Dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) sind unabhängig voneinander zwei Drogenschmuggler ins Netz gegangen. Beim Grenzübergang St. Margrethen hielten Zollbeamte am 10. Februar einen Lieferwagen mit österreichischem Kennzeichen an. Bei der Kontrolle entdeckten die Zöllner im Laderaum 16 Kisten mit 1028 Hanfpflanzen. Beim Fahrer handelte es sich um einen 49-jährigen Österreicher.
Zwei Tage später, am 12. Februar, hielt eine BAZG-Patrouille bei Diepoldsau einen Lieferwagen mit Schweizer Kennzeichen an. Am Steuer sass ein 66-jähriger Schweizer, der kurz zuvor über den Grenzübergang Schmitter eingereist war. In seinem Fahrzeug fanden die Grenzbeamten 25 Kisten mit 1763 Hanfpflanzen.
Ob die Lenker der beiden Lieferwagen nur als Chauffeure verpflichtet worden waren, ob sie von ihrer verbotenen Fracht gewusst hatten oder ob sie gar selbst in den Handel involviert waren, ist nicht bekannt. Gegen sie läuft ein Strafverfahren wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Die Pflanzen waren zur Weiterzucht gedacht
Bei dem geschmuggelten Cannabis handelte es sich in beiden Fällen um Setzlinge, also Jungpflanzen mit Wurzeln. Diese werden zur Zucht verwendet und um neue Plantagen anzulegen. «Solche Jungpflanzen kann man in Österreich offen und legal im Fachhandel kaufen», sagt Milo Frey, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen.
Verboten ist, die Cannabispflanzen in die Schweiz einzuführen oder hier weiterzuverkaufen.
In Österreich zahlt man für einen einzelnen Setzling zwischen sechs und zehn Euro. Zur Herstellung von Rauschmitteln muss die Pflanze erst heranwachsen und Blüten treiben. Diese werden danach getrocknet, um daraus das Marihuana zu gewinnen. Das Harz kann zu Haschisch gepresst werden. Wie stark die Droge wirkt, hängt vom Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) der Pflanze ab. Ob das sichergestellte Cannabis bereits getestet wurde, teilen die Behörden nicht mit. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft St. Gallen.
Auch, was die mutmasslichen Schmuggler mit ihrer Ware vorhatten und ob es potenzielle Käufer gab, klärt die Polizei zurzeit ab. Denkbar ist etwa, dass die Setzlinge für eine versteckte Hanf-Indooranlage in der Nähe bestimmt waren. Aus ermittlungstaktischen Gründen kann die Polizei dazu keine weitere Auskunft erteilen. Sie geht aber davon aus, dass die beiden Fälle nichts miteinander zu tun haben.
Das Rheintal ist ein Hotspot für Schmuggler
An den Grenzübergängen entlang der Autobahn A13 erwischen die Grenzbeamten des BAZG immer wieder Schmuggler. Häufig geht es um Lebensmittel wie Fleisch, manchmal, wie im jüngsten Fall, aber auch um Drogen. Dass nun innerhalb von zwei Tagen gleich zwei Cannabistransporte aufgeflogen sind, sei nichts Aussergewöhnliches. Milo Frey räumt jedoch ein:
Die Anzahl der sichergestellten Pflanzen mag grösser sein als in anderen Fällen.
Die beschlagnahmten Cannabispflanzen werden in der Regel von der Polizei direkt entsorgt. Wo und wie das genau passiert, kommentiert die Kapo St. Gallen nicht. Einige Exemplare werden jeweils zurückbehalten, um sie im Labor auf ihren Reinheitsgehalt zu testen. Bei einem Strafverfahren hat das Ergebnis einen Einfluss auf das jeweilige Strafmass.
In Diepoldsau und St.Margrethen: Zoll stoppt zwei Lieferwagen mit über 2700 Hanfpflanzen