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Fussball • vor 53 Minuten

Fussballkrimi auf der Aegeten: Der FC Widnau und Eschen/Mauren trennen sich 4:4

In einem Spiel, das zur Pause verloren schien, zeigten die Widnauer eine famose letzte halbe Stunde und drehten den Rückstand in einen Vorsprung um. Ein richtiges Happy End blieb beim 4:4 allerdings aus.

Von Hansueli Steiger
aktualisiert vor 5 Minuten

Zur Pause sah es nicht nach Zählern für Widnau aus. Die Celli-Elf lag gegen Eschen/Mauren 1:3 hinten und die Art, wie die Liechtensteiner in der ersten Halbzeit auftraten, verleitete nicht nur diesen Zuschauer zu dieser Annahme. Kämpferisch war den Einheimischen nie ein Vorwurf zu machen, aber spielerisch setzten die Gäste die Akzente.

Es dauerte keine zwei Minuten, bis die Rheintaler hinten lagen: USV-Captain Medin Murati vollendete eine Massflanke seines anderthalb Jahre jüngeren Bruders Emir per Kopf zum 0:1. Widnau-Goalie Leo Hetzel hatte mehr zu tun als sein Gegenüber Gabriel Foser. So zeigte er etwa in der 13. Minute gegen Medin Murati eine Top-Parade, die das 0:2 bedeutet hätte. Filip Radojicic brachte den nächsten gefährlichen Abschluss, wieder war Hetzel auf dem Posten.

Dann hatte Widnau den ersten Hochkaräter: Tristan Kuster spielte in die Tiefe, Yasir Mihci übernahm. Beim Laufduell mit Verteidiger Luka Krbanjevic wurde Mihci entscheidend gestört, Foser klärte. Danach verlagerte sich das Geschehen auf die andere Seite: Ricard Micevski nahm Anlauf, Luca Giorlando preschte dazwischen und entschärfte. Diese Szene zeigte den enormen Kampfgeist, den die Aegeten-Elf an den Tag legte.

Nach einer halben Stunde fiel das 0:2 aber doch: Emir Murati vollendete mit einem herrlichen Schuss. «Draabliiba! Come on!», rief FCW-Captain Noah Thönig seinen Mitspielern zu. Aber sein Team stand vor einer Herkulesaufgabe. In der 34. Minute jubelte Widnau: Alessio De Simeis, der eine starke Vorstellung zeigte, passte auf den Mihci, der lossprintete und Foser zum 1:2 bezwang. Doch wie gewonnen, so zerronnen: Keine zwei Minuten später war der Zweitore-Vorsprung wiederhergestellt. Der 18-jährige liechtensteinische Nationalspieler Alessandro Lo Russo erzielte ihn mit einem unhaltbaren Abschluss. «Jetzt clever spielen, Jungs!», rief er.

Widnau mit drei Toren innert 18 Minuten

Eschen hatte auch in der zweiten Hälfte die erste Chance, wieder stand Hetzel im Weg. Auch in der 54. Minute parierte er einen Abschluss von Micevski. Dann wurde Widnau stärker. In der 57. Minute kam Carlos De Almeida an den Ball, lief auf der linken Seite durch, passte in die Mitte, wo Timon Cabezas mit einem unhaltbaren Direktschuss das 2:3 markierte. Radojicic hatte eine Minute später die nächste Chance, die Hetzel erneut stark parierte. Doch Widnau witterte nun die Chance. Trainer Andreas Lüchinger brachte nach einer Stunde drei neue Kräfte auf das Feld, was die Gäste aus dem Takt brachte. Die Einheimischen gewannen nun viele Zweikämpfe und spielten die stärkste halbe Stunde der ganzen Saison. Auch das Toreschiessen klappte plötzlich: De Simeis passte in der 71. Minute auf Lirim Shala, der den Ausgleich erzielte.

Nun hatte Widnau das Momentum auf seiner Seite, die Abwehr der Gäste, die vorher kompakt war, schwamm gehörig. Das Spiel wurde zu einem offenen Schlagabtausch. Dann bebte die Aegeten: Lirim Shala setzte sich auf der rechten Seite gegen zwei Abwehrspieler durch, lief bis zur Grundlinie und spielte den Ball in die Mitte, wo De Simeis ihn unhaltbar ins linke obere Eck spedierte. Zur Pause hätte man keinen Pfifferling mehr auf die Einheimischen gesetzt, sie lagen 1:3 hinten. Und hatten daraus in 18 Minuten und mit einer unglaublichen Moral ein 4:3 realisiert. Die Spannung war spürbar, Widnau kam aber nur bei einem Schuss des eingewechselten Benjamin Perkolaj an den Aussenpfosten in Verlegenheit.

Die Rheintaler standen vor dem zweiten Saisonsieg. Doch es sollte nicht sein. Kurz vor der Nachspielzeit kamen die Gäste zu einer Ecke. Die Flanke erreichte Medin Murati, der per Kopf auf 4:4 stellte. Dass der Torschütze beim Jubel sein Leibchen auszog, zeigte die ganze Erleichterung der Liechtensteiner, dass sie nicht mit einer Niederlage nach Hause fahren mussten.

Für Widnaus Nummer 27, Tristan Kuster, war es ein spezielles Spiel. Der 18-Jährige stand zum zweiten Mal in der Anfangsformation. «Heute begann ich erstmals zu Hause», so der Diepoldsauer. «Ich war am Anfang ein bisschen nervös.» Dies merkte man ihm nicht an, er spielte einige sehr gute Bälle. Vor allem der Pass auf Mihci in der Mitte der ersten Halbzeit, der fast den Ausgleich brachte, war hervorragend. «Vor dem Spiel hätte ich für einen Punkt unterschrieben. Aber es ist schade, wenn man den Sieg so vergibt.»

Auf dem Kampfgeist und der Moral der letzten halben Stunde lässt sich aufbauen. Dann kann sich auch das Wettkampfglück wieder einstellen. Mit dem Punktgewinn bleibt Widnau zwar noch auf dem letzten Platz, ist zählermässig aber nahe an der Konkurrenz.

1. Liga Classic, Gruppe 3
Widnau – Eschen/Mauren 4:4 (1:3)
Tore: 2. M. Murati 0:1, 30. E. Murati 0:2, 33. Mihci 1:2, 35. Lo Russo 1:3, 57. Cabezas 2:3, 70. Shala 3:3, 75. De Simeis 4:3, 90. M. Murati 4:4.
Widnau: Hetzel; De Almeida, Giorlando, Marino, Thönig (59. Györky); De Man; Cabezas (59. F. Metzler, 83. Egbon), De Simeis, Kuster (59. Shala), Mihci; Tüccar.
Gelbe Karten: 25. Kuster, 83. Giorlando – Eschen/M. 4.

Weitere Ergebnisse:
Gossau – Baden 3:2, Dietikon – Mendrisio 2:0, Tuggen – Collina d’Oro 3:3, St.Gallen U21 – Freienbach 1:0, Taverne – Thalwil 2:0, Locarno – Kosova 1:0.
Rangliste: 1. St.Gallen U21 10/22, 2. Tuggen 10/21, 3. Taverne 10/20, 4. Thalwil 10/16, 5. Baden 10/16, 6. Kosova 10/16, 7. Collina d’Oro 10/15, 8. Dietikon 10/14, 9. Gossau 10/14, 10. Locarno 10/10, 11. Freienbach 10/10, 12. Winterthur U21 9/9, 13. Eschen/Mauren 9/9, 14. Wettswil-B. 10/9, 15. Mendrisio 10/8, 16. Widnau 10/6.