Pontoniersport vor 39 Minuten

Kraft, Geschick und Kameradschaft prägten ihren grossen Tag

Am Sonntag führte der Pontonier-Fahrverein Oberriet vor vielen Schaulustigen seine Vereinsmeisterschaft durch. Diese bestand aus einem Wettfahren sowie einem Schnürparcours und zeigte den Sport in allen Facetten.

Von Hansueli Steiger
aktualisiert vor 39 Minuten

Sonntag um 13 Uhr beim Vereinshaus an der Rheinstrasse, ganz in der Nähe des Zollgebäudes. Fast alle schattigen Plätze an den Festbänken sind besetzt, der Start der Vereinsmeisterschaft steht unmittelbar bevor. Fahrchef Sandro Gschwend erklärt den Kampfrichterinnen und Kampfrichtern den Fahrparcours und teilt ihnen entsprechende Posten zu.

Tanja Weder, seit über 16 Jahren Kassierin im Verein, rüstet sich mit Sonnenschirm und Getränk aus und sagt: «Für mich geht’s auf die österreichische Seite.» Sie nimmt zusammen mit den anderen Richtern, die die Posten am gegenüberliegenden Rheinufer betreuen, im Übersetzboot Platz. Mit diesen Booten fahren die Aktiven ihre Wettbewerbe, während die Jungpontoniere dafür den Weidling, einen der ältesten Schiffsbautypen der Welt, verwenden.

Schöne Anzahl jüngerer Pontoniere

Den Oberrieter Pontonier-Fahrverein gibt es seit fast 78 Jahren. Aus der Taufe gehoben wurde er am 28. November 1948. Der Anfang war schwierig. Trotz Mangels an ausgebildeten Übungsleitern lief es am ersten «Eidgenössischen» erstaunlich gut, danach ging die Mitgliederzahl aber zurück. 1958 waren nur noch sieben Pontoniere dabei. Dies sieht heute viel erfreulicher aus: «Wir haben gegenwärtig mit den Jungen zwischen 30 und 40 Mitglieder. Mich freut vor allem die schöne Anzahl der jüngeren Pontoniere», sagt Vereinspräsident Wolfgang Mielsch.

Der Begriff Pontonier stammt vom französischen Wort «pont» (Brücke) ab. An der Vereinsmeisterschaft gibt es ein Wettfahren, bei dem ein Fahrerpaar verschiedene Manöver, Landungen und Überfahrten möglichst sauber und präzise meistern muss, und einen Schnürparcours, zu dem das Spanntauwerfen gehört. Das richtige Schnüren ist für einen Pontonier wichtig. Dabei müssen verschiedene Knoten mit Seilen schnell und fehlerfrei ausgeführt werden. Zum Beispiel der Weberknoten zum Fixieren des Ruders am Boot.

Nicht nur, aber auch eine Familienangelegenheit

Sandro Gschwend instruiert die Fahrerinnen und Fahrer über die Übung, dann geht der Wettbewerb los. Bei herrlichem Wetter und sommerlichen Temperaturen geht es für die Fahrpaare auf den Rhein. Bei der Ausfahrt, noch auf Schweizer Seite, steht das erste Hindernis. «Ein Fähnchen muss touchiert werden. Wer es verfehlt, kriegt keinen Punkt», sagt Peter Gschwend und fügt an: «Es ist ein kräftezehrender Sport.»

Sandro, der Fahrchef, ist Peters Sohn. «Auch meine anderen Söhne, Andy und Mirco, sind im Verein», so Gschwend. Dass Pontoniere die Begeisterung innerhalb der Familie weitergeben, ist nicht selten. Das sagt auch Markus Kolb aus Widnau, der bis vor einigen Jahren im Verein war: «Ich bin vorbeigekommen, weil mein jüngster Sohn mitmacht. Er ist 15 und ist schon eine ganze Weile im Verein dabei.»

