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Goldhügel-Team zu Gast beim FC Widnau auf der Aegeten

Am Sonntag bekommt der FC Widnau Besuch aus dem Tessin: Der aktuelle Tabellenachte, der FC Collina d’Oro, ist zum ersten Mal anlässlich eines Meisterschaftsspiels im St. Galler Rheintal zu Gast.

Von Hansueli Steiger
aktualisiert vor 1 Stunde

Der Verein wurde am 24. Mai 1968 als Unione Sportiva Gentilino gegründet. Durch den Zusammenschluss der Orte Agra, Montagnola und Gentilino entstand am 4. April 2004 die Gemeinde Collina d’Oro (zu Deutsch: «Goldhügel»). Durch diese Fusion erhielt der Fussballclub knapp drei Monate später seinen heutigen Namen. Die Gemeinde liegt südlich von Lugano auf der Halbinsel Ceresio und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf den Luganersee.

Der Präsident des Clubs ist in der Banken- und Wirtschaftswelt bestens bekannt. Seit 2009 führt Sergio Ermotti, CEO der Grossbank UBS, den Verein. An das Centro Sportivo in Gentilino, dem Spielort des FCCO, hat Widnau aber keine guten Erinnerungen. Am 6. September 2025 bezahlte der Aufsteiger dort Lehrgeld. Widnau-Co-Trainer und Sportchef Daniel Lüchinger sagt: «Wir gingen damals im Tessin sang- und klanglos unter. Wir haben durch haarsträubende Eigenfehler verloren.» Die Tessiner legten eine enorme Effizienz zu Tage und gewannen durch Tore des gefährlichen Sturmduos Martino Novaresi (drei Tore) und Simone Musumeci (zwei) mit 5:0. Die beiden Torschützen aus jenem Spiel sind mit je zehn Treffern die treffsichersten Vorrunden-Torschützen ihres Teams. Eine Hälfte dieser Offensive ist seit Februar nicht mehr dabei: Novaresi unterschrieb beim Challenge-Ligisten Yverdon-Sports.

Vor 16 Jahren war Collina d’Oro noch Viertligist

Am Mittwochabend verlor Collina d’Oro sein Heimspiel gegen Dietikon durch ein Gegentor kurz vor Schluss mit 0:1. Es war das erste Saisonspiel, das ohne einen Treffer der Tessiner zu Ende ging. In den vorherigen 18 Partien hatten sie immer mindestens einmal getroffen.

Am 10. Juni 2005 stand nach einer 1:3-Niederlage in Morbio der Abstieg von Collina d’Oro in die 4. Liga fest. Bis und mit 2024 stiegen die Tessiner dann aber gleich fünfmal auf. Richtig ins Rollen kam der FCCO-Express 2021. Die Tessiner schafften in der wegen Corona verkürzten Saison ein nicht alltägliches Kunststück: Alle zwölf Spiele wurden gewonnen und mit dem daraus resultierenden Torverhältnis von 52:2 brachten sie die Konkurrenz auch überregional zum Staunen. Die regionale zweite Liga war aber nur eine Durchgangsstation. Mit zwölf Punkten Vorsprung auf den FC Malcantone stürmte der Verein in die Interregio. Nach einem dritten Platz in der ersten Interregio-Saison schaffte der FCCO 2024 den Aufstieg in die 1. Liga Classic – mit einem grossen Vorsprung auf den FC Locarno. Die letzte Saison schlossen die Tessiner auf dem sechsten Platz ab.

«Müssen das Gesicht aus den ersten Spielen zeigen»

Nach den Startsiegen im Februar gegen Baden (3:1) und bei der Spielvi Schaffhausen (3:0) musste Widnau in den letzten zwei Spielen Niederlagen einstecken. Die Konkurrenz in den hinteren Tabellenregionen ist stark. Weil diese Teams auch immer wieder punkten, liegt der FCW aktuell auf dem 15. Platz. Höngg, das am Mittwoch bei Wettswil-Bonstetten 1:4 verlor, hält ebenfalls bei 15 Zählern, hat aber gegenüber Widnau das bessere Torverhältnis (minus 17 gegenüber minus 26). Wettswil-Bonstetten, das seit elf Spielen in Folge nicht mehr verloren hat, ist neu Tabellenzweiter. Dabei profitierten die Zürcher von einer Niederlage des bisherigen Tabellenzweiten Tuggen in Winterthur, die mit 0:5 deftig ausfiel.

Die Devise für Widnau ist klar: Ein Sieg am Sonntag wäre enorm wichtig. Doch es wird eine happige Aufgabe: «Collina d’Oro schätze ich sehr spielstark ein», sagt Trainer Andreas Lüchinger. Im Heimspiel am Sonntag vor einer Woche gegen den FCWB machten es die Rheintaler den Zürchern nicht einfach. In den ersten 30 Minuten hatten die Widnauer einige gute Chancen, um das Spiel in die für sie erhofften Bahnen zu lenken. Danach war es, als würde ein Schalter umgedreht: Die Säuliämter liessen Gegner und Ball laufen und spielten ihre Klasse aus. Andreas Lüchinger: «Gegen Wettswil-Bonstetten hielten wir 30 Minuten lang sehr gut mit, dann hatten wir nach dem Doppelschlag kurz vor der Pause keine Chance mehr.»

Auch in Freienbach gab es keine Punkte

Auch am letzten Samstag in Freienbach hatte Widnau einen guten Start, nutzte die sich bietenden Torchancen aber wieder nicht aus. «Das 1:0 kam aus dem Nichts und das 2:0 bekamen wir zu einfach. Danach war die Sache gelaufen», sagt Daniel Lüchinger. Sein Bruder sieht es gleich: «Gegen Freienbach waren wir in der ersten Halbzeit eigentlich die bessere Mannschaft. Aber Freienbach hatte zwei Chancen und verwertete diese. So wird es gegen jedes Team schwer, nochmals zurückzukommen.»

Daniel Lüchinger: «Zu viele Leistungsträger sind momentan nicht auf dem Level, auf dem wir sie brauchen. Wir müssen das Gesicht aus den beiden ersten Rückrundenspielen zeigen, sonst sehe ich schwarz für die nächsten zwei Heimspiele gegen qualitativ sehr gute Teams.» Nur eine Woche nachdem der FC Collina d’Oro auf der Aegeten seine Visitenkarte abgegeben haben wird, ist der FC Dietikon im Rheintal zu Gast. «Vor allem in den Heimspielen müssen wir punkten, sonst wird es ganz schwer in dieser Liga. Ich hoffe, die beiden Niederlagen sind ein Weckruf für die Mannschaft», so der Co-Trainer.

Am Sonntag fehlen Widnau neben den Langzeitverletzten Kevin Egbon und Ceyhun Tüccar sowie Hakija Canoski, der im April wieder einsatzfähig sein sollte, auch Sinan Özcelik wegen einer Rückenverletzung. Zudem sind die Defensivkräfte Simeon Weber und Carlos Daniel De Almeida wegen Gelbsperren nicht dabei.

Was wünscht sich Andreas Lüchinger für den Sonntag? «Wir brauchen gegen jeden Gegner vor allem Leidenschaft und Emotionen. Dann ist viel möglich.»