Karin Schellings Kunst ist kraftvoll, experimentell und farbexpressiv. Ihre Bilder baut die Widnauerin in Schichten auf, ganz ihrem Farbensinn folgend. Sie benutzt nebst Acryl Sand, Asche und Papiere aller Arten, um zu überraschenden Resultaten zu kommen. Sie ist eine Alchemistin der Kunst.
Manchmal erscheint gar Gold in den Bildern, Blattgold, nicht das Gold des Finanzwesens. Gold ist für sie ein Strahlen im Bild, Vitalität und Glamour ausdrückend. Oft lassen Erdtöne ein dazu gesetztes kräftiges Rot umso mehr leuchten.
Die Künstlerin liebt Portugal, Südspanien und den Orient. Wenn sie von den Ockerfarben der Wüste und den orientalischen Farben und Ornamenten in Marokko erzählt, leuchten ihre Augen. Dort entdeckt sie Türkis, Aqua-Töne und das Königsblau im Garten von Yves Saint Laurent und in Portugal die verzückenden Azulejos.
Im Atelier übersetzt sie die Farberlebnisse in ihre Malerei. Sie folgt ihrem Farbgefühl und vermeidet Kunterbuntes, sie wählt aus, kombiniert und legt Schicht über Schicht, bis sie das Resultat überzeugt.
Von der Schneiderin zur Malerin
Karin Schelling wollte immer malen, entschied sich aber zunächst für den Beruf der Schneiderin. Sie fertigte Haute Couture, bis sie begann, nur noch zu malen, ihrem Traum ganz zu folgen. Sie besuchte Kurse bei namhaften Künstlern. Einer davon, Peter Feichter, bekannt für seine Farbexplosionen, war exzentrisch: Als er ein von allen Kursteilnehmern bewundertes Werk von Karin Schelling sah, übermalte er es vor den Augen und zum Schreck aller.
Doch hatte es auch sein Gutes, ihr Mut zu den Farben wurde gestärkt. Ihr gefallen auch die Spachtelbilder von Gerhard Richter, die Tiefe der Farben bei Mark Rothko und die naturnahe Abstraktion von Joseph Ebnöther. Sie gibt den zwei Seiten des Lebens, der farbenfrohen Lebendigkeit, aber auch der bröckelnden Vergänglichkeit, eine bildnerische Form.
Die Künstlerin stellt zum dritten Mal im «Stellwerk» Heerbrugg aus. «Ich liebe die hübsche Galerie, die Begegnungen dort, den Abwechslungsreichtum der diversen Ausstellungen.» Nun ist sie an der Reihe, dem Raum ihren Stempel aufzudrücken.
Ausstellung bis 8. März: Künstlerinnenapéro: Freitag 27. Februar, um 19 Uhr; Öffnungszeiten: freitags 18 bis 20 Uhr, samstags und sonntags 14 bis 18 Uhr.
www.kulturraum-stellwerk.ch
Karin Schelling bringt ihre Bilder Schicht um Schicht zum Leuchten