Berneck vor 2 Stunden

Fünf Freunde lieben den satten Sound: Hochstehendes Konzert mit Kammermusik

Die neue Konzertsaison des Kulturforums Berneck wurde am Sonntag mit einem spannenden und packenden Kammermusikabend eröffnet: Klavierquintette von César Franck und Leo Ornstein erklangen in passionierten Interpretationen und mit lustvollem Eintauchen in spätromantische Klangwelten.

Von Martin Preisser
aktualisiert vor 2 Stunden

Wiederum hat Viturin Döring seine bewährten Kammermusikpartner zu intensivem Musizieren ins Rheintal eingeladen. Das seit 27 Jahren traditionelle Kammermusikkonzert zum Jahresbeginn wartete mit einer Überraschung auf: Auch Kenner der klassischen Musik dürften den Namen Leo Ornstein zum ersten Mal gehört haben. 109 Jahre ist der amerikanische Pianist und Komponist mit ukrainisch-russischen Wurzeln alt geworden und 2002 gestorben. Sein Quintett für Klavier und Streicher op. 92 dürfte in Berneck am Sonntagabend schweizweit wohl das erste Mal erklungen sein.

Bombastisch wäre ein Wort, das diesen wilden, farbigen musikalischen Schmelztiegel treffend beschreiben könnte. Ornstein begeistert mit einer dichten Folge und Fülle von Einfällen, Rhythmen und Motiven. Satt und saftig bedient er sich vieler Stilen. Bartók hört man da etwa heraus, und Ornsteins erster Satz erinnert an dessen Allegro barbaro. Jazz, Tango, spanisches Kolorit, ein Schuss Gershwin, aber auch ein wenig Schostakowitsch und viel impressionistische Klangfarbe: Das ist bei Ornstein alles andere als billige Stilkopie. Er schafft einen Reigen voll unbändiger Klanglust, lebt seinen ganz eigenen Rausch an Effekten aus. 

Schwindelerregender Klavierpart

Wiederum hat der Rheintaler Unternehmer und Cellist Viturin Döring bewährte Partner um sich versammelt: Daniel del Pino (Klavier), Lyonel Schmit und Éric Crambes (Violinen) sowie Jano Lisboa (Viola). Fünf Freunde, die den satten Sound lieben und zelebrieren und die vielen Ideen von Ornstein kraftvoll und mit Verve ausleben. Allen voran bei diesem Werk Daniel del Pino. Die Anforderungen an den Klaviersatz sind schlicht schwindelerregend oder «halsbrecherisch», besser: fingerbrecherisch. Der Spanier setzt die richtigen Akzente, ordnet die Kaskaden und Tontrauben souverän und farbig. Das ist grossartig virtuoses Klavierspiel.

Ansteckenden Sinn für die rhythmische Kraft dieses dreiviertelstündigen Quintetts bewiesen auch die vier Streicher, mit viel Esprit und vollem Ton, aber auch mit zarten Tonreibungen am Anfang des zweiten Satzes, der fast ein wenig an Bartóks Streichquartette erinnerte.

Ziseliertes französisches Meisterwerk

Con fuoco ist der letzte Satz von César Francks Klavierquintett f-Moll überschrieben. Dieses musikantische Feuer hielten die fünf Musiker bei diesem feinsinnigen Meisterwerk beständig am Lodern. Begeisternd, wie sie zwischen fast sinfonischer Dichte und den feinen Einzelstimmen changierten. Viel Leidenschaft bestimmte diese Interpretation, viel glutvoller Zugriff, aber auch Sinn für die eher melancholisch-verträumten Momente.

Auch mit dieser fein ziselierten Komposition hat César Franck, dessen wunderbare Musik man bei uns viel zu wenig hört, der französischen Musik des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts den Weg gebahnt. Vieles in diesem passioniert und nuanciert gespielten Stück erinnert denn auch bereits an die Musik Claude Debussys. 

Hinweis:
Nächstes Konzert des Kulturforums: Die Sängerin Jeanine de Bique ist am Sonntag, 22. Februar, um 17 Uhr zu Gast in der evangelischen Kirche Berneck zusammen mit dem Ostschweizer Ensemble Il prete rosso. www.kulturforum-berneck.ch

 

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