Zum Ende der erfolgreichen letzten Saison waren der 19-jährige Timon Suhner und seine drei Jahre jüngere Partnerin Leonie Woodtli von den Advanced Novices zu den Junioren aufgestiegen, der letzten Kategorie vor den «Grossen», den Aktiven. Timon Suhner sagt:
Wir haben unser Potenzial gesehen und gemerkt, dass wir schon im ersten Jahr vieles erreichen können.
Leonie Woodtli und Timon Suhner waren im Verlauf der Saison international unterwegs und massen ihr Können mit erfahrener Konkurrenz. Schritt für Schritt näherten sie sich in den letzten Monaten immer weiter den vorderen Rängen und erreichten schliesslich ihr Ziel: Edelmetall! Mitte Februar starteten die beiden in Berlin am letzten internationalen Wettkampf der Saison und es gelang, den Saisonbestwert auf 138,85 Punkte zu steigern. In der Schlussrangliste standen sie zwischen zwei deutschen Paaren mit dem zweiten Rang auf dem Podest. Es war ein Wettkampf auf hohem Niveau; aus sieben Nationen reisten elf Eistanzpaare in die deutsche Hauptstadt.
Genau das ist, was Leonie Woodtli und Timon Suhner suchen: den Vergleich mit den Besten. «Wenn wir einen Vergleich auf hohem Niveau haben, wissen wir auch, wo wir uns verbessern können und wie die Konkurrenz sich entwickelt. Man kennt sich untereinander ja gut», erklärt Leonie Woodtli.
Das Paar bewegt sich schon fast auf Profiniveau
Der Pflichtteil heisst nun Rhythm Dance und dauert zwei Minuten und 50 Sekunden. Das Motto und die Tanzschritte werden für jede Saison vom internationalen Verband (ISU) vorgegeben. Für 2025/26 hiess es «90er-Jahre», mit Tanzschritten aus Rumba und Quickstep. Dreieinhalb Minuten lang ist die Kür. Und die Wettkampfteile sind nicht nur länger als bei den Novices, sie beinhalten auch schwierigere Elemente.
«Es ist ein ganzes Stück professioneller als zuvor und wir bewegen uns fast auf Profiniveau», sagt Timon Suhner. Und erklärt: «Diese Kategorie ist die letzte Vorbereitung auf das absolute Topniveau. Technisch sind wir bereits dort, höhere Schwierigkeitsgrade gibt es bei den Aktiven nicht mehr. Nur sind die Programme dort noch länger, mit noch mehr Elementen.» Es ist eine Aufgabe, der sich Woodtli und Suhner noch so gern stellen. Sie setzen während der Ausbildung voll auf die Karte Eistanz und wollen dort Fortschritte erzielen, wo es am schwierigsten ist.
Das Programm nochmals komplett umgestellt
Vor einem Jahr sagten die beiden, sie müssten erst in die höhere Kategorie hineinfinden. Schnelle Erfolge seien kein explizites Ziel, wichtiger sei der Aufbau. Das war kein Understatement; die Leistungsdichte ist bei den Junioren um einiges höher als bei den Advanced Novices. Doch die Erfolge stellten sich rasch ein.
«Zu Beginn der Saison war das Programm nicht ganz ausgereift, trotzdem erreichten wir gute Punktzahlen», sagt Timon Suhner. Dennoch war das Duo nicht ganz zufrieden – und es wurde im Team entschieden, das Programm umzustellen. Leonie Woodtli sagt:
Wir sind nicht wirklich in den Pflichttanz hereingekommen, also haben wir die Einstiege und die Elemente ausgetauscht und angepasst, bis wir uns wohl fühlten.
Diese Umstellung im Kurzprogramm führte zu einer deutlichen Leistungssteigerung im Lauf der Saison – bis zu den Rängen fünf am stark besetzten Bavarian Open in Oberstdorf und Rang zwei am Skating Berlin International 2026.
Jede Menge Arbeit und ein grosses Fernziel
Hinter dem Erfolg stecken viele Stunden Arbeit; ihr Programm sind die beiden unzählige Male gelaufen. Ob das nicht langweilig wird? «Nein, natürlich nicht! Wir lieben das und geben alles dafür, dass wir uns immer weiter verbessern», sagt Leonie Woodtli. Die beiden trainieren oft in Oberstdorf, aber auch in der Schweiz. Ihre Trainer heissen Claudia Aebischer und Martin Skotnický – und neu Michael Chrástecký. Als technischer Controller ist er vor allem auch für die regelkonforme Ausführung der Elemente zuständig. Timon Suhner erklärt:
Wir trainieren nicht unbedingt mehr als zuvor, aber spezifischer auf das abgestimmt, was wir brauchen.
Und weil die Schwierigkeiten bei den Junioren grösser sind, ist das Techniktraining zentral.
Wichtig ist aber auch, neben dem Eis Fortschritte zu machen. Timon Suhner beendet im Sommer seine vierjährige Ausbildung an der United School of Sports in St.Gallen – die Schulzeit bringt er mit Bravour hinter sich. Danach wird er die BMS mit einem neuen Ausbildungskonzept für Leistungssportler in Angriff nehmen. Auch seine Tanzpartnerin Leonie Woodtli hat ihr erstes Jahr an der «United» erfolgreich gestartet. Die Ausbildung sei sehr wichtig, das sagen beide – aber lieber sprechen sie über den Sport. Etwa über die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina. Darauf angesprochen, ob eine eigene Olympia-Teilnahme möglich oder eine Utopie ist, sagt Timon Suhner:
Das ist sicher das Ziel! Wir werden auf jeden Fall versuchen, uns für die Spiele 2030 zu qualifizieren.
Die beiden haben aber auch Geduld: Sie wissen, dass die besten Eistanzpaare aus Athletinnen und Athleten bestehen, die zum Teil deutlich über 30 Jahre alt sind. Gemessen an den Erfolgen der beiden ist das grosse Fernziel allerdings alles andere als eine Utopie.
Erste Saison bei den Junioren mit einer silbernen Medaille gekrönt