Eine kleine Tat der Nächstenliebe in einer dunklen Zeit: Ein Licht für Fremde sein - etwa im Zug | Der Rheintaler

Christlich 22.10.2023

Eine kleine Tat der Nächstenliebe in einer dunklen Zeit: Ein Licht für Fremde sein - etwa im Zug

Der letzte Artikel, den ich im Juli, schwitzend und in kurzen Hosen geschrieben hatte, handelte vom Schatten. Als ich gestern Morgen aufstand, war mir aber gar nicht nach Schatten zumute.

Von Lucas Kägi
Sozialdiakon i. A.
aktualisiert am 22.10.2023

Ich blickte auf das Thermometer, welches mir eine Aussentemperatur von drei Grad Celsius anzeigte. Daraufhin kramte ich eilig meine Handschuhe und Mütze hervor, um mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu fahren. Und heute war es genauso kalt.

Im Zug sitzend, vermisste ich bereits die warmen Sonnenstrahlen und das Licht. Jetzt kommt wieder dieser Winter, dachte ich mir, und aus dem Fenster blickend, sah ich nebelverhangene kalte Hügel vorbeiziehen.

Kurz vor Zürich fing ich an, meine Sachen zusammenzupacken und machte mich bereits auf zur Tür, da ich zügig umsteigen musste. Durch die Glastür entdeckte ich ein Mädchen, das im Kinderwagen schlief. Die Mutter, bepackt mit Rucksack und Wickeltasche, machte sich ebenfalls zum Aussteigen bereit.

Es war klar, dass sie nicht allein aussteigen konnte, also fragte ich sie, mit einer Geste untermauernd, ob ich ihr helfen könne.

Die Frau lächelte verlegen, denn sie konnte kein Deutsch, verstand allerdings meine Handbewegung. In gebrochenem Englisch antwortete sie mir, dass sie sehr froh darüber wäre. Das Mädchen, das von den automatischen Türen mittlerweile wach geworden war, 
lächelte mich an, ich grinste 
zurück.

In Zürich angekommen, den Kinderwagen auf dem Bahnsteig abgestellt, bedankte sich die Mutter nochmals bei mir und ich zog weiter. Auf dem Weg zu Gleis 16 machte sich ein Gefühl von Wärme in mir breit.

Das alles schreibe ich aber nicht, um mich selbst zu beweihräuchern, denn ich bin überzeugt viele hätten auch ohne zu zögern geholfen.

Ich möchte zeigen, dass wir, wenn wir anderen helfen, auch uns etwas Gutes tun.

Denn gerade in dieser dunklen Zeit sind Licht und Wärme wichtiger denn je. Für die Frau, so glaube ich, wäre es wohl schwierig gewesen, um Hilfe zu bitten. Durch das Wahrnehmen ihrer Situation konnte ich für sie in diesem Moment ein Licht sein.

Ich konnte den Tag, mit dem Wissen etwas Gutes getan zu haben und mit wohliger Wärme im Herzen, fortsetzen. Christlich würde man hier wohl von gelebter Nächstenliebe sprechen.

Denn obwohl ich diese Frau nicht kannte, war sie in diesem Moment meine Nächste.

Ich hoffe, dass wir, wenn wir uns gegenseitig Licht sind, auch gemeinsam durch eine dunkle und kalte Zeit kommen.