Ein Rhein, in dem man gut auch baden könnte

Nach dem Passieren dieser Ausfahrt geht es für die Paare in ihren Booten, die mit Ruder und Stachel ausgerüstet sind, zu den kniffligeren Aufgaben. Beispielsweise gibt es nur knapp über der Wasserlinie vier Stangen, die drei Tore bilden. Ziel ist es, das mittlere Tor zu durchfahren, denn es gibt am meisten Punkte. Berührt man eine Stange, gibt es Abzug. Nicht nur das Wasser hat seine Tücken, auch der ziemlich heftige Wind, der rheinaufwärts bläst, fordert die Pontoniere. Ihn einzuberechnen, ist eine Herausforderung: Das Wasser fliesst nicht immer gleich schnell, und es ist selten windstill.

«Es ist herrlich zum Fahren: Das Wasser ist so warm, man könnte gut darin baden», sagt Manuel Deiss. Ganz ideal lief es dem in Widnau wohnenden Marbacher aber nicht: «Ich wollte die Ausfahrt ein bisschen anders fahren als sonst, dabei sind wir angestanden.» Zum Sieg bei den Aktiven hat es ihm zusammen mit Fahrpartner Andy Gschwend dennoch gereicht.

Dario Ulmann im Schnüren eine Klasse für sich

Zum Pontoniersport gehört auch das Schnüren. Dario Ulmann gehört zu den besten Schnürern: Er siegte kürzlich am Chnüppu Cup in Einigen BE in seiner Kategorie. Auch an der Vereinsmeisterschaft stellt er in dieser Disziplin eine souveräne Bestmarke auf, die kein interner Konkurrent erreicht. Man muss nicht nur schnell sein, die Knoten müssen perfekt geschnürt werden. Dies überprüft ein Wertungsrichter. In 107 Sekunden hat Ulmann alle Knoten geschnürt – und dies fehlerfrei.

Viele Schaulustige verfolgen das Fahren vom Damm aus und zeigen Fachkenntnis. «Es sieht einfach aus, wenn man an Land ist, aber ich würde vermutlich keinen einzigen Punkt machen, wenn ich auf das Wasser müsste», sagt eine Zuschauerin und lacht herzhaft. Quirin Schmid ist seit vier Jahren im Verein und ist dessen Aktuar. Er sagt: «Die Vereinsmeisterschaft führen wir jährlich durch. Natürlich ist es immer wetterabhängig, wie viele Leute kommen. Dieses Jahr sind es viele.»

Jeder, der mindestens zehn Jahre alt ist, kann in Oberriet einen Jungpontonierkurs besuchen – kostenlos und ohne Verpflichtung. Natürlich sind auch Mädchen willkommen. Wer gern einen Sport ausübt, bei dem Kraft, Erfahrung, Geschicklichkeit, Präzision und Teamarbeit gefragt sind und die Kameradschaft zwischen Alt und Jung gelebt wird, ist hier richtig.

Ranglisten
Fahren
Aktive:
1. Andy Gschwend/Manuel Deiss 128,5; 2. Sandro Gschwend/Urs Weder 127,5; 3. Peter Zäch/Heinrich Zäch 126,5; 4. Patrick Wüst/Raphael Wüst 121,0; 5. Mirco Gschwend/Wolfgang Mielsch 118,0.
Jungfahrer: 1. Noe Kolb/Juri Fuchs 121,0; 2. Alexander Baumgartner/Enjo Sieber 111,0; 3. Dario Ulmann/Quirin Schmid 110,0; 4. Aiko Bischof/Severin Baumgartner 105,0.
Jungfahrer Kat. 1: 1. Laurin Eberle/Severin Baumgartner 35,5. 2. Giulia Sinner/Lucie Sinner 34,5. 3. Julian Benz/Fiodor Sinner 26,0.

Schnüren
Aktive: 1. Sandro Gschwend, 2. Andy Gschwend, 3. Peter Zäch, 4. Urs Weder, 5. Heinrich Zäch.
Jungfahrer: 1. Dario Ulmann, 2. Alexander Baumgartner, 3. Aiko Bischof, 4. Enjo Sieber, 5. Juri Fuchs, 6. Quirin Schmid.
Jungfahrer Kat. 1: 1. Severin Baumgartner, 2. Giulia Sinner, 3. Lucie Sinner, 4. Fiodor Sinner.

Mehr Infos zum Pontonier-Fahrverein auf www.pfvoberriet.ch.