Freude herrschte nicht nur beim Publikum, sondern ebenso beim Vorstand des Diogenes Theaters: Präsident René Wuffli wies in der Begrüssung auf das unverwechselbare Bühnencharisma von Judith Bach und ihre Vielseitigkeit hin. Judith Bach habe sich als feste Grösse der deutschsprachigen Kleinkunst etabliert; sie habe den Salzburger Stier mehr als verdient.
Das feine Gespür für den Alltag
Auf der Bühne schlüpfte Judith Bach in ihre Figur Claire, schlug das Tagebuch ihrer «Oma Fritz» auf und nahm das Publikum mit viel Spielfreude, feinem Humor und einem Gespür für die kleinen Absurditäten des Alltags in ihre eigene Bühnenwelt mit.
Dabei bewegte sie sich mühelos zwischen Kabarett, Schauspiel und Musik. Mal pointiert und heiter, dann wieder nachdenklich, verband sie Leichtigkeit mit Tiefgang, ohne den ihr eigenen Humor aus den Augen zu verlieren.
Schon der Titel «Streuselkuchen» weckt Assoziationen an Vertrautes und Selbstgemachtes. Doch Judith Bach serviert nicht nur einfache Wohlfühlkost. Sie würzt ihre Erzählungen aus dem Altenheim, in dem jetzt ihre Oma Fritz sitzt, mit überraschenden Wendungen, präzisen Beobachtungen und einer guten Portion Selbstironie.
Aus kleinen Alltagsmomenten entstehen grosse Fragen, aus scheinbar Nebensächlichem komische Szenen. Das Publikum lacht, hört aufmerksam zu und wird immer wieder von einfühlsamen Chansons überrascht.
Die Verbindung zum Publikum
Was Judith Bachs Auftritte besonders macht: Sie erzählt nicht einfach Geschichten, sondern lässt ihre Figuren und Gedanken lebendig werden. Sprachliche Präzision trifft auf musikalische Vielseitigkeit, clowneske Momente auf leise Zwischentöne. Ihre Bühnenfigur Claire wirkt dabei eigenwillig und sehr nahbar zugleich. Gerade diese Mischung schafft eine besondere Verbindung zum Publikum – ohne dass Bach auf grosse Gesten oder laute Effekte angewiesen wäre.
Claire will Schweizerin werden
Die in Berlin geborene Künstlerin lebt seit mehr als zwanzig Jahren in der Schweiz. Ihre Ausbildung an der Scuola Dimitri prägt ihren unverwechselbaren Stil. Und nun will die Bühnenfigur Claire auch noch Schweizerin werden und gar noch ein schweizerisches Musical schreiben. Die Figuren, die dabei von ihr aufgereiht werden, waren allesamt bekannt, ihre Lieder ebenso. Für das Publikum war das ein Höhepunkt des Abends, und man darf gespannt darauf sein, wie sich die Figur Claire von der Berliner Schnauze in die Schweizer Behäbigkeit weiterentwickelt.
Nächste Vorstellung «Fourtastic» am 24. Oktober 2026. Tickets unter www.diogenes-theater.ch
Kabarett mit der frisch prämierten Judith Bach: «Der Stier für mir» im Diogenes Theater