Drei Stunden vor Anpfiff war das Festzelt gut gefüllt, die Musikgesellschaft Konkordia unterhielt das Publikum. Hinter der Tribüne, beim VIP-Zelt, stand in den Rasen geschrieben: «Schüa sinder do.» Natürlich war das Spiel ausverkauft, die Aegeten war die Fussballhauptstadt der Ostschweiz.

Ein Moment für die Geschichtsbücher

In der 18. Minute gab es eine Szene, die nicht nur Widnau-Fans nie mehr vergessen werden. Kevin Egbon flankte, Timo Faleschini rauschte heran, nahm den Ball volley und traf zum 1:0. «Was für ein Hammer!», sagte der SRF-Reporter bei der Zusammenfassung im «Sportpanorama». Mit 1:0 ging es in die Pause, auch weil Leo Hetzel im Widnauer Tor tolle Paraden zeigte. Der interregionale Zweitligist führte gegen den Super-Ligisten: Das sind Momente für die Ewigkeit, wie sie nur der Cup schreiben kann. Dass sich der Favorit dann mit 2:1 durchsetzte, tat dem Volksfest keinen Abbruch.

Gegen Buochs werden Tobia Walt und Ilija Kovacic verletzt fehlen. Für mehrere Wochen fällt auch Finn Metzler aus, der sich gegen Eschen/Mauren eine Schienbeinverletzung zuzog. In der Meisterschaft liegt der SC Buochs, der 1973 eine Saison in der Nationalliga B spielte, auf Rang neun. Am letzten Sonntag gab es in Delémont eine 0:4-Niederlage. Widnau zeigte beim 4:4 gegen Eschen eine tolle Moral, drehte einen 1:3-Rückstand in eine 4:3-Führung um, die erst in der Schlussminute egalisiert wurde.

«Wenn wir an die zweite Hälfte des letzten Heimspiels anknüpfen können, liegt einiges drin», sagt Daniel Lüchinger. Am Sonntag hat der FC Widnau die Möglichkeit, die Basis für ein weiteres Cup-Fest auf der Aegeten zu legen.