Gedanken zum Festtag: Allerheiligen und die heile Welt | Der Rheintaler

Christlich 01.11.2023

Gedanken zum Festtag: Allerheiligen und die heile Welt

Wenn wir sie nur hätten, die heile Welt! In diesen Tagen krie­gerischen Unheils von einer heilen Welt zu sprechen, fällt uns schwer.

Von Ingrid Grave.
Dominikanerin in Ilanz
aktualisiert am 01.11.2023

Doch was ist eine heile Welt? Manchmal ist sie ganz klein, das heisst: Sie ist nur ein kleines Stück der grossen Welt, ein Ort um uns herum, wo wir uns geborgen fühlen bei Menschen, die etwas Heiles, etwas Heilendes, etwas Heiliges ausstrahlen. Damit sind wir bei der Heiligkeit und den Heiligen.

Das Fest Allerheiligen ehrt gerade jene Menschen, die nichts Besonderes gemacht haben in ihrem Leben. Sie waren einfach da, setzten sich ein in ihren Familien, für das Wohlergehen der Menschen in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz.

In ihrer engsten Umgebung schufen sie eine heile Welt, ganz unauffällig. Und als sie starben, wunderte man sich über die vielen Leute, die da zur Beerdigung gekommen waren. «Ja, der oder die Verstorbene war halt eine beliebte Person», so sagt man dann. «Aber ansonsten nichts Besonderes.» Wirklich nicht?

In der katholischen Kirche gibt es einen riesigen Heiligenkalender. Da sind weltweit Männer und Frauen, Alte und Junge, manchmal sogar Kinder aufgelistet. Was hat die Kirche damit bezweckt? Sie wollte uns aufzeigen, was diese Menschen Ausserordentliches für andere geleistet haben.

Wir Lebenden sollen uns daran erbauen und sie uns zum Vorbild nehmen.

Seit den Anfängen der Christenheit ist das der Gedanke, der dahinter steht. Und dann gibt es noch jene, die ihres christlichen Glaubens wegen umgebracht und so zu Märtyrern wurden.

Nun hat aber nicht jeder Christ, jede Christin die Berufung zu einem Martyrium. Hier in der weitgehend toleranten Schweiz gäbe es heute kaum Gelegenheit dazu. Gott sei Dank dafür!

Wir leben angstfrei, denn die Schweiz ist eine heile Welt, eine kleine, aber immerhin!

Liebe Leserinnen und Leser, hier kommen Ihnen vielleicht doch leise Zweifel. Denn in der Schweiz ist nicht alles heil und von Heiligkeit erfüllt. Da gibt’s sogar öffentliche Skandale. Nicht jeder Schweizer ist ein Bruder Klaus, und nicht jede Schweizerin würde so unbesehen in den Spuren seiner Frau Dorothee gehen wollen.

Bruder Klaus wurde von der katholischen Kirche heiliggesprochen, Dorothee jedoch nahezu ver­gessen.

Für sie und alle anderen, die irgendwo auf dieser Welt kleine Orte schaffen, wo Heil, Heilsames und heile Welt erlebt wird, für diese stillen Vorbilder gibt es das Fest Allerheiligen.