Diese steht in der Tabelle aktuell auf dem dritten Platz, ist seit neun Spielen ungeschlagen und hat seine letzten sechs Begegnungen allesamt gewonnen. Etwas überraschend wirkt es daher schon, dass die Widnauer das Spiel in der Hinrunde auf dem Kunstrasenplatz Moos in Wettswil am Albis gewonnen haben.
Am 24. August 2025 war eine Viertelstunde gespielt, als es nach einem Foul an Ceyhun Tüccar (der sich in jenem Spiel einen Kreuzbandriss zuzog) einen Freistoss für die Gäste gab. Daniel Lässer nahm aus rund 30 Metern Mass und bezwang FCWB-Torhüter Luca Thaler mit einem platzierten Schuss in die rechte untere Ecke. Es war der erste Saisonsieg des Aufsteigers und gleichzeitig die erste Niederlage von Wettswil-Bonstetten, das kurz zuvor im Sommer in den Aufstiegsspielen in die Promotion League an der U21 von Lausanne-Sport gescheitert war.
Neuer Trainer: Mirzai kam für Lichtsteiner
Wettswil und Bonstetten sind zwei der 14 Gemeinden des Knonauer Amtes, in denen zusammen rund 57'000 Menschen leben. Das Knonauer Amt ist im Volksmund auch als Säuliamt bekannt. Dieser Name stammt vermutlich aus der Zeit, als sich in jener Gegend unter den Treppen der alten Bauernhäuser kleine Schweineställe befanden.
Gegründet wurde der FCWB im Jahr 1979. In den letzten 20 Jahren hatten die Zürcher einiges zu feiern: 2006 glückte der Wiederaufstieg in die regionale zweite Liga, 2010 jener in die Interregio. Nur zwei Saisons später spielten sie dort die Konkurrenz in Grund und Boden und stiegen mit zwölf Punkten Vorsprung auf Langenthal in die erste Liga Classic auf. Schon 2015 spielte WB dann sogar um den Aufstieg in die Promotion League, der allerdings dem SC Cham überlassen werden musste. Seit 2016 klassierten sich die Wettswiler nur zweimal nicht in den Top Five der Gruppe.
Gut drei Wochen nach dem letzten Jahreswechsel musste der Club einen neuen Trainer suchen. Der vorherige Übungsleiter war der 108-fache Internationale Stephan Lichtsteiner, der beim FC Basel Ludovic Magnin ersetzte. Nachfolger von Lichtsteiner bei Wettswil-Bonstetten wurde der 31-jährige Hesam Mirzai.
Die Säuliämter waren nicht gut in die Saison gestartet. Nach fünf Spielen hatten sie erst vier Punkte. In dieser Zeit erlebten die Wettswiler ihr Saisonhighlight: das Cupspiel vor 5300 Fans gegen den FC Zürich, der sich den 2:0-Sieg erst in der Nachspielzeit sicherte. Und nach drei Niederlagen in Serie kam die Wende: Seit dem 0:1 in Tuggen am 27. September ist der FCWB ungeschlagen. Auch im Nachtragsspiel in Freienbach am Mittwochabend liess er sich die Butter nicht vom Brot nehmen und gewann durch zwei frühe Tore mit 2:0. Er profitierte auch von einem vergebenen Penalty der Gastgeber.
Widnauer Top-Start in die Rückrunde
Der FC Widnau hingegen gewann am letzten Samstag bei der SV Schaffhausen mit 3:0. «Wir spielten eine gute erste Halbzeit und haben uns mit den drei Toren belohnt», sagt Co-Trainer und Sportchef Daniel Lüchinger. In der 14. Minute ging der FCW in Führung: Ein weiter Auskick von Torhüter Ilija Kovacic fand Timon Cabezas, der nach vorne gesprintet war. Der Marbacher setzte sich gegen zwei Verteidiger durch und kam zum Abschluss. Diesen wehrte SVS-Goalie Robin Belser zwar ab, doch das Leder kam genau vor die Füsse von Stefano D’Amico, der mit einem satten Schuss den Führungstreffer markierte.
Nur sechs Minuten später doppelten die Rheintaler nach: D’Amico passte auf den rechts mitgelaufenen Lirim Shala. Dieser spielte in die Mitte, wo Cabezas nach einer Intervention von Nilaksan Thevanayagam zu Fall kam. Daniel Lässer verwandelte den Penalty sicher zum 2:0. Auch beim dritten Treffer in Minute 27 hatte Cabezas seine Füsse im Spiel. Seinen Kurzpass auf Shala leitete dieser direkt dem aufgerückten Verteidiger Carlos Daniel De Almeida weiter. Dessen Flanke in die Mitte brachte die Schaffhauser Verteidigung nur ungenügend weg. Shala stand goldrichtig und netzte sehenswert aus 18 Metern zum 3:0 ein, was auch das Schlussresultat war.
«Wir dürfen nicht nachlassen…»
«In der zweiten Halbzeit haben wir zu viel verwaltet. Dennoch sind wir zufrieden mit den beiden ersten Spielen. Die Stimmung in der Mannschaft ist dementsprechend gut», sagt Daniel Lüchinger.
Sein Bruder und Cheftrainer Andreas Lüchinger sagt: «In den beiden bisherigen Rückrundenspielen waren wir gut organisiert. Unser Plan ging auf.» Wichtig war, dass das ganze Team eine grosse Bereitschaft an den Tag legte, was auf diesem Niveau ohnehin unerlässlich ist. «Diese brauchen wir immer, sonst reicht es gegen keinen Gegner», so Andreas Lüchinger. Sein Bruder: «Mit Wettswil-Bonstetten kommt ein starkes Team auf die Aegeten. Wir müssen aber niemanden fürchten und wenn wir weiter geschlossen und kompakt auftreten, haben wir gute Chancen auf Punkte.»
Trotz der beiden Siege steht der FCW noch unter dem Strich – weil auch die unmittelbare Konkurrenz Höngg, Mendrisio und St.Gallen U21 immer wieder punktet. Daniel Lüchinger: «Es ist verrückt, wir kommen in der Tabelle nicht vom Fleck.» Mit Leistungen wie gegen Baden und in Schaffhausen wird der Sprung über den Strich früher oder später gelingen. Aber: «Wir dürfen nicht nachlassen», so der Co-Trainer.
Andreas Lüchinger sagt, die Zürcher seien spielerisch der beste Gegner der bisherigen Rückrunde. «Aber wir wollen ungeschlagen bleiben.» Die Rheintaler konnten diese Woche erstmals in diesem Jahr auf Naturrasen trainieren. Fraglich sind am Sonntag Timo Faleschini, Luca Beck und Rikard Oroshi. Widnau hat zweimal in Serie gewonnen, Wettswil-Bonstetten bereits sechsmal. Welche Serie wird wohl am Sonntag reissen?
Geht die Widnauer Siegesserie gegen den Tabellendritten weiter?