Die ehemalige Klosterkirche «Zum Guten Hirten», heute einvielseitiger Kulturraum, bot einen würdigen Rahmen für das Konzert des Frauenchors Altstätten. Die beiden Lieder mit geistlich-spirituellem Inhalt, «Shalom Alechem» und «Tibie paiom», ruhig und getragen gesungen, passten hervorragend in den ursprünglich sakral konzipierten Raum.
Einen Hühnerhautmoment löste das erste Solo des Trios Anderscht, «Lassüd», aus. Das von Andrea Kind komponierte Stück ist im Bergell entstanden und beschreibt in feinen Tönen die urtümliche Schönheit der Bergwelt. Der Begriff «Lassüd» stammt aus dem Bergeller Dialekt und heisst frei übersetzt «Dort oben».
Ein Potpourri aus mehreren Stilrichtungen
Der Frauenchor gefiel einmal mehr unter der souveränen Leitung von Iris Engelfried Meidert mit einer breiten Palette an Liedern. Die trefflich aufeinander abgestimmte Auswahl aus Pop, Schlager, Blues, Swing und Folk machte aus dem Konzert ein erfrischendes Erlebnis, das durch das Trio Anderscht dezent begleitet wurde.
Rasch sprangen Freude und Spass der Sängerinnen am Musizieren auf das fachkundige Publikum über. Mit kleinen choreografischen Einlagen akzentuierte der Chor die Inhalte der einzelnen Lieder.
Eine Konzertsymbiose der besonderen Art
Mit Leichtigkeit meisterten die Sängerinnen die Songs verschiedener Kulturen und Sprachen. Aus dem Englischen stammten die beiden «Music is everywhere» und «Flying». «E malama» ist ein Lied aus Hawaii und mit «An jenem Tag» sang der Chor die deutschsprachige Version des berühmten Songs «Those Were the Days». Der Swing «Bei mir bist du shein» aus den 30er-Jahren führte die Zuhörenden in die unbeschwerte Zeit der Kriegszwischenjahre.
Zwei Mundartlieder, «Für di» und «Luegid vo Berg und Tal», repräsentierten aus verschiedenen Epochen schweizerisches Kulturgut. Bei «Shalom Alechem» setzte das Trio Anderscht zwischen den Strophen zu einem weiteren Solo an. Andrea Kind entwickelte mit ihren beiden Kollegen einen sich steigernden Groove, der die Vielseitigkeit des Hackbretts und Kontrabasses aufzeigte. Die drei improvisierten virtuos und temporeich auf den Saiteninstrumenten. Bei abklingenden, leiserwerdenden Tönen übernahm dann wieder der Frauenchor den Abschluss des Liedes. Ein unbestrittener Höhepunkt des Konzertes.
Für die Zuhörenden ist ein solch aussergewöhnliches Rendezvous zwischen Laienchor und Profis das lohnende Ergebnis aufwendiger Probenarbeit. Hinter dieser musikalischen Symbiose steht die Dirigentin Iris Engelfried Meidert. Sie führte die Sängerinnen und das Trio Anderscht durch einen bewegten, anregenden und überraschenden Abend.
Ein Musik-Experiment mit dem Trio Anderscht
Das Trio Anderscht setzt sich aus Andrea Kind (Hackbrett), Raffael Bietenhader (Kontrabass) und Fredi Zuberbühler (Hackbrett) zusammen. Fredi Zuberbühler zeigte sich sehr zufrieden und auch stolz nach dem Auftritt:
«Eine solche Performance nach nur einer Probe; hat Spass gemacht!»
Er fügte an, dass dieses Konzert «etwas vom Schönsten» gewesen sei, das er in seiner bisherigen musikalischen Laufbahn erlebt habe. Dieses Kompliment spricht für sich und macht dem Frauenchor Altstätten Mut, wieder einmal ein solches Experiment zu wagen.
Klangvielfalt im Kulturraum: Laienchor und Profis treten gemeinsam auf