Er machte die Lehre zum uniformierten Postbeamten PTT in St. Gallen und absolvierte die LKW-Prüfung mit Anhänger, transportierte Postsendungen und trug grosse Verantwortung bei Geldtransporten. Nach zwei Jahren Fahrpraxis folgte die Gesellschaftswagen-Prüfung.
Stefan Wagner erlebte noch die Ära der legendären gelben Saurer-Postautos, die damals in Heiden bei der Reisepost rollten. Ohne GPS, ohne Bordcomputer, ohne grossen Komfort. Doch sie fuhren. «Immer», sagt er und lächelt.
Als Klimaanlage dienten die Dachluken und manchmal die offene Vordertüre.
Mit gerade einmal 25 Jahren war Stefan Wagner wohl einer der jüngsten Postauto-Wagenführer am Steuer eines Doppelstock-Postautos, das 1995 in Heiden neu in Betrieb genommen wurde. Heute, nach 40 Dienstjahren, sitzt Stefan Wagner noch immer hinter dem Steuer mit derselben Freude wie am ersten Tag. Für ihn ist der Beruf des Postautofahrers weit mehr als ein Job. In einer Welt, die zunehmend schneller und anonymer wird, ist Stefan Wagner im Appenzellerland ein vertrautes Gesicht und steuert in seiner ruhigen Art das Postauto durch die Strassen.
Das Appenzeller Vorderland verlangt Fahrerinnen und Fahrern einiges ab: enge Kurven, steile Anstiege, herausfordernde winterliche Verhältnisse. Doch auch wenn einmal viel Schnee liegt, nimmt es Stefan Wagner mit Humor.
Ein vertrauter Mensch im Alltag
Wenn er heute auf die vier Jahrzehnte zurückblickt, erzählt er von Begegnungen, spannenden Gesprächen und Schicksalen. Ob ihm der Beruf je langweilig geworden sei? «Nein, im Gegenteil», sagt er, ohne zu zögern. Mit jedem Jahr gab es neue Begegnungen und es entstanden Freundschaften. Für viele Menschen ist ein langjähriger Postauto-Fahrer wie Stefan Wagner ein vertrauter Mensch im Alltag.
Nach einem kurzen Ausflug ins Büro zog es ihn wieder zurück auf die Strasse zu den Fahrgästen. Dabei schwärmt er auch von seinem Arbeitsplatz: Wer kann während der Arbeit die Natur geniessen, Sonnenaufgänge erleben, die Tierwelt beobachten und im Frühling das Erwachen der Natur hautnah miterleben? In den letzten 40 Jahren hat sich viel verändert. Digitalisierung und Automatisierung machen auch vor dem Postauto nicht halt. Handys und Kopfhörer ersetzen immer häufiger das Gespräch, etwas, das der Jubilar bedauert. Kein Bildschirm kann ein freundliches Wort ersetzen.
Wenn Stefan Wagner drei Wünsche an seine Fahrgäste richten könnte, welche wären es? Er lacht und sagt: «Erstens: kein Telefonieren über Freisprechanlagen. Niemand im Bus möchte diese Gespräche mithören. Zweitens: den Türbereich freihalten. Das Ein- und Aussteigen geht schneller und ist für alle angenehmer. Und drittens: pünktlich an der Haltestelle sein. Mitreisende sind dankbar, wenn Anschlüsse erreicht werden und nicht auf verspätete Fahrgäste gewartet werden muss.»
Gelbes Blut: Postautofahrer Stefan Wagner feiert 40 Dienstjahre