Unterschiedlicher hätte die Vorbereitung auf dieses Duell nicht verlaufen können. Auf der einen Seite Servette Genf, das mit zwei Partien innerhalb von fünf Tagen bereits im Wettkampfmodus angekommen ist. Auf der anderen Seite der FC St. Gallen, dessen Rückrundenstart sprichwörtlich auf Eis gelegt wurde.
Die Spielabsage in Winterthur wirbelte nicht nur die Vorbereitung von Enrico Maassen durcheinander, sondern verschärft auch den Terminplan: Im ohnehin dichten Kalender vor der Weltmeisterschaft wird es für die Espen eine zusätzliche englische Woche geben. «Ideal ist das ganz sicher nicht», sagte Maassen noch vor dem Spiel. Würde man dem Heimteam, angeführt von Captain Lukas Görtler, die noch fehlende Spielpraxis anmerken?
Der Führungstreffer mit dem ersten Angriff
Kaum zwei Minuten waren gespielt, als ebendieser Görtler das Heimteam nach einem weiten Einwurf von Tom Gaal in Führung schoss. Was für ein Auftakt. Auch in der Folge agierte St.Gallen druckvoll und aufsässig, die Gäste kamen kaum aus der eigenen Platzhälfte. In der 13. Minute konnten gleich drei St.Galler Richtung Tor ziehen, doch Witzig spielte den Ball auf Balde, der zwar traf, jedoch deutlich im Abseits stand. Nur eine Zeigerumdrehung später lag der Ball dann regulär in den Maschen, Jozo Stanic hatte den Ball von der Strafraumgrenze in die weite Ecke geschlenzt, Goalie Mall streckte sich vergebens. Und so kam im Kybunpark trotz frostigen Temperaturen schon rasch Stimmung auf.
Grosse Chancen auf beiden Seiten
Das Spiel flachte in der Folge etwas ab und Servette kam in Form eines Distanzschusses von Guillemenot nach einer halben Stunde zu seiner ersten guten Chance. Zigi parierte. Und er tat dies Sekunden später erneut, als Stevanovic nach einem Freistoss völlig frei vor ihm zum Abschluss kam. Reflexstark lenkte St.Gallens Schlussmann den Ball über die Latte. Bis dahin hatte die Abwehr mit dem kopfballstarken Neuzugang Colin Kleine-Bekel, vom VfL Bochum auf Leihbasis zum FCSG gekommen, stilsicher gewirkt. Nach einer weiteren gefährlichen Servette-Chance, diesmal von Marco Burch, dürfte dem Heimteam klar geworden sein; es würde nicht reichen, diese Zweitore-Führung zu verteidigen. Noch vor der Pause boten sich zuerst Balde, dann Boukhalfa die Chance, die Führung auszubauen. Es sollte sich noch rächen.
St.Gallens Verteidigung plötzlich fehlerhaft
So fulminant wie der FC St.Gallen in die erste Halbzeit gestartet war, so vehement eröffnete Gegner Servette Halbzeit zwei. Während einige Zuschauer noch ihre Plätze einnahmen, schoss Jérémy Guillemenot den Anschlusstreffer. Der Ex-St.Galler profitierte von mangelhafter Zuteilung in der Defensive. Jetzt taten sich plötzlich Löcher auf, jetzt machten die Genfer Druck und nichts erinnerte mehr an die Dominanz des Heimteams in den ersten 45 Minuten. Ein Fehlpass reihte sich nun an den nächsten, das Publikum quittierte es mit Pfiffen. Das Team von Enno Maassen brauchte einen Moment, um sich zu schütteln und wieder Stabilität zu finden. Just in dieser Phase musste Leaderfigur Jozo Stanic verletzt vom Feld, er wurde von Albert Vallci ersetzt. Es war jetzt ein offener Schlagabtausch.
Eine umstrittene VAR-Intervention
Zur Überraschung aller im Stadion schaltete sich in der 78. Minute der VAR aus Volketswil ein. Nach einer Flanke hatte Kleine-Bekel Stevanovic mit dem Ellbogen im Gesicht getroffen. Ein harter Entscheid, der im Nachgang zu Diskussionen führte und Maassen verärgerte. Guillemenot bezwang Zigi vom Penaltypunkt. Die Partie war wieder ausgeglichen, was wohl nur wenige der 15'290 Zuschauer noch für möglich gehalten hatten. Doch es kam noch schlimmer für die Espen. In der 83. Minute brachte Miroslav Stevanovic die Gäste mit einem Kopfballtor gar in Führung.
Jetzt lief den St.Gallern die Zeit davon. Topscorer Vogt verpasste allein vor Torhüter Mall den Ausgleich. Auf der Gegenseite sorgte David Douline in der Nachspielzeit für die definitive Entscheidung. Ratlose Gesichter auf den Tribünen, ratlose Gesichter auf dem Platz. Hätte man mit einem Sieg in Tuchfühlung mit der Tabellenspitze bleiben können, müssen die St.Galler erst mal eine bittere Niederlage verarbeiten. Sie hatten sich nach dominantem Beginn im eigenen Stadion die Butter vom Brot nehmen lassen. Gelegenheit zur Wiedergutmachung bietet sich kommenden Sonntag beim Gastspiel in Luzern.
St. Gallen - Servette 2:4 (2:0)
15'290 Zuschauer. - SR Turkes.
Tore: 2. Görtler 1:0. 15. Stanic 2:0. 46. Guillemenot 2:1. 80. Guillemenot (Penalty) 2:2. 83. Miroslav Stevanovic 2:3. 92. Douline 2:4.
St. Gallen: Zigi; Gaal, Stanic (61. Vallci), Kleine-Bekel; Vandermersch, Görtler (69. Mihailo Stevanovic), Daschner, Boukhalfa, Okoroji (85. Ouattara); Witzig (85. Besio); Baldé (68. Vogt).
Servette: Mall; Burch, Rouiller, Mazikou; Miguel (39. Houboulang Mendes), Cognat, Douline, Njoh; Miroslav Stevanovic, Guillemenot (88. Ondoua); Mráz (68. Ishuayed).
Verwarnungen: 14. Miguel, 45. Gaal, 79. Kleine-Bekel, 88. Mall.
FC St.Gallen verliert nach einer 2:0-Führung den Faden komplett