Rüthi 10.08.2026

Helene Hengartner ist Masken-Teamleiterin bei der Freilichtbühne

In der Maske verwandeln sich Personen in ihre Rollen. Helene Hengartner leitet das Maskenteam mit ruhiger Hand, viel Erfahrung und feinem Gespür dafür, was die Darsteller kurz vor dem Auftritt brauchen.

Von pd
aktualisiert am 10.08.2026

Rund zwei bis vier Stunden, bevor auf der Freilichtbühne Rüthi die Aufführung beginnt, versammelt sich das Ensemble gestaffelt in der Maske. Während professionelle Schauspieler oft tagsüber Zeit für ihre Vorbereitung haben, bringen viele Mitglieder des Freilichtbühnenensembles Beruf, Familie und Theater unter einen Hut. So erscheinen etliche direkt nach der Arbeit – manchmal müde, manchmal aufgedreht.

Innerhalb kurzer Zeit findet danach eine Verwandlung statt. Visuell geschieht dies mit Make-up, Frisur und Kostüm. Doch die Verwandlung durch das Maskenteam unter der Leitung der Altstätterin Helene Hengartner geht tiefer. Dank Erfahrung und feinem Gespür weiss die gelernte Visagistin und Stylistin, was jede und jeder kurz vor dem Auftritt braucht – sei es Ruhe oder ein Gespräch.

Das Ergebnis ist dasselbe: Nach dem Gang in die Maske sind die Schauspielerinnen und Schauspieler nicht nur optisch verwandelt, sondern auch emotional freier und bereit, ihre Rolle zu leben.

Wie gelingt das? «Mit kameradschaftlicher Atmosphäre und Herzlichkeit», sagt Helene Hengartner. Entscheidend seien eine authentische Wertschätzung gegenüber dem Menschen und seinen Bedürfnissen sowie ein offenes Ohr. Es gehe darum, präsent zu sein und aufmerksam hinzuhören.

Die Anforderungen an die Maske sind hoch

Seit 2008 ist Helene Hengartner Teil des Maskenteams. Mit den Jahren wuchs nicht nur ihre Erfahrung, sondern auch ihre Verantwortung. Heute leitet sie das Team, plant die Einsatzzeiten, koordiniert die Helferinnen und stellt sicher, dass auch unter Zeitdruck jedes Detail stimmt.

Perücken müssen sitzen, Bärte halten und das Make-up muss dem Wetter standhalten. Gerade bei einer Freilichtproduktion sind die Anforderungen besonders hoch: Hitze, Wind oder ein plötzlicher Regenschauer verlangen Improvisationstalent und Routine.

Das Maskenteam rund um Helene Hengartner arbeitet eng mit den Ressorts Regie und Kostüm zusammen. Schon früh im Prozess entstehen erste Ideen. Beim diesjährigen Stück «Kurhotel Kamor» bewegt sich die Geschichte im Übergang zu den 1920er-Jahren, einer spannungsgeladenen Zeit zwischen Tradition und Aufbruch. Entsprechend hat sich Helene Hengartner intensiv mit dieser Epoche auseinandergesetzt. Sie recherchierte typische Frisuren und Schminktechniken, studierte Bilder und fragte sich:

Wie sah damals eine elegante Kurgästin aus, wie das Personal, wie die einfache Dorfbevölkerung?

Maske trägt entscheidenden Teil zur Produktion bei

Doch nicht nur Epoche und Berufsstand sind entscheidend. Alter, Lebensstil und Charakter spielen ebenfalls eine Rolle und lassen sich mit dem richtigen Make-up gezielt betonen. Die grosse Kunst der Theatermaske besteht darin, den Charakter sichtbar zu machen. Mit feinen Veränderungen lässt sich viel bewirken: Für eine strenge Person rücken die Augenbrauen näher zusammen, bei einem heiteren Charakter werden sie leicht nach oben gezogen.

Soll jemand älter oder bedrückt wirken, führt Helene Hengartner Linien und Schattierungen eher nach unten; eine noble Erscheinung erhält durch nach oben gesetzte Akzente und helle Farben Ausdruck und Würde.

Wenn das Maskenteam seine Arbeit geleistet hat, macht sich das Ensemble auf den Weg Richtung Bühne. Für Helene Hengartner ist das der schönste Augenblick: zu sehen, wie aus Alltagsmenschen Figuren geworden sind und bereit, unter freiem Himmel Geschichten zu erzählen. Hinter den Kulissen beginnt diese Verwandlung jedes Mal von Neuem. Und jedes Mal trägt die Maske ihren stillen, entscheidenden Teil dazu bei.

Infos und Tickets zum aktuellen Stück: kurhotelkamor.ch