Zu ihrem 26. Geburtstag hat sich Larissa Bertényi das schönste Geschenk gleich selbst gemacht: Mit einer neuen persönlichen Bestzeit über 100 Meter Hürden startete sie fulminant ins neue Lebensjahr und unterbot die Limite für die Europameisterschaft. «Es fühlt sich unglaublich an, im Moment ist alles noch etwas surreal», sagt die Widnauerin.
Die starke Zeit zum Saisonstart überrascht
Nach einer starken Hallensaison, in der sie ihre Zeit über 60m Hürden um 20 Hundertstelsekunden senken konnte, glaubte die Hürdenspezialistin an eine Steigerung im Freien. «Dass mir dies schon zu Saisonbeginn gelingt, überrascht auch mich», sagt Bertényi. Bereits am Pfingstmeeting in Zofingen hatte sie eine fantastische Leistung abgeliefert. Nach einem starken Vorlauf steigerte sie ihre persönliche Bestmarke im Final nochmals um sechs Hundertstel und überquerte die Ziellinie nach sensationellen 12,96 Sekunden.
Gleichzeitig durchbrach sie dabei erstmals die magische 13-Sekunden-Schallmauer – ein echter Meilenstein. Zu diesem Zeitpunkt war Larissa Bertényi erst die achte Schweizerin überhaupt, der dies gelang.
Feinschliff an den Hürden zahlt sich aus
Dass dies direkt beim ersten Saisonrennen gelang, hatte mehrere Gründe. Nach der Hallenweltmeisterschaft konnte die Hürdenspezialistin verletzungsfrei und fokussiert trainieren. Sie sagt: «Dass ich schnell bin, wusste ich. Aber mir war auch klar, dass ich mich technisch noch verbessern kann.» Ein besonderes Augenmerk legte sie deshalb gemeinsam mit ihrem Trainer Adrian Rothenbühler auf eine schnellere Hürdenüberquerung. «Ich spürte, dass ich mich in diesem Bereich gesteigert hatte und das summiert sich bei zehn Hürden natürlich. Deshalb war mir bewusst, dass ich an einem guten Tag meine Bestleistung unterbieten kann.»
Mit dem Lauf unter die 13 Sekunden hatte sie ihr grosses Saisonziel eigentlich schon erreicht. «Das hat mich extrem glücklich gemacht. Aber ich war danach unsicher, ob ich eine solche Leistung noch einmal wiederholen kann», gibt sie ihr Gefühlschaos nach dem Pfingstmeeting preis. Trainer Adrian Rothenbühler nahm ihr jedoch die Zweifel und motivierte sie für die nächste Aufgabe: «Jetzt bist du nur noch acht Hundertstelsekunden von der EM-Limite entfernt. Das schaffst du!»
Das perfekte Geburtstagsgeschenk
Ihren 26. Geburtstag verbrachte Larissa Bertényi gemütlich im Kreis ihrer Leichtathletik-Kolleginnen. Doch nur einen Tag später, am 4. Juni beim internationalen Meeting im österreichischen St.Pölten, zündete sie das nächste Feuerwerk. Im Final sprintete sie in 12,84 Sekunden auf den dritten Rang. Dabei pulverisierte sie ihre gerade erst aufgestellte Bestzeit um weitere zwölf Hundertstel.
«12,84 Sekunden – das ist unglaublich schnell und macht mich im Moment einfach sprachlos», schwärmte sie auch Tage nach dem Rekordlauf. Mit dieser Fabelzeit reiht sich Larissa Bertényi als fünftschnellste Athletin über 100 Meter Hürden in die ewige Schweizer Bestenliste ein und löste souverän das Ticket für die Europameisterschaft im August in Birmingham.
Viel Zeit, um diesen Erfolg sacken zu lassen oder die weitere Saison zu planen, blieb der Sportstudentin aber nicht: Direkt nach dem Rennen standen die Semesterprüfungen an. Dass sie Spitzensport und Studium so erfolgreich unter einen Hut bringt, verdankt sie auch ihrem Umfeld. Ihre Mitstudierenden unterstützen sie, und ihr Trainer, der in Magglingen arbeitet, ist äusserst flexibel. «In der Trainingsplanung schauen wir deshalb meist von Tag zu Tag», sagt die Rheintalerin.
Larissa Bertényi knackt mit einer Fabelzeit eine magische Marke