Nein, mit dieser Ausgangslage hätte nun wirklich niemand gerechnet: Nach 27 Runden grüsst der FC Thun als Aufsteiger von der Tabellenspitze. Und die Berner Oberländer sind alles andere als ein Zufallsleader, haben sie doch die letzten zehn Spiele in Serie gewonnen und 14 Punkte mehr als ihr erster Verfolger. In diesen zehn Spielen hat Thun neun verschiedene Mannschaften aus der Super League besiegt – nur nicht Lugano und den FC St.Gallen.
Der FCSG war es, der das Team von Trainer Mauro Lustrinelli als Letztes besiegen konnte. Am 13. Dezember 2025, es war ein denkwürdiges Spiel, gewannen die Ostschweizer in der Stockhorn Arena mit 2:0. Die Partie war geprägt von natürlichem sowie künstlichem Nebel (aus den beiden Fanblöcken), von Hektik und VAR-Entscheiden. So aberkannte Schiedsrichter Luca Piccolo das 1:0 von Aliou Baldé zuerst wegen Abseits, es zählte dann aber doch. Und eine Viertelstunde vor Schluss, als vom Feld nicht mehr viel zu sehen war, erhöhte Carlo Boukhalfa – der sich zuletzt zwei Fehlschüsse leistete – per Penalty auf 2:0.
Auch dem FCSG läuft es zurzeit gut
Nun treffen die beiden Mannschaften wieder aufeinander, und wieder findet das Spiel in Thun statt. Während der FCT seit der Niederlage im Dezember jedes Spiel gewonnen hat, hat sich St.Gallens Rückstand auf 14 Punkte vergrössert. Dennoch ist der FCSG Thuns erster Verfolger; die Meisterkandidaten Basel (21 Zähler) und YB (25!) liegen noch viel weiter zurück. Dies liegt daran, dass auch die Ostschweizer kontinuierlich positive Resultate einfahren. In diesem Jahr haben sie bisher nur das erste Spiel verloren (2:4 gegen Servette), danach aber drei Siege und vier Unentschieden geholt und sich daneben auch für den Halbfinal des Schweizer Cups qualifiziert.
Am letzten Wochenende zeigte die Mannschaft von Trainer Enrico Maassen allerdings einen über weite Strecken ideen- und harmlosen Auftritt. Sie hatte mit dem Tabellenschlusslicht aus Winterthur ihre liebe Mühe und entschied das Spiel erst dank eines Penaltytors von Alessandro Vogt tief in der Nachspielzeit für sich. Die Partie war aber nicht nur knapp, sie hat auch gezeigt: Der FC St.Gallen kann «dreckig». Es war kein Zuckerschlecken, aber wenn die Grün-Weissen auch ein solches Spiel für sich entscheiden, steht es um sie ganz gut. Ebenso war die Stimmung unter den mehr als 17'500 Fans im Kybunpark.
11, 14 oder 17 Punkte hinter dem Aufsteiger
In Thun werden weniger Fans den Ostschweizern die Daumen drücken, dennoch dürfte auch an einem Donnerstagabend eine gute Meute den Weg ins Berner Oberland finden, um das Team vor Ort anzufeuern. Die Ausgangslage ist interessant: Nach dem Spiel wird der FC St.Gallen entweder elf, vierzehn oder siebzehn Punkte hinter Aufsteiger Thun liegen. «Bei einer Niederlage und 17 Punkten Rückstand auf den Aufsteiger können wir uns den Klassenerhalt wohl abschminken», frotzelt ein User im FCSG-Fan-Forum.
Der Text ist zwar humorvoll gemeint und geschrieben, er zeigt aber: Es war vor der Saison undenkbar, dass es sich bei dieser Begegnung um das Spitzenduell der 28. Runde handelt. So ist auch Lukas Görtlers Aussage, bei einem St.Galler Sieg in Thun würden die Berner wohl das grosse Zittern bekommen, zu verstehen. Der FC St.Gallen weiss nicht so recht, ob er sich noch Hoffnungen auf den Titel machen oder sich einfach auf die Qualifikation für das europäische Geschäft konzentrieren soll. Selbst bei einem Sieg wäre der Rückstand noch riesig.
Ein Spitzenspiel beim Aufsteiger, der die Liga souverän anführt