05.06.2018

Ein guter Deal für alle

Auf einem Platz beim Nüesch-Kreisel wird ab dem Herbst ein Kunstwerk von Peter Federer stehen. Er hat den Wettbewerb gewonnen, den die Firma Casainvest durchgeführt hat. Dahinter steckt ein spezieller Handel.

Von Gert Bruderer
aktualisiert am 03.11.2022
Gert BrudererKunst am Bau sei wichtig und sollte es viel mehr geben, findet Johnny Hutter, der Verwaltungsratspräsident von Casainvest. Dem Unternehmen gehören die beiden Grundstücke, die an den Platz grenzen. Federers Werk wird zwischen dem Foto-Nüesch-Areal und der neuen Überbauung «Live» stehen.Trotz reger Bautätigkeit ist unser Alltag nicht von Kunst durchdrungen. Die Zurückhaltung führt Hutter darauf zurück, dass oft wohl der Aufwand gescheut werde und viele Bauherren unsicher seien, wie die Sache anzugehen wäre. Schliesslich sei es so: «Wer nichts macht, der macht auch nichts falsch.»Am Geld jedenfalls könne es kaum liegen, dass Kunst nicht öfter den Alltag bereichere. Für den Platz in Widnau beispielsweise beträgt das Preisgeld 50000 Franken. Das ist zwar ein stolzer Betrag, gemessen an der Bausumme von rund 20 Millionen Franken ist es hingegen ein Klacks. In Prozent: 0,25.Geldmangel trübt Verhältnis nichtZwischen der Firma Casainvest und der heimischen Kunstszene besteht eine dauerhafte Beziehung. Die seit gut zwei Jahren vom gleichnamigen Verein geführte Art dOséra in Diepoldsau befindet sich in einem Casainvest-Gebäude. Es wird zwar irgendwann einem zeitgemässen Bauprojekt zu weichen haben, was aber bestimmt erst in einigen Jahren geschehen werde, sagt Hutter. Fünf Jahre stehe der grosse Raum, der für Kultur genutzt wird, dem Verein gewiss noch zur Verfügung.Weil die finanziellen Möglichkeiten der Art dOséra die Bezahlung einer Miete nicht zulassen, erweist sich die Eigentümerin des Gebäudes als grosszügig. Dass kaum mehr bezahlt wird als die Nebenkosten, trübt das Mietverhältnis nicht.Dafür haben die Hauseigentümerin und der Verein eine besondere Übereinkunft getroffen. Das Unternehmen besteht nicht auf Mieteinnahmen, kann aber bei Bedarf das künstlerische Potenzial des Vereins nutzen.So lag es nahe, nach geeig­neter Kunst für den Platz beim Nüesch-Kreisel bei jenen Künstlern zu suchen, die in der Art dOséra eine Führungsrolle innehaben. Im Rahmen eines Wettbewerbs hatte die Jury am Ende vier Werke zu prüfen – je eines von Peter Federer, Jürg Jenny, Kus­pi 018 und Konrad Thurnherr. Der von Willy Lässer präsidierten Jury gehörten ausser Hutter die beiden Casainvest-Vertreterinnen Helene Huber und Judith Spirig an.Dass keine Frau unter den Kunstschaffenden ist, sondern nur Männer am Wettbewerb teilnahmen, dient Johnny Hutter als gutes Beispiel. Er sagt: Wer Kunst am Bau erwägt, aber keine Erfahrung hat, hält sich oft lieber zurück statt einen Vorwurf zu riskieren. Er selbst und die ganze Jury hätten gern auch Arbeiten von Künstlerinnen beurteilt, doch in diesem Fall sei das nicht möglich gewesen.Datenbahn und drei SkulpturenKuspi schlug eine Datenbahn als Installation vor, die sich senkrecht über eine ganze Fensterreihe der Fassade erstreckt. Fussgänger würden im Vorbeigehen dank eines Sensors eine LED-Beleuchtung auslösen, was die Aktivierung der Datenautobahn und deren Löschung nach einer Minute zur Folge hätte.Konrad Thurnherr bewarb sich mit der Skulptur «Zwischenraum». Der Künstler schrieb dazu: «Nur mit Luft dazwischen ergibt sich eine lebendige und dauerhafte Beziehung zwischen Menschen (…).» Beide Teile der Skulptur «stehen stark auf dem Boden und ziehen doch vereint in die Höhe».Für sich sprechen die anderen zwei Werke. Jürg Jenny zeigt zwei Menschen (Titel: «Schwätzli»), Peter Federer eine Menschengruppe (Titel: «Begegnung»).Preisgeld fliesst zum Teil in VereinskasseAls Gewinner hat die Jury nach eingehender Diskussion Peter Federer bestimmt. Sein Werk wird ab September oder Oktober auf dem Platz beim Nüesch-Kreisel stehen und mit einer kleinen Feier begrüsst.Einen kleinen Teil des Preisgeldes wird der siegreiche Künstler, wie es vereinbart ist, dem Verein Art dOséra überlassen. Dieser hat somit wieder ein wenig mehr Mittel, um den finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Vermieter (eben der Casainvest) nachzukommen. Die Casainvest lässt den gleichen Betrag zusätzlich in die Vereinskasse fliessen. So wird zwar etwas Geld herumgeschoben, aber alles hat am Ende seine Richtigkeit – und alle sind zufrieden.Alle Werke auf rheintaler.ch